Einerseits - Räbers umfangreiches Lebenswerk, welches dem Leser fundierte Kenntnisse im Bereich der hündischen Rassenspezifikation vermittelt, aber andererseits - sich (zu) sehr auf den Bereich der Entstehungsgeschichte und der Zuchtauslese, teilweise auch Genetik, beschränkt. Das sagte der gute Hans Räber nämlich schon in seinem Vorwort: "(...) mein Anliegen beschränkte sich vor allem und fast ausschließlich nur auf die Darstellung des geschichtlichen Werdegangs der einzelnen Rassen, (...)".
Überraschenderweise lässt sich das jedoch nicht total verallgemeinern, der Do-Khyi beispielsweise wird sehr ausführlich behandelt. Seine ursprüngliche Entstehung und Verwendung in Tibet ist wirklich sehr interessant (umfassender geschildert als bisher irgendwo gelesen) und lässt viele Rückschlüsse auf die Wesenseigenschaften ziehen. Teilweise wird er auch direkt charakterisiert.
Das ist jedoch ein "glückliches" Beispiel - ein "unglückliches" ist z. B. der Dobermann, auf dessen "typische Wesenseigenschaften" (soweit man natürlich überhaupt eine Hunderasse charakterisieren kann und dabei nicht das einzelne Individuum vergisst), leider kaum eingegangen wird und stattdessen über Zucht/Entstehung usw. berichtet wird. Offen gesagt interessiert mich Genetik/Geschichte meist recht wenig. Das trifft aber mit Sicherheit nicht auf alle Leser zu. Der Dobermann und einige andere Rassen werden übrigens auch kupiert dargestellt - was aber wohl mehr dessen Ursprünglichkeit wiederspiegeln soll als tierschutzrechtliche Aspekte und aktuelle Standards.
Die Enzyklopädie ist sicherlich bestens geeignet für Leute, die mehr an geschichtlichen Aspekten als an Wesenseigenschaften der Hunderassen interessiert sind (eine wahre Fundgrube!). Wahrscheinlich aber weniger geeignet für jemanden, der lediglich oder mehr Interesse am Wesen als an der Entstehungsgeschichte hat und sich eher grob über die Hunderassen informieren möchte. Hier ist nicht nur der relativ hohe Anschaffungspreis zu nennen, sondern auch die Fülle an Informationen, die nicht unbedingt für jeden hilfreich sind und stellenweise vielleicht überfordern oder anders ausgedrückt, einen geringen "praktischen Wert" haben. Wer herausfinden möchte, ob Rasse X zu ihm passen könnte, der sollte lieber zu einem kompakteren Büchlein (z. B. Eva-Maria Krämer oder Horst Hegewald-Kawich) greifen. Es kommt folglich darauf an, an welchen Informationen man interessiert ist.