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Eastwood hat sich in Unforgiven vorgenommen, ganz anders mit den typischen Western-Elementen umzugehen: realistischer und entzauberter vor allem. Das gelingt ihm, indem er sich selbst in einen Pistolenkiller versetzt, der sich vor Jahren - geläutert durch die Liebe einer Frau - zur Ruhe gesetzt hat, um Farmer zu werden. Als der Film beginnt, ist seine Frau seit einigen Jahren tot und er versucht mehr schlecht als recht, seine Kinder mit einer Schweinezucht durchzubringen. Alkohol und seine Waffe hat er seit Jahren nicht mehr angerührt.
Da geschieht in einer Stadt namens Big Whiskey ein Verbrechen: zwei Cowboys werden für schuldig erklärt, einer Saloonhure das Gesicht zerschnitten zu haben. Weil ihre Kolleginnen finden, daß die Schuldigen viel zu lasch bestraft worden sind, legen sie zusammen und setzen ein Preisgeld von 1.000 Dollar auf den Tod der beiden Täter aus.
Auf Umwegen gerät auch Bill Munny (Eastwoods Filmname) in die Geschichte, und er reitet gemeinsam mit einem alten Freund aus den wilden Tagen und einem jungen, angeberischen Nachwuchshelden aus, um sich die 1.000 Dollar zu verdienen.
In Big Whiskey wird derweil bewiesen, wie der dortige Sheriff Little Bill (Gene Hackman) mit Revolverhelden umgeht: einen weiteren Anwärter auf den Mordauftrag prügelt er kurzerhand zusammen und jagt ihn aus der Stadt. Genüßlich zerpflückt er gegenüber dem mitgereisten Wildweststoryschreiber den selbstgestrickten Mythos dieses Pistolenhelden.
So kommt es zuletzt zur ersten Begegnung zwischen Munny und Little Bill - und (ohne zuviel zu verraten) nach und nach wird Munny dabei dazu gebracht, seine alten Talente wieder auszugraben...
Eastwood spielt seinen Bill Munny mit charakteristisch grimmigem Grüblergesicht. Es schrammt am Anfang hart an der Parodie vorbei, wie er knurrig und todernst den typischen Westernheldenmythos demontiert: Munny trifft beim Schießen nach Jahren ohne Übung kaum noch etwas, schafft es auch kaum noch aufs Pferd, und als er und sein alter Freund sich unterwegs darüber zu unterhalten beginnen, wie sich der einsame Reiter wohl wochenlang ohne Frau behilft, erfreut diese Realitätsnähe das Herz jedes Menschen, der sich je gefragt hat, warum in Westernfilmen eigentlich nie einer aufs Klo geht. Zum Glück schafft es Eastwood, die Kurve zu kriegen, und man hört nicht auf, die Figur Munnys ernstzunehmen: einen Mann, der widerwillig dabei ist, sich seiner ungeliebten Vergangenheit wieder zuzuwenden, weil ihm das der einzige Weg zu sein scheint, den das Leben ihm läßt.
Im Unterschied zum Popcorn-Western muß man über Erbarmungslos schon etwas reflektieren; und trotz einiger etwas hellerer Momente ist die Grundstimmung des Films ausgesprochen düster. Zugleich ist der Film erfrischend - und speziell, wenn man die knochenharten, unglaubwürdigen Papphelden müde ist, die sich von nichts als Whiskey und blauen Bohnen ernähren, fügt Erbarmungslos dem Westerngenre einen originellen Schlußakkord hinzu.
Die am Anfang und Schluß eingeblendeten Texte, die sich auf Bill Munnys verstorbene Frau beziehen, deuten ein wenig an, warum die wahren Helden namenlos bleiben müssen: sie haben keine Chance, etwas aufzubauen, das bleibt. Sie kommen aus dem Nichts und verschwinden wieder darin.
Zuletzt zur DVD: für den Preis waren wir völlig zufrieden. Die DVD enthält das Entscheidende, nämlich den Film in für Normalgucker völlig akzeptabler Qualität und in beiden Sprachoptionen (dt/engl). Es gibt kein Zusatzmaterial außer der Eigenwerbung für die Reihe selbst, dafür ist die Hüllengestaltung der Reihe durchaus sehr ansprechend.