Alle großen Bands haben ein kongeniales Meisterwerk geschaffen, an dem sie sich ihr gesamtes restliches Musikerleben lang messen lassen müssen. "Songs For The Deaf" war und ist QOTSA's Meisterstück und wird es ewig bleiben. Das ist aber KEIN Grund auf jede Nachfolgerplatte einzudreschen. "Lullabies To Paralyze" hatte ihre Schwächen und auch "Era Vulgaris" glänzt nicht durchgängig. Doch die Platte hat es verdient, dass man sie eigenständig bewertet. Man sollte nicht ständig über die Schulter in die "wüste" Vergangenheit zurück blicken oder sogar heiligen Kyuss-Zeiten nachtrauern. Josh Homme kann sich nicht 16 Jahre lang selbst kopieren.
Als Fan der ersten Stunde kann ich zur Platte nur sagen, dass sie absolut gelungen ist. Wieder weit ab vom Mainstream, anders als der Vorgänger, begeistert mich vor allem die Vielfalt der ausgewählten Songs. Von eher ruhig, schon blusig angehauchten Tracks wie "Make It Wit Chu" bis hin zu QOTSA-typischen Krachern wie "Sick, Sick, Sick", "Misfit Love" oder "Battery Acid" bietet "Era Vulgaris" von Anfang bis Ende Abwechslung. Von Langeweile keine Spur. Geschrammelte Gitarren, geprügelte Drums und dazwischen die unverwechselbar charismatische Stimme von Josh Homme. Das Album bietet staubtrockenen Rock bester Qualität. Wer's eher mit schönen Melodien hat, sollte die Finger von der Platte lassen. Dafür waren QOTSA noch nie berühmt. Ist auch gar nicht ihr Anspruch.
Wie gesagt, mich hat das Album keineswegs enttäuscht, im Gegenteil. Ich bin positiv überrascht und sicher, dass Josh Homme und Co. auch in Zukunft noch Platten dieses Niveaus hinlegen werden, denn an Ideen mangelt es ihnen hörbar nicht. Vier Punkte gibt's für die Qualität des Albums und einen dicken, fetten für den Mut der Band, nicht an altbewährten Strickmustern zu kleben, um zu "gefallen".
Unbedingt hörenswert: Misfit Love, I'm Designer, Sick, Sick, Sick, Run, Pig, Run, River In The Road