Gestern habe ich endlich Erasing Hell gelesen, und es hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Francis Chan ist ein extrem guter Schreiber. Er kommuniziert die Dinge, die er sagen will, auf eine Weise, die fesselt. Wie einer meiner Dozenten sagen würde: Nicht nur von Kopf zu Kopf sondern von Herz zu Herz!
Wenn ich mal den Inhalt des Buches in meinem Kopf an mir vorüberziehen lasse, dann kann man das Resüme ziehen, dass es sich um eine, wenn nicht die (!) Antithese zu Rob Bells 'Das letzte Wort hat die Liebe' (engl. Love Wins) handelt. Das liegt nicht nur daran, dass Francis Bells Buch häufig zitiert, weil er daran die Position des 'Universalismus', oder wie er es nennt 'christian/dogmatic universalism' festmachen kann. Er ist fair genug zu sagen, dass Bell in Love Wins nie ausdrücklich sagt, er vertrete diese Position. Doch er beschreibt und verteidigt sie offensichtlich mit einem solchen Mitgefühl und einer Sympathie, die es schwer machen lässt, ihn nicht auch als Vertreter einer 'Gottes-Liebe-schmelz-am-Ende-Alle-Herzen' Eschatologie zu betrachten.
Doch man würde zu kurz greifen, wenn man Francis Buch einfach als Antithese zu einem anderen erfolgreichen Buch betrachten würde. Dieses Buch dreht sich um ein Herzstück christlicher Lehre, die seit vielen Jahrhunderten als klar gilt. Das es in unseren Tagen eine Diskussion darum gibt ist an sich nicht verwerflich, denn es hilft uns, unseren Kurs immer wieder an der Offenbarung Gottes selbst in seinem kostbaren Wort auszurichten und nicht auf Traditionen und Lehren, die wir Menschen uns in unserer Kreativität ausgedacht haben.
1. Der Aufbau und Francis Argumentation
Francis geht in dem Buch erst die wichtigsten Argumentationen für eine 'Allversöhnung' durch und im Anschluss betrachtet er die Aussagen von Juden zur Zeit Jesu, von Jesus selbst und von seinen Nachfolgern.
Dabei hat er seine Hausaufgaben wirklich gemacht. Er ist sich bewusst, dass es sich um ein Thema handelt, das äußerste Vorsicht bedingt. Wir sollten nicht einfach unsere Vorstellung vom 'Sündenpfuhl' auf die Worte Jesu und der Apostel übertragen. Wir brauchen den historischen Kontext, um die Worte Jesu darüber wirklich zu verstehen. Was meint Jesus, wenn er Gehenna sagt? Eine Müllhalde außerhalb von Jerusalem, wie Bell es suggeriert?
Hatten die Juden im 1 Jahrhundert gar keine Vorstellung von einer ewigen Strafe? Waren diese Zeitbegriffe ihnen fern?
Solche Sachen müssen betrachtet werden, damit wir Jesus wirklich verstehen. Und Francis tut das mit großer Vorsicht und dem Herzen eines Seelsorgers. Auf jeder Seite merkt man ihm seinen eignen Kampf mit diesem Thema an. Er erzählt sogar sehr früh in dem Buch von seiner Großmutter, die ohne Jesus gestorben ist. Und er erzählt, wie er sich immer darum gedrückt hat, sich Gedanken darüber zu machen, wo sie jetzt ist, was sie jetzt erlebt. Und er erzählt immer wieder, wie er sich lange Zeit darum herum gestohlen hat, deutlich und mit klaren Worten von der Hölle zu erzählen. Es schien ihm, als müsste er Gott, jedenfall diesen Teil von Gottes Wesen, verstecken.
2. Fancis wichtigstes Argument
Ein Kapitel des Buches trägt den Titel 'What if God...?' und es hat mich gestern Abend wirklich erschreckt, erstaunt, gedemütigt, aufgebaut und nicht mehr losgelassen. Denn Francis geht dort von Römer 9 aus und beschreibt, wie er dadurch ganz neu entdeckt hat, dass Gott im Recht ist, zutun was immer er will. Er beschreibt die vielen Dinge in der Bibel, die wir nicht verstehen. Dinge, die er (und ich!) verhindert hätte, wenn wir Gott wären. Aber die Frage, die Paulus in Römer 9 stellt, ist ebenso deutlich: 'So? Wer bist du eigentlich? Du Mensch willst anfangen, mit Gott zu streiten? Sagt das Werk zu seinem Meister: "Warum hast du mich so gemacht?"' (V. 20, NeÜ). Gott hat entschieden, zu handeln wie er handelt.
Und dann kam der Teil, der mich wirklich ergriffen hat. Wenn ich an das Kreuz denke ' hätte ich an Gottes Stelle so gehandelt? Noch habe ich keine Kinder, aber ich kann mir vorstellen, wie schmerzhaft es ist, seinen eigenen Sohn zu Opfern für Sünder, die es nicht im Ansatz verdient haben. Würde ist meinen Sohn opfern, um seinen eigenen Vergewaltiger aus dem Knast zu holen? Nicht nur aus dem Knast zu holen, sondern gerecht zu sprechen für alle Ewigkeit? Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nichtmal, ob ich meinem iPod opfern würde.
Gott ist der Töpfer, wir sind der Ton. Sollten wir nicht Gott Gott sein lassen?
3. Und was hat das mit mir zutun?
Manch ein Leser wird sich überlegen, was das ganze denn mit ihm zutun hat. Es werden sicher vorherrschend Christen sein, die dieses Buch lesen ' und ich wage die Prognose, dass es vor allem solche Christen sein werden, die Bells Buch nicht gut fanden. Ich 'weiß' doch das alles schon, was hat das mit mir zutun. Ich habe doch eine biblische Grundlage! Ich habe doch dieses Kapitel in 'The Reason for God' gelesen und glaube dran. Was hat das mit mir zutun? Eine ganze Menge, wie Francis in einem eignen Kapitel zeigt.
Ich will nicht vorgreifen, weil ich dieses Buch wärmstens empfehlen möchte. Lest es und denkt darüber nach. Und lest vor allem die Bibelstellen immer wieder und betet darüber! Denn es ist ein großer Unterschied, ob diese Lehre in unseren Köpfen ist oder in unseren Herzen.
Und das ist der wichtigste Pluspunkt dieses Buches. Es geht hier nicht um Systematische Theologie; es geht nicht darum, eine Debatte zu gewinnen; es geht nicht darum, der Emerging Church zu zeigen, wo der hammer hängt; es geht nicht darum, Bücher zu schreiben! Es geht um Menschen. Menschen die wir jeden Tag auf der Straße treffen. Menschen, die mit uns rumhängen und denen wir nie etwas vom Ausweg aus ihrer Misere erzählt haben. Es geht um echte Menschen, um die Schicksale echter Menschen, um die echte Ewigkeit echter Menschen.
Lasst uns nicht debattieren, lasst uns verkündigen. Lasst und nicht philosophieren, lasst uns Gott Gott sein lassen ' und lasst uns den Auftrag erfüllen, den er uns gegeben hat.
Gods Bless,
Restless Evangelical