Ich habe mir dieses Buch besorgt, weil ich mich einmal tiefer in die Materie der Eröffnungsfallen im Schach einarbeiten wollte und ich kann mit Fug und Recht sagen, dass meine Erwartungen mehr als erfüllt wurden.
Jeder, der ernsthaft Schach spielt weiss, wie wichtig es ist, nicht nur die Eröffnungsprinzipien als solche zu kennen - wie etwa rasche Figurenentwicklung - sondern auch die Grundidee spezieller Eröffnugssysteme zu durchschauen. Hier leistet das Buch grosse Dienste, indem es typische Motive aufzeigt, die in den diversen Eröffnungen, angefangen bei der modernen Verteidigung über den Sizilianer bis hin zur Spanischen Partie, vorkommen. Eröffnungsfallen erweisen sich als geschickte Ausnutzung der taktischen Grundmotive einer Eröffnung. Wer diese nicht kennt, kann so schnell Opfer einer Kombination werden und das, obwohl er doch nur "einleuchtende" Entwicklungszüge gespielt hat.
In diesem Buch verzichtet der Autor bewusst auf hanebüchene Varianten und legt Wert darauf, nur ausgewählte Partien zu analysieren, die "einleuchtende" Zugfolgen beinhalten, 222 an der Zahl. Wer demnach denkt, hier Fallen a la Schäfermatt oder Narrenmatt zu finden, wird zu Recht enttäuscht. Es ist auch beeindruckend festzustellen, wie selbst starke Spieler mit einer Wertungszahl weit über 2200 auf immer wiederkehrende taktische Motive hereinfallen...
Ich kann dieses Buch nur wärmstens jedem empfehlen, der sich etwas intensiver für taktische Motive in Eröffnungen interessiert und nebenher noch sein Repertoire an Fallen aufbessern will. Es ist somit vorallem für aktive Spieler geeignet, die sich tiefer mit der Materie befassen wollen. Für Schachanfänger ist es noch etwas zu theoriebeladen und eher nicht anzuraten.