Das vorliegende wahrhaft schwergewichtige Buch des englischen Professors für Geschichte Ben Kiernan, der auch Gründungsdirektor des angesehenen "Genocide Studies" -Programmes der Universität Yale ist, ist nichts weniger als das historische Standardwerk zum Thema Genozid.
Es ist die erste umfassende Geschichte des Völkermords von der Antike bis in die Gegenwart. Seine einzigartige Leistung besteht neben der fakten- und quellenreichen Darstellung des historischen Geschehens in der Herausarbeitung der ideologischen Grundmuster des Völkermords und deren Kontinuität bis in unsere heutige Zeit.
Die Lektüre seiner ausführlichen Beschreibungen von Genoziden in Europa, Amerika, Australien und Asien und ihrer speziellen Umstände und Vorzeichen ist keine leichte Kost, konfrontiert sie den Leser doch mit einer Seite der Spezies Mensch, die offenbar nicht verschwindet.
Denn insbesondere das 20. Jahrhundert hat Völkermorde erlebt, die das bisher gekannte Ausmaß in einer Weise sprengten, die vorher nicht vorstellbar war. Der geschichtlich gebildete Zeitgenosse kennt die meisten in diesem Buch dargestellten Genozide des vergangenen Jahrhunderts, was aber besonders nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass die Verfolgung ganzer Bevölkerungsgruppen wegen ihrer ethnischen, religiösen oder nationalen Zugehörigkeit, kein reines Phänomen dieses schrecklichen Jahrhunderts ist. Schon für in der Antike begegnen uns die ersten Muster und Motive, die in allen Fällen des Genozids über die Jahrhunderte und Jahrtausende zu beobachten sind:
- Rassismus
- Religiöse Vorurteile
- Verklärung der Vergangenheit
- Expansionsbestrebungen
- Idealisierung der Beziehung zum als exklusiv verstandenen Boden
Das überaus ernüchternde Fazit dieses wichtigen Buches lautet: die Ideologien, die immer wieder zu Massentötungen geführt haben, haben ihre Macht noch immer nicht verloren. Deshalb kommt es auch heute noch, trotz der schrecklichen Erfahrungen aus dem 20. Jahrhundert zu verheerenden Genoziden, aktuell zum Beispiel in Darfur, obwohl die Weltöffentlichkeit das nicht wahrnehmen will.
Kiernans Buch ist sowohl ein umfassendes Geschichtswerk als auch ein wichtiger Beitrag zur Genozidforschung überhaupt, und wird als solches noch lange eine traurige Geltung behalten.
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