Peter Shaffer, einer der großen englischen Dramatiker des 20. Jahrhunderts, ging vor allem mit einem Stück und dem darauf basierenden Drehbuch in die Theater- und vor allem Filmgeschichte ein: Amadeus, dessen geniale filmische Adaption von Milos Forman 1985 mit acht Oscars ausgezeichnet wurde.
Das Stück Equus, das Mitte der 70er Jahre uraufgeführt wurde, rückt gerade wieder in das Interesse der Öffentlichkeit aufgrund einer Londoner Inszenierung mit Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliff in der Hauptrolle und einem damit zusammenhängenden Skandal (der wohl eher von den Medien als vom Publikum ausgehen dürfte, sind Artikeln über entblößte Jugendidole doch die Leser sicher).
Erzählt wird die Geschichte des 17jährigen Alan Strang, der eines Nachts in einem Stall, in dem er arbeitet, sechs Pferden mit einem Eisenstab die Augen aussticht. Der Psychiater Martin Dysart, eine müde und verbrauchte Existenz, wird mit dem Fall betraut und legt in seinen Gesprächen mit dem introvertierten Jugendlichen die Geschichte einer obsessiven, kulthaften Verehrung frei, erfährt von den Konflikten des Elternhauses, in dem sich Atheismus und Religiosität gegenüberstehen und deckt die Motive für eine Ekel erregende, grausame Tat auf. Aber das Stück endet nicht dort, wo die kriminalistische Frage beantwortet ist, es geht einen Schritt weiter, setzt Alans Leben und Tat in Relation zu einer in sich krankenden Gesellschaft, wirft Fragen auf.
Shaffer gelingt es in diesem Stück kriminalistische, psychologische und philosophische Elemente miteinander zu verquicken. Es gelingt dem Autor, die Spannung aufrecht zu erhalten und der Zuschauer oder Leser wird mit einigen interessanten, wenn auch wenig erbaulichen Denkansätzen entlassen.
In Zusammenhang mit der erwähnten Londoner-Inszenierung wurde dem Stück vorgeworfen, es hätte der Zeit nicht standgehalten. Die Grundfrage, die das Stück aufwirft, ist jedoch in einer sich mehr und mehr atheistisierenden Welt nach wie vor aktuell, wenn nicht gar noch aktueller als zu der Zeit des erstmaligen Erscheinens des Werkes.
Eine deutsche Übersetzung des Stücks ist im Übrigen momentan anscheinend nicht zu haben, jedenfalls nicht als Einzelausgabe. Eine Sammelausgabe mit Werken des englischen Dramatikers, in der auch er Equus enthalten ist, ist 2006 im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen.