In einer nicht allzu fernen Zukunft haben die Überlebenden des Dritten Weltkriegs unter ihrem omnipräsenten Anführer, genannt "Vater", in der Stadt Libria eine neue Zivilisation gegründet. Da "Vater" glaubt, in der menschlichen Fähigkeit zu tiefgehenden Emotionen die Ursache allen Übels gefunden zu haben, ist es in und um Libria bei Todesstrafe verboten, Gefühle zu entwickeln. Diese werden mit dem Medikament Protium unterdrückt, und wer sich der Droge verweigert und statt dessen heimlich die anregende Wirkung von Musik, Literatur und Kunst geniesst, wird als Sinnestäter klassifiziert und von Hundertschaften der martialisch aufgerüsteten Polizei erbarmungslos gejagt und ausgelöscht. Die Speerspitze im Kampf gegen Abtrünnige stellen jedoch die Gramaton-Kleriker dar, eine Elite-Einheit perfekt ausgebildeter Killer, deren Meisterschaft in der Kampfart des Gun-Kata es ihnen ermöglicht, sogar dem feindlichen Kugelhagel auszuweichen. Und John Preston ist der beste Kleriker von allen. Erfüllt von tiefer Überzeugung für seine Aufgabe, liess er es zu, dass seine eigene Frau als Sinnestäterin verhaftet und exekutiert wurde, und tötet seinen besten Freund und Partner, als dieser sich ebenfalls zu seinen Gefühlen bekennt. Doch dann verhindert eine Reihe von Zwischenfällen, dass Preston seine tägliche Ration Protium zu sich nimmt...
Nahezu alles in EQUILIBRIUM gab es schon, und die Parallelen sind zu offensichtlich, als dass es sich dabei um Zufälle handeln könnte. Das Verbrennen von Büchern und Bildern weckt sofort die Erinnerung an FAHRENHEIT 451, die monumentalen Bauten der Stadt Libria sind ein deutlicher Verweis auf Filme wie METROPOLIS und BRAZIL, und der auf riesigen Leinwänden unentwegt Ansprachen haltende "Vater" ist eine unverkennbare Variation des "Big Brother" aus GEORGE ORWELLS 1984. Die an Priester erinnernden Kleriker wurden zweifellos von jüngeren Klassikern wie MATRIX inspiriert, während sich die schwarzgekleideten, maskierten Polizeitruppen auf beunruhigende Weise an realen Vorbildern orientieren. Der Handlungsfaden, in dessen Verlauf Preston den Auftrag erhält, den Untergrund aufzuspüren, wobei er sich vom einstmals treuesten Diener des Systems zu dessen gefährlichstem Gegner wandelt, ist ebenfalls nicht neu, man denke an LOGANS RUN. Ohne Zweifel kannten sich die Drehbuch-Autoren im Genre des Science-fiction-Films glänzend aus, nur so ist die freche Selbstbedienung aus allen möglichen Vorgängern zu erklären.
Was EQUILIBRIUM dennoch zu einem spannenden, originellen und eigenständigen Werk macht, ist die gelungene Kombination all dieser Elemente zu einem stimmigen Gesamtbild, ergänzt durch furiose Fights, die selbst Keanu Reeves Kung-Fu-Akrobatik in den Schatten stellen, und einer Riege hervorragender Darsteller, darunter die zauberhafte Emily Watson, der charismatische Sean Bean, ein beängstigender Tayne Diggs... und natürlich Christian Bale, der als John Preston eine Glanzvorstellung gibt. Er verkörpert nicht nur glaubhaft den emotionslosen Vollstrecker, der zu einem von Gefühlen und Erinnerungen gepeinigten Verräter wird, sondern beweist in den meist ungedoubelten Kampfszenen auch eindrucksvoll sein Talent als Action-Held. Spätestens mit EQUILIBRIUM qualifizierte sich Bale als Idealbesetzung in BATMAN BEGINS.