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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Buch der Wandlungen
OT Yijing (auch I Ging, I-ching)
EZ zwischen 1050 und 256 v. Chr. OA 955 DE 1924 Form Orakelbuch Epoche Altertum
Das Buch der Wandlungen zählt zu den fünf Klassikern des Konfuzianismus (R Konfuzius). Dieses berühmteste Orakelbuch Chinas ist eines der ältesten Literaturdenkmäler der ostasiatischen Kultur und sicherlich eines der geheimnisvollsten. Es basiert auf einer mündlichen Tradition, die von einem oder mehreren Autoren fixiert wurde. Das Werk ist in unterschiedlichen Fassungen überliefert. Der älteste erhaltene Text stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., doch dürfte die Urfassung mehrere Jahrhunderte früher entstanden sein.
Inhalt: Der Kerntext legt die Dynamik des Universums dar und beschreibt verschiedene Stadien seines Wandels, die jeweils von einem Hexagramm (Sechsstern) versinnbildlicht werden. Diesen Hexagrammen liegen Trigramme zugrunde, deren Erfindung auf den mythischen Kaiser Fu Xi (um 2800 v. Chr.) zurückgehen soll. Ein Trigramm besteht aus drei übereinander liegenden Linien, wobei eine durchbrochene Linie Yin, das weibliche, passive Prinzip, repräsentiert und eine durchgezogene Linie Yang, das männliche, aktive Prinzip. Die möglichen Kombinationen von je zwei Trigrammen ergeben 64 Hexagramme. Jedes einzelne symbolisiert einen spezifischen Zustand und hat einen bedeutungsvollen Namen, etwa »Wiederkehr«, »Stockung« oder »Dauer«.
Die 64 Zustände oder Situationen sind in den ewigen Kreislauf der Wandlungen eingebettet, dem bestimmte Ordnungsprinzipien zugrunde liegen. Die wichtigsten sind: das Wechselspiel der komplementären Kräfte Yin und Yang und die fünf Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Alles im Universum steht zueinander in Beziehung und beeinflusst sich gegenseitig.
Den Hexagrammen sind mehr oder weniger verschlüsselt Erklärungen beigefügt, die teilweise nur aus einzelnen Worten bestehen. Grundsubstanz dieser Texte ist vermutlich das Vokabular von uralten Orakelsprüchen, Volksweisheiten und Liedern. Vor allem dient der Kerntext der Weissagung allerdings unterscheidet sich das chinesische Verständnis dieses Begriffs deutlich von der abendländischen Vorstellung. Es geht nicht um spekulative Prophetie, sondern um die tiefste Erkenntnis des Menschenwesens und des Weltverstehens. Der Fragende ermittelt durch eine bestimmte Art der Auszählung von Schafgarbenstängeln ein Hexagramm. Dieses zeigt die Qualität der jeweiligen Situation auf, d. h. das Charakteristische des Wandlungsvorgangs. Unter Einbeziehung der Interpretation der einzelnen Linien lassen sich daraus Vorzeichen für künftige Entwicklungen ablesen, und der »Eingeweihte«, der die Vieldeutigkeit der Aussagen zu berücksichtigen weiß, erhält Hinweise für richtiges Verhalten in der Zukunft.
Außer dem Kerntext enthält das Yijing mehrere Kommentare, die so genannten Zehn Flügel. Sie stammen wohl aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Der sechste und siebte Kommentar gehen der Überlieferung nach auf Konfuzius zurück. Die Zehn Flügel umfassen Erläuterungen zu Namen und Texten der Hexagramme, ethische und moralische Aspekte, philosophische Darlegungen im Geist der Lehre des Konfuzius sowie Erklärungen zur Symbolik der Hexagramme und zum Aufbau des schwer zugänglich erscheinenden Kerntexts.
Wirkung: Der Einfluss des Yijing auf das chinesische Denken war und ist immens. Schon die Vielzahl der Kommentare, die zu diesem Buch existieren, deutet auf seinen hohen Stellenwert hin. Die im Buch der Wandlungen dargelegte Weltanschauung war nicht nur für Konfuzianer von großer Bedeutung, sondern sie spielen auch eine wesentliche Rolle im Daoismus. Während des 17. Jahrhunderts machten jesuitische China-Missionare das Werk in Europa bekannt. Der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm R Leibniz regte die Beschäftigung mit den Hexagrammen 1679 zur Entwicklung seines binären Zahlensystems an, das 250 Jahre später zur Basis der Computertechnik wurde. Bis heute wird das Yijing weltweit als Instrument der Zukunftsschau benutzt oder als eine Quelle der Weisheit studiert und die Zahl der spirituellen, okkulten oder banalen Deutungsversuche wächst ständig weiter. M. D.
Literatur: F. Adrian, Die Schule des I Ging, 2 Bde., 1994 / 1995;