In einer Plattenrezension wurde damals geschrieben von einem „Gitarristen, dem die Ideen für seine Soli bei nächtlichen Wald- und Flurwanderungen kommen“. Ob das den Tatsachen entsprach, habe ich nie herausgefunden, aber es beschreibt genau die Atmosphäre, die diese für mich bis heute einmalige Scheibe verbreitet.
Bei dieser Platte hatte sich einfach alles perfekt zusammengefügt:
- zum ersten natürlich großartige Songs. Langsame, schwere Riffs, die ein wuchtiges Fundament bilden für die eingängigen Melodien, die dabei aber niemals abgedroschen oder belanglos klingen, die ich selbst nach vielen Jahren immer noch packend finde.
- ein eindringlicher Sänger, der in seinen klaren Melodien so klingt, als ob er tatsächlich in jeder Sekunde mit übergroßen Mächten kämpft oder einfach unter seiner Traurigkeit und Verzweiflung leidet, manchmal bis in die Knochen erschüttert.
- Texte wie aus einer mittelalterlichen Erzählung, die von einem Bereich irgendwo zwischen Leben und Tod berichten, vom Ringen guter und böser Kräfte, von düsteren und geheimnisvollen Schicksalsmächten.
- das Ganze kommt daher in einem Sound, der einerseits sehr direkt und druckvoll, andererseits klar, transparent und weit ist und man den Eindruck bekommen könnte, diese Musik erklingt direkt aus einer dunklen, gotischen Kirche, oder gar aus noch gewaltigeren, kühlen, unterirdischen Hallen, wie sie in den Erzählungen von H.P. Lovecraft geschildert werden.
Leider konnten Candlemass auf den folgenden Alben meiner Meinung nach nie wieder die dichte Atmosphäre und Intensität von „Epicus Doomicus Metallicus“ erreichen. Sowohl Sänger als auch Leadgitarrist auf „Epicus...“ waren Gastmusiker und der Bassist, Song- und Textwriter, musikalischer Kopf und quasi „Chef“ von Candlemass Leif Edling konnte sie nicht dauerhaft für die Band gewinnen. Ab dem zweiten Album „Nightfall“ hatte man dann Nachfolger (Sänger und Gitarrist) gefunden, die als feste Bandmitglieder dabeiblieben.
Mag sein, dass die beiden handwerklich sehr gut sind und das gleiche mag auch für die folgenden Candlemass-Alben „Nightfall“, „Ancient Dreams“ und „Tales of Creation“ gelten, für mein Empfinden können sie allerdings nicht an die Authentizität und Ausdrucksstärke ihrer Vorgänger und des Erstlingswerkes „Epicus Doomicus Metallicus“ heranreichen.