Nachdem ich lange meinen Canon Pixma iP6700D Fotodrucker genutzt hatte, mich aber in letzter Zeit der sehr hohe Tintenverbrauch störte als auch der mangelnde Scanner fehlte und die Investition neuer Patronen anstand, entschied ich mich nach einem Ersatz umzuschauen. Meine Wunschliste umfasste guten Fotodruck, günstiger Schwarzweißdruck, eingebauter Scanner und Printserver mit WLAN, geschlossenes Papierfach und auch das Design, was nicht zuviel aus Klavierlackkunststoff bestehen sollte. Außerdem dürfte die Gerätebreite nicht mehr als ca. 45cm betragen, man baut ungerne wegen eines Druckers seinen Schreibtisch um. Schon aufgrund der Größe fielen die HP-Drucker der 6500er und 8500er Serie weg, auch wenn sie mit Cashback und weiteren Funktionen das bessere Preisleistungsverhältnis geboten hätten, wenn auch nicht einen ganz so guten Fotodruck. Canon fiel aufgrund der hohen Tintenkosten raus, welche in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, zumal die Druckkopfreinigung wohl sehr oft anspringt. Aber das Haupt-K.O. von Canon war, dass Scannen mit leeren Patronen nicht möglich ist. Und somit blieb als erfahrener Tintendruckerhersteller nur noch Epson übrig, nach fast 15 Jahren Canon-Druckern.
Nun zum PX730WD:
Das Gerät ist sauber verarbeitet und der Anteil an Hochglanzkunststoff hält sich erfreulich in Grenzen. Die sehr geschlossene Bauweise sorgt dafür, dass der Drucker innen staubfrei bleibt, was mir sehr wichtig ist. Das Papierfach ist innen gut geschützt und bietet neben Platz für A4-Papier (bei mir mit Normalpapier bestückt) auch Platz für Fotopapier bis 13x18 (bei mir mit Fotopapier der Grüße 10x15 bestückt). Somit kann man diesen Drucker ohne manuellen Einzug, den das Gerät nicht besitzt, jederzeit das passende Papier aus dem richtigen Fach wählen ohne noch einmal Hand anlegen zu müssen. Für mich in dieser Kombination ideal, da ich zu 90% S/W-Seiten drucke und dann und wann ein kleineres Foto. Irgendwelche anderen A4-Seiten in Farbe drucke ich nicht, dafür gibt es für mich keinen Anwendungszweck. Präsentationen laufen bei mir über Powerpoint, Folien drucke ich demnach nicht und das beherrscht dieser Drucker auch nicht.
Die Einrichtung des Druckers ist eigentlich einfach. An den Strom anschließen, anschalten, Patronen einsetzen und dann das Passwort für das WLAN eingeben. Gerade die Eingabe des Passwortes ist etwas fummelig, muss man mit den Pfeiltasten sich durch das Buchstaben-/Zahlen-Wust wählen. Zum Glück macht man das nur selten. Einmal in einem WLAN eingebucht, startet man die Systemeinstellung (Mac OS X Lion) und drückt unter Drucker auf das Plus-Symbol. Der Drucker wird dort schon angezeigt. Nach der Auswahl dessen, werden automatisch die Treiber heruntergeladen und installiert. Mit der weiteren Software kann man den Drucker für die diversen Netzwerkdienste freischalten. D.h. E-Mail-2-Print und Googles Cloud Print. Die E-Mail-Adresse ist einfach eingerichtet, die Funktion habe ich aber gleich wieder deaktiviert. Googles Cloud Print wird auf undefinierbare Weise installiert. Die Epson-Seite leitet zur Google-Seite, die Google-Seite leitet einem zur Herstellerspezifischen Seite zurück. Kurz gefasst: Man muss Google Chrome als Browser nutzen, dort in den Einstellungen Cloud-Print aktivieren und die Erweiterung für Cloud Print installieren. Dann wird irgendwie der Drucker erkannt (Google weiß halt mal wieder alles). Hier wäre etwas Dokumentation auf der Epson-Seite oder im Handbuch wünschenswert.
