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ERAGON ist sicherlich ein netter Familienfilm. Jüngere oder beginnende Fantasy-Fans dürften begeistert sein - ich als alter "Fantasy-Hase" bin jedoch ziemlich enttäuscht!
Warum?
Nun, der Film ist zwar stellenweise witzig und auch herzerweichend, weist auch einige gute Schauspielleistungen auf ( Brom, Galbatorix, Durza ), aber das reicht noch nicht für eine packende Fantasy-Geschichte.
Ich habe mir hinterher noch die Buchvorlage gekauft. Dessen Story ist zwar auch nichts Weltbewegendes, aber zumindest ist sie im Vergleich zum Film besser ausgearbeitet ( handlungstechnisch, logisch, dramaturgisch, etc ).
Und hier zeigt sich schon der gravierendste Fehler der Filmemacher. Wer macht aus einer 600-seitigen Vorlage einen 100-minütigen Film? Der Debüt-Regisseur hätte sich in diesem Fall einen anderen erfolgreichen Regisseur einer bekannten Fantasybuch-Verfilmung zum Vorbild nehmen sollen und den Streifen zumindest 150 min lang machen sollen.
ERAGON ist nunmal epische Fantasy und ein Epos braucht halt mehr Zeit für eine glaubwürdige Story-Entwicklung. Die Geschiche dieses Films entwickelt sich schnell ... zu schnell, als daß man über das Gesehene zwischendurch auch mal nachdenken könnte.
Weil die Handlung so rasant voranläuft, wirkt sie oft sehr unglaubwürdig ( z.B. ist der Drache innerhalb von Sekunden ausgewachsen oder Eragon ist binnen einer Woche ein großartiger Schwertkämpfer und Meistermagier ) sowie oberflächlich ( viele Storyelemente werden kurz angerissen und dann einfach so im Raum stehen gelassen, z.B. die Wahrsagung der Hexe ).
So nebenbei gesagt, fehlen auch einige Storyelemente, die im ZWEITEN Teil ( es soll ja eine Film-Trilogie werden, wenn`s nach deren Machern geht ) WICHTIG werden z.B. das Mädchen Katrina, der Zwerg Orik, die Magier-Zwillinge und Baby Elva. Mit dem Auslassen dieser Figuren ist eine Verfilmung des zweiten Buches eigentlich nicht mehr möglich ( aber das fällt natürlich nur den Buchlesern auf ... wie mir hinterher ).
Neben der lückenhaften und hektischen Handlung gibt es auch visuell einiges zu bemängeln. Zwar sind die Landschaftsaufnahmen und die Animationen, sowie die Drachenflugszenen sehr gut gelungen, aber der Rest ist sehr dürftig geworden. Hier hat man an den falschen Stellen gespart!
Zunächst einmal sind die Kulissen einfach miserabel!
Es sieht hier nämlich so aus, als würde das Land Alagaesia nur aus einigen Kuhdörfern mit Strohhütten bestehen und als würden sowohl die Rebellen, als auch der König (!) in düsteren Höhlen hausen. Das wirkt einfach so billig wie in einer x-beliebigen Fantasy-Fernsehserie ( früher hab ich sie oft angeschaut, deswegen ist es mir sofort aufgefallen, kaum zu glauben, daß das ein 100 Mio $ Projekt sein soll )!
Entgegengesetzt dazu hat man bei den Kostümen einfach übertrieben: Der - angeblich - bettelarme Bauernjunge Eragon läuft mit einer perfekt sitzenden Frisur in einem geschniegelten, nagelneuen Glanzleder-Wams herum ( kann sich sowas leisten, aber kein Steak? ) und die Rebellen - die abgeschottet sind und Versorgungsprobleme haben - sehen mit all den goldbestickten Seidenkleidern und dem Schmuck aus, als wären die steinreich ( ausserdem unterscheiden sich ihre Klamotten stilmässig extrem von denen der anderen Einwohner des Landes -> sie sehen alle aus als stammten sie vom persischen Kaiserhof, obwohl sie doch kulturmässig eigentlich zu Alagaesia gehören! )
Es ist zwar ein Fantasy-Film ... aber eine gewisse Logik sollte auch hier vorhanden sein! >_<
Und "last but not least" gibt es noch ein Fantasyelement zu bemängeln ... nämlich das Fehlen desjenigen! Es gibt im Film nämlich keine Völkerrassen. Darauf wurde ich auch erst aufmerksam durch das Buch ( Nichtleser bleiben also in gnädiger Unwissenheit ).
Das was ich im Film für ein fremdländisches Barbarenheer gehalten habe, soll in Wahrheit eine Horde von gehörnten, riesenhaften Monstern ( Urgals ) sein.
Das was ich für eine menschliche (!) Kampf-Amazone gehalten habe, soll in Wahrheit eine Elfen(!)Kriegerin darstellen.
Das was ich für einen Unterheerführer hielt, soll in Wahrheit der Zwergenkönig sein! Seine - im Film nur geringfügig kleineren - Untertanen sollten eigentlich auch Zwerge sein *seufz*
Als ob das so schwer wäre, den Schauspielern Hörner oder Spitzohren anzukleben oder sie optisch zu vergrössern bzw. zu verkleinern ... oder sonst was mit denen machen, damit sie sich von den Menschen unterscheiden ... und nein, wenn die Maskenbildner sich eigene Ideen einfallen ließen, sähen die Figuren NICHT automatisch wie aus "Herr der Ringe" aus - es gibt doch noch andere Kreaturen-Designs, Mensch!
FAZIT:
Alles in Allem ein recht dürftiger Fantasy-Film ... bestenfalls für die jüngeren Fans oder die Anfänger im Fantasy-Genre geeignet. Alle anderen Fantasy-Fans greifen entweder zum Buch oder zu den "Herr der Ringe"-Filmen! Da wird gezeigt, wie eine gute Fantasybuch-Verfilmung ( trotz fehlenden Szenarien ) auszusehen hat!
Wer trotzdem neugierig ist, kann sich die DVD ja mal ausleihen!
Und noch was für die Zweifler:
Egal ob eine Verfilmung nun nahe an der Buch-Vorlage ist oder nicht, gut ausgearbeitet muß sie sein ... wenn sie Erfolg haben will. Das ist hier leider nicht der Fall!
PS:
Die zusätzlichen Szenen auf dieser DVD hätte man lieber in den Film integrieren sollen. Er wäre um einiges logischer und damit auch besser geworden. Tja!