Eva ist Anfang vierzig, ihr Ehemann scheint sich völlig verändert zu haben, ihr Sohn ist ein rebellierender Teenager - Eva steckt in einer gewissen Routine, in der sie nicht mehr glücklich ist. Gerade recht kommt ihr da der Brief einer Anwaltskanzlei: Sie soll eine Grabrede halten. Für Daniel, den sie vor über 20 Jahren ein einziges Mal getroffen hat. Und so packt sie die Gelegenheit beim Schopf, entflieht dem niedersächsischen Dorf und macht sich in Hamburg auf Spurensuche. 'Weg vom Alltagsfrust, rein ins Abenteuer? Mach doch!' - die sonst so zuverlässige Eva wagt mal etwas - ob sie auch ein paar positive Erfahrungen gewinnt?
Im Vordergrund stehen die Fragen: Warum hat Daniel wohl gerade sie zur Grabrednerin bestimmt? Was erwartet Eva in Hamburg? Und wie wird diese spontane Auszeit ihr Leben verändern?
"Ich bin an einem Mittwoch aus meinem Leben verschwunden." Das ist der erste Satz, man findet ihn im Prolog auf Seite 9. Ab hier war ich sofort mitgerissen. Es war sozusagen Liebe ab dem ersten Satz. Klingt komisch, ist aber so. Der Stil der Autorin gefällt mir sehr!
Diese Geschichte ist vor allem eines: Glaubwürdig. Silke Schütze hat sich hier eine Story ausgedacht, die nachvollziehbar ist und in der man sich entweder wiederfindet und sich mit Eva, der Hauptdarstellerin, identifiziert, oder man ist vielleicht noch nicht an diesem Punkt im Leben angekommen, kann aber alles soweit verstehen und sich in die Situationen hineindenken.
Das Buch ist so aufgebaut, dass die Kapitel mit einer Frage aus "Gesprächsstoff: Original" beginnen. Ich finde das Ganze sehr passend, zudem regen sie zum Nachdenken an. Einige Fragen habe ich direkt für mich mit beantwortet, über andere muss man erst einmal eine Weile nachdenken.
Allgemein ist das Werk ziemlich tiefsinnig und gefühlvoll: Es geht um Liebe, um Wut; es geht um Frust und Abenteuer, um Trauer und Trost. Ich empfand es als sehr spannend und schlüssig, was Eva erlebt und das Lesen der Erfolge und Niederlagen, die die Protagonistin durchmacht, habe ich teilnahmsvoll mitverfolgt.
Die ein oder andere Person, auf die man im Laufe der Zeit trifft, ist auf den ersten Blick ziemlich überspitzt: Von zu schleimig über total aufgedreht bis hin zu sehr nervig ist alles dabei. Aber im Grunde genommen bildet das auch einen guten Kontrast zum Leben der völlig normalen, authentischen Eva.
Ein kleines Lob noch zum Schluss: Cover und Titel sind toll gewählt, sehr passend zur Geschichte.
Ich vergebe 4 Sterne und eine Empfehlung für alle, die einen Roman lesen wollen, der viel Wahres enthält, lebendig und packend geschrieben ist und vielleicht sogar ein paar Denkanstöße für's Leben geben kann. :)