So ist das mit erfolgreichen Konzepten. Einmal entwickelt wird kopiert und kopiert - den Leuten gefällts und sie strömen ins Kino oder kleben vor dem Fernseher. Ich übrigens auch. So passiert in den 70ern, als der Film "Airport" eine wahre Flut von Katastrophenfilmen nach sich zog. Und das Konzept war immer das Selbe: 1. Die kurze, oberflächliche Vorstellung der Protagonisten inklusive ihrer persönlichen Tragödien 2.Die Andeutung der unvermeidbaren Katastrophe, die von irgendeinem findigen Menschen vorhergesagt wird, der allerdings nirgendwo Gehör findet. 3.Die Katastrophe in ihrem ganzen, schrecklichen Ausmass und 4.Ein kleiner Haufen Überlebender, die das Schicksal/Konzept zusammengeführt hat, liegt sich am Ende in den Armen. Vom generellen zum speziellen: Auch der Film "Erdbeben" hält sich streng an dieses Konzept. Was jedoch äußerst angenehm ist, ist die Tatsache, dass man hier mit den persönlichen Dramen nicht zu stark belästigt wird, sondern vielmehr eine Naturkatastrophe betrachten kann, die es in sich hat. Der Film entstand 1974 und je mehr mich heute auch die Möglichkeiten der Computertechnologie begeistern, desto weniger verliert dieser Film für mich an Faszination. Hier wurden echte Häuser zertrümmert oder in die Luft gejagt, echte Straßen aufgerissen und echte Menschen verschüttet. Einige Tricks sind zugegebenermaßen etwas lächerlich (man erzeugte z.B. das Schwanken von Wolkenkratzern, in dem man sie durch einen Spiegel filmte, der hin und her gebogen wurde) und auch die Besetzung kann nicht immer überzeugen - allen voran Victoria Principal (jaja, die Pam aus "Dallas"), die trotz konzeptreichem Script etwas konzeptlos durch die Gegend eiert. Dennoch schaue ich mir diesen Film regelmäßig an und bin nach wie vor beeindruckt. Die Erdbebensequenz im damaligen Superknaller "Sensurround" drückt mich in meinen Sessel, die schnelle Abfolge von Zerstörungsszenarien, die anschließende Stille und der geniale Panoramablick auf das zerstörte Los Angeles. Das macht diesen Film zum echten Highlight der "Katastrophen-Ära". Zudem gibts noch ein paar Altstars, die mit diesem Streifen Ihre Rente frisieren konnten: Ava Gardner, Charlton Heston und Lorne Greene.
Für einen konzeptreichen Abend ohne große Überraschungen aber mit viel Bewegung auf der Richterskala sehr zu empfehlen.