-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
| |||||||||||||||||||||||||
Produktinformation
Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel? |
Der Text der digitalen Enzyklopädie des Nationalsozialismus basiert auf der dritten Druckauflage des dreibändigen Standardwerks und ist -- wie alle Bände der Digitalen Bibliothek -- auch mit einer Seitenkonkordanz versehen. Die Qualität des Lexikons selbst steht längst außer Frage. Zweifellos eine Enzyklopädie, die es seinem Titel nach ja auch sein will, ist es zugleich ein profundes Handbuch, in dem der Nationalsozialismus, seine Ideologie und seine Institutionen in zum Teil brillanten Essays aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.
Die digitale Ausgabe ist eine überaus begrüßenswerte Ergänzung, macht aber -- anders vielleicht als bei reinen Quellensammlungen wie den oben erwähnten -- das gedruckte Werk nicht überflüssig. Gleichwohl wird man sich, einmal an die digitale Funktionalität gewöhnt, auch bei der Lektüre der Druckausgabe hier und da einen Hyperlink wünschen. Auch die Markierungs- und Notizfunktionen sind hervorragende Instrumente für die Arbeit mit dem Werk. Hemmungen, einzelne Textpassagen zu markieren und mit Anmerkungen zu versehen, wie sie mancher beim Umgang mit Büchern hat, erübrigen sich hier. Und solche Anmerkungen sind außerdem systematisch zu verwalten und auszuwerten. Insgesamt ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann in der Digitalen Bibliothek die ersten Originalausgaben erscheinen, die man dann aber hoffentlich auch noch in einer gedruckten (Lizenz-)Ausgabe erhalten kann. --Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Wörterbücher des Schreckens
Zwei Nachschlagewerke zum Nationalsozialismus
Die Geschichtsbücher über die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland und grossen Teilen Europas füllen inzwischen ganze Bibliotheken. Es ist also ein ebenso mutiges wie verdienstvolles Unterfangen, diese kurze, aber ungemein folgenreiche Epoche in einen Lexikonband zu bannen, um Informationen über wichtige Daten, Begriffe und Personen leichter zugänglich zu machen. Die im Umfeld des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung und des Münchner Instituts für Zeitgeschichte entstandene «Enzyklopädie des Nationalsozialismus» versucht dies durch einen doppelten Zugriff. Im ersten Teil werden wichtige Themen wie Propaganda, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder Emigration in zehn- bis fünfzehnseitigen Handbuchartikeln erörtert, an die sich ein Lexikonteil anschliesst. Von «Ausserordentliche Befriedungsaktion» bis «Zyklon B» reicht dieses Alphabet des Grauens. Hilfreich ist auch das Personenregister mit kurzen biographischen Hinweisen.
Die Wörter der Macht
Bei fast 150 Autoren ist der Gesamteindruck dieser Enzyklopädie zwangsläufig uneinheitlich und die Qualität der Beiträge sehr unterschiedlich. Ian Kershaws Ausführungen über «Führer und Hitlerkult» beispielsweise beschreiben eindringlich die Besonderheit von Hitlers charismatischer Herrschaft, die einerseits der Dreh- und Angelpunkt des NS-Regimes war, andererseits die Formen bürokratisch regulierter Machtausübung unterminierte, ohne die ein moderner Staat nicht auf Dauer funktionieren kann. Unpräzise und zu sehr auf die Person Hitlers eingeengt ist dagegen der Beitrag von Wolfgang Wippermann zum Thema «Ideologie». Gelungen ist Gerd Ueberschärs Überblick über die keineswegs «sauber» gebliebene Wehrmacht, während Thomas Bertrams Ausführungen zum Zweiten Weltkrieg schwerfällig erscheinen und über einige Schlagworte nicht hinauskommen. In Bernd-Jürgen Wendts Artikel «Aussenpolitik» schliesslich wird der Aussenminister von Ribbentrop als «Parvenu» bezeichnet, der es kaum wert sei, «dass man sich intensiver mit ihm beschäftigt». Aus solchen Urteilen spricht eine ähnliche naserümpfende Überheblichkeit, wie sie die konservativen Eliten vor sechzig und siebzig Jahren gegenüber dem Nationalsozialismus an den Tag legten.
Die Heterogenität der Beiträge ist auch im Lexikonteil beträchtlich. Im Artikel «Frankreich» beispielsweise wird im Zusammenhang mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages am 22. Juni 1940 auf «Compiègne» verwiesen. Unter diesem Stichwort wird dann zwar das dortige Durchgangslager für Juden aus dem besetzten Frankreich beschrieben, nicht aber die Rolle des Ortes als Schauplatz deutsch-französischer «Erbfeindschaft», denn in Compiègne war ja bereits der Waffenstillstandsvertrag vom 11. November 1918 unterzeichnet worden. Indem Hