Groß ist für den Bali-Besucher die Versuchung, den Reizen der dortigen Kultur zu erliegen und sie als einen Reigen farbenprächtiger Feste, Prozessionen, Blumengestecke, Tänze, Kostüme und vielem mehr wahrzunehmen.
Oka Rusmini führt dem Leser mit ihrem Roman vor Augen, dass es auch die andere Seite der Medaille gibt: Zwänge, die durch eine Überbewertung von Äußerlichkeiten bedingt sind, Kasten und - mit diesen verknüpft - zahlreiche Vorschriften, Einschränkungen und Prozesse der Erniedrigung.
Oka Rusmini erzählt vorrangig die Lebensgeschichte von Telaga, zugleich aber auch die mitunter spannenden, aber zumindest immer aufschlussreichen Geschichten mehrerer anderer Frauen (und am Rande von einigen Männern). Dem Anspruch, ein Gesellschaftsporträt zu zeichnen, wird die Gradlinigkeit der Handlung phasenweise untergeordnet.
Die Sprache schwankt stellenweise, vor allem in einigen Dialogen, zwischen theatralisch und trivial. Daher keine fünf, sondern knappe vier Sterne.
Fazit: Speziell für den Bali-Interessierten lesenswert!