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Damals genügte es, sich bestimmte Bücher zu kaufen und mehr oder weniger dezent herumliegen zu lassen anstatt sie zu lesen. Es genügte, vielleicht mal eine Rezension zu lesen und dann so zu tun als ob. Die 90er, blitzschnell vorbei, brachten nicht nur abgebrannte Konten sondern auch wüstenleere Köpfe und es gerät auf sämtlichen Gebieten zu elender Quälerei, auf dieser Brache etwas anderes als Unkraut gedeihen zu lassen. So ähnlich bewegt sich der multiple "Held" durch den Roman und der Leser quält sich desorientiert wie er durch eine Welt, in der man sämtliche Dörfer auf Mallorca kennt, aber nicht weiß, wieviele Bundesländer das eigene Land jetzt hat.
Manche Orte sind real erlebt, andere im vorbeihuschenden Abteilblick eher virtuell gesehen. Diese schwankende Authentizität schafft eine gewisse Leere und Oberflächlichkeit beim Lesen, die jedoch vom Autor durchaus beabsichtigt wirkt. Die Engel tauchen wie aus anderen Büchern (Petrolio, Die Entdeckung des Himmels) eingeflogen auf und vermitteln ein gewisses déjà vu. Und dieses Buch fließt nicht. Als Leser fühlt man sich dazu verdammt, dem Rinnsal einen Graben schaufeln zu müssen, damit es denn fließe.
Und damit ist es ein treffend ehrliches Buch über unsere Zeit und uns selbst. Mehr als einmal stellt es unsere Bildung und deren Gewichtung in Frage. Haben wir gerecht verteilt? Kopf? Herz? Oder gar nur auf gewisse Schwimmreifen, mit denen es sich gemütlich dahindümpeln lässt?
Irgendwann fängt das Buch an, uns zu lesen. Und damit beweist es, dass es noch vortreffliche Handwerker unter den deutschen Autoren gibt. Nadolny modelliert seine Figuren und ihre Sätze und hebt sich damit wohltuend vom Mainstream der ichbezogenen Nabelschau ab. Vielleicht haben wir ja nach all dem Tagebuchbrei des neuen Nachwuchses das anspruchsvolle Lesen verlernt.
Es war höchste Eisenbahn für dieses Buch.
Ole Reuter ist am Arsch. Er wurde ein Opfer seiner selbst. Lesen Sie weiter...
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