Was die Verbrauchsmaterialien anbelangt war mir vor allem günstiger S/W-Druck wichtig und da ist der Drucker einer der günstigsten auf dem Markt. Beim Fotodruck sind die Kosten schon aufgrund der weiteren zwei Farben Photocyan und Photomagenta höher. Aber auch hier gibt es günstige XL-Patronen. Ich kaufe aber auch nur Originale Patronen (und Papier), da mir Farbechtheit wichtiger ist, als gespartes Geld. Auf ewiges Neukalibrieren auf verschiedene Papier-Patronen-Kombinationen habe ich keine Lust, zumal auch das deutliche Kosten verursacht. Der ausschließliche Kauf von Original-Patronen hat mich bisher auch von verstopften Düsen bewahrt, trotz weniger Druckaufträge. Bei mir wird es darauf hinauslaufen, eine XL-Schwarzpatrone zu nutzen und die Farbpatronen immer in den kleineren Größen. Die Druckqualität ist für mich vollkommen in Ordnung. Schwarzweiß reicht für meine Zwecke und der Fotodruck kann sich wie bei meinem vorherigen Drucker sehen lassen. Die Fotoqualität steht der von Laborfotos in nichts nach, zumindest für den ambitionierten Hobby-Fotograf.
Die Scanner von solchen Multifunktionsgeräten werden ja oft für Fotoscans abgeraten, kommt deren Qualität nicht an die externen Flachbettscanner heran. Nun ja, ich Scanne meist nur Dokumente oder mal eine Seite in einem Buch, alte Urlaubsfotos oder dergleichen sind da nicht im Programm. Und da war ich doch etwas erstaunt, ist der Scanner hier schon deutlich schneller als mein alter Canon Lide 35 und die Qualität steht diesem nicht nach. Also einen Scanner der Lide-Serie von Canon kann der Scanner schon ersetzen, anders sieht es den dickeren CCD-Scannern aus, diese sind ja schon deutlich besser als die dünnen Lides. Einen Einzug besitzt der Drucker nicht, da das größere Modell, der PX830WD aber auch keinen Duplex-Scanner-Einzug hat, kann ich dann auch darauf verzichten. Wer Duplex-Scannen möchte, muss auf die großen Geräte von HP setzen (8500a Plus).
Die Bedienung ist eigentlich sehr einfach und wenig umfangreich. Einiges kann man am Gerät selber einstellen. Besonders was die Funktionen zum Scannen und Drucken anbelangt. Eine Einrichtung der Cloud- und Internetdienste ist am Gerät selber nicht möglich. Nur das Einbuchen in ein WLAN geht am Gerät selber. Das Gerät hat einen kleinen Webserver der unter Aufruf der IP-Adresse aber eigentlich nur die Einstellungen vom Netzwerk als Webseite ausgibt. Der große Bruder (PX830WD) soll hier deutlich mehr bieten. Die Touchtasten funktionieren ausgezeichnet, eine Berührung reicht vollkommen. Durch grüne Beleuchtung werden die gerade aktiven Tasten beleuchtet, ansonsten sind sie nicht zu sehen. Das Display ist zwar klein, reicht zum Bedienen aber vollkommen aus. Fotos am Drucker begutachten und Drucken ist absolut nicht mein Ding. Wer da Ambitionen dazu hat, sollte doch das größere Modell wählen, da ist das Display spürbar größer und besser aufgelöst. Wer das nicht macht, ist mit der Größe gut genug ausgestattet.
Nun stellt sich die Frage warum 4 Sterne. Was hätte man am Gerät besser machen können? Zum einen komplett weg von der hässlichen Mode mit dem Glanzkunststoff. Ein Display am Drucker lädt für mich gerade dazu ein, viele Einstellungen direkt am Gerät erledigen zu können ohne die Übersicht zu verlieren. Warum kann man dann gewisse Einstellungen wie die Anmeldung zum Cloud-Print nicht am Gerät selbst erledigen? Und wenn es dann doch nicht am Gerät geht, warum nicht über die Intranetseite? Das sind beides sinnlose künstliche Beschneidungen die nur den Bedienkomfort reduzieren. Bei den Netzwerkfunktionen kommt auch das nächste Problem. Warum kann das Gerät kein WOL (Wake-on-(W)LAN)? Soll ich das Gerät die ganze Zeit laufen lassen? Somit machen die Funktionen zum Ferndrucken nur bedingt Sinn. Mit zum Punktabzug trägt die nicht dokumentierte Einrichtung des Google Cloud Print-Dienstes bei. Wenn man schon mit der Funktion wirbt, ist eine Raten-Sie-Mal-Einrichtung etwas unangebracht.
UPDATE VOM 30.11.2011: Nachdem mittlerweile ein Firmware-Update erschienen ist ist einer der Hauptkritikpunkte behoben. Mittlerweile lässt sich Google Cloud Print relativ bequem über die Webseite des Printservers einrichten. Somit setze ich die Bewertung von 4 auf 5 Sterne hoch. Insgesamt sind die Kleinigkeiten welche man noch verbessern könnte zu gering um weiterhin einen vollen Punkt Abzug zu rechtfertigen.