Nein, ich werde Sie hier nicht mit einer Inhaltsangabe zum Hörbuch "Eragon" plagen, das haben bereits andere getan. Nur soviel: Man erhält eine dicke, blaue Pappkarton-Box voller CD's (ich glaube es waren 36). Normale CD's, zusätzliche MP3-CD's liegen keine bei. Das ist zwar etwas unpraktisch im Auto, aber trotzdem kein Minuspunkt, denn dicke (Hör-)Bücher sind grundsätzlich eine feine Sache.
Mein Problem liegt woanders: Warum wird Eragon eigentlich so gehyped? Zwar habe ich dieses "Meisterwerk" während längerer Autofahrten tatsächlich ganz zu Ende angehört - aber das lag nur daran, daß ich zu diesem Zeitpunkt gerade nichts anderes zur Hand hatte. Während des letzen Drittels musste ich schon ziemliche Willenskraft aufbringen, es nicht aus dem Fenster zu werfen. Allein der Gedanke, daß dies:
a) vorsätzliche Umweltverschmutzung gewesen wäre und ich, statt dafür Strafe zu zahlen, es
b) gebraucht ja wieder zu Geld machen könnte, hat mich etwas beruhigt.
Zugegeben: Der Autor schrieb Eragon (Band 1) im zarten Knabenalter, man darf also keine Wunder erwarten. Und: Wenn ein Buch derart hochgejubelt wird, ist es mir normalerweise eher suspekt, ich frage mich also rückblickend ersthaft, wieso ich hier eigentlich zugegriffen habe. Und wodurch dieser meines Erachtens völlig ungerechtfertigte Hype eigentlich zustande kam. Vielleicht hatte Paolini einfach das Glück, auf den Ausläufern der, durch die Herr der Ringe - Verfilmungen ausgelösten, Fantasy-Welle mitzuschwimmen. Er war eben zur rechten Zeit am rechten Ort und hatte gerade ein fertiges Buch zu Hand. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er womöglich nicht einmal einen Verleger gefunden. So kanns gehen.
Als Kinderbuch mag "Eragon" durchaus angehen, keine Frage. Mit 14 hätte ich es sicher begeistert verschlungen und wäre zum größten aller Fans geworden. Auch jene Erwachsenen, die es schaffen, beim Lesen/Hören das Gehirn auszuschalten (übrigens eine bemerkenswerte und zuweilen sehr nützliche Fähigkeit), mögen Gefallen daran finden. Wer aber, so wie ich, das Pech hat, quasi zwanghaft nebenher die Plausibilität checken zu müssen (und das nicht abstellen kann), wird damit definitiv nicht glücklich. Plausibel, glaubwürdig oder schlüssig ist bei "Eragon" nämlich nur wenig - und ich rede hier nicht davon, dass es sich um Fantasy handelt, sondern von simplen Logikfehlern.
Leider fast noch schlimmer sind die oberflächlichen Charaktere. Diese langweiligen 08/15-Schablonen "eindimensional" zu nennen, ist fast schon eine Übertreibung. Keiner der im Buch vorkommenden Handlungsträger ist in irgendeiner Weise mehrschichtig, komplex oder verhält sich irgendwie überraschend. Wer bisher noch nicht wußte, was "Klischee" bedeutet: Nach der Lektüre von Eragon weiß man es und vergißt es auch nicht mehr.
Fazit:
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Vermeintlich leichtverdauliche Kost - die schwer im Magen liegt, wenn man zu genau hinhört. Immerhin, die Hörbuch-Version hat etwas Gutes - Der Sprecher macht seine Sache hervorragend. Nur deswegen und weil das Werk zumindest für Kinder und Jugendliche durchaus geeignet sein mag, gibts von mir noch so eben 2 Sterne. Aber nur sehr knapp.