Das ist wohl das Album der Amerikaner Kamelot mit dem sie den Durchbruch schafften, endlich zur absoluten Elite gehörten. Und das ist richtig so, denn "Epica" bietet alles, was man von einem guten Album erwartet: hervorragende Musiker, ein grandioser Sänger, progressive Parts und Soli, wunderschöne Balladen, kräftige Powernummern und ein intelligentes Konzept, dass sich geschickt und mit Hilfe kurzweiliger Interludes wie ein roter Faden durchs Album zieht (es inspiriert sich an Goethes Faust). Alles beginnt mit dem "Prologue", der mit Streichern und Fackelknistern Spannung aufbaut und -wer hätte das gedacht- in einen Opener regelrecht ausbricht, der schneller hätte nicht sein können. "Center Of The Universe" ist ein wahrhaftiger Killertrack und schon alleine er rechtfertigt den Kauf des Albums. Selten habe ich einen besseren Up-Tempo Banger gehört. "farewell" macht nur unwesentlich langsamer weiter. Die Stimmung, die bei diesem Song aufkommt ist eine "Magie", die auf dem ganzen Album immer wieder hervorgerufen wird. So auch beim langsamen "The Edge Of Paradise", das von "Opiate Soul (Interlude I)" eingeleitet wird. "The Edge Of Paradise" ist langsamer und irgendwie zähflüssig: auf jeden Fall ein Song, an den man sich erstmal rantasten sollte, der aber zweifelsohne grandios ist, sobald man sich reingehört hat. Das nun folgende "Wander" ist die vielleicht beste Ballade, die ich jemals in meinem Leben gehört habe. Schwer beschreiblich, was hier gemacht wurde, aber dieser Song ist Verzauberung pur...und das ohne Kitsch. Absolut genial, da brauch sich garantiert niemand für die Tränen schämen. Aber auch schon darf es weitergehen: "Omen" ist das zweite Interlude und faded in "Descent Of The Archangel", einer progressiven mit Tempiwechsel bestückten Nummer, die den Hörer mit einer mystischen Grundstimmung in den Bann zieht. "At The Banquet (Interlude III)" halte ich für das einzige Interludium, das man ganz klar hervorheben darf. Schuld daran sind die Akkustik-Gitarren und der wirklich atemberaubende Spannungsaubau, der schließlich in "A Feast For The Vain" explodiert. Die angesprochene Stimmung, trocken und doch irgendwie emotional, die auch in "Farewell" auftrat, darf jetzt nochmal voll zulangen. Es ist schwer zu beschreiben, was gemeint ist, aber jeder der die Lieder hören durfte, weiß was ich meine. "On The Coldest Winter Night" ist eine weitere Ballade, die ebenfalls grandios ist, aber nicht die Klasse vom "Wander" erreicht. Muss sie aber auch garnicht, denn mit den bombastischen Orchester gegen Ende hat dieser Song seine ganz eigene Magie. "Lost And Damned" ist dann mal wieder eine schnellere Nummer, die sehr eingängig ist. "Helena's Theme" mit Frauengesang ist viel zu kurz. Diesmal wird in ein Interlude hineingeleitet, nämlich "Dawn (Interlude IV)". "The Mourning After (Carry On)" schließlich ist ein absoluter Killer, im Mid-tempo gehalten und sehr eingängig. Dadurch wird aber nicht die Komplexität des Songs beeinträchtigt. Nein, dieses Lied hat viele Facetten. Damit ist auch schon der Schluss erreicht. "III Ways To Epica" kann durchaus gefallen, aber vollbringt im Vergleich zum Rest des Albums nichts besonderes, Trotzdem ein gelungener Abschluss.
Auf dem "Enhanced Digipack" ist zudem noch der Bonustrack "Snow" enthalten, ein weitere schnellerer Mid-Tempo Track, der im Stile des ganzen Albums gehalten ist und durchaus gefallen kann. Fans sollten unbedingt reinhören.
Letztendlich ist "Epica" ein Werk, das nur von Kamelot selbst getoppt werden kann. Dieses Album ist nicht einfache Musik, es ist ein Kunstwerk. Wären alle Musiker so, würde unser heutiger Musikmarkt deutlich anders aussehen.
5 Sterne, was auch sonst? Punkt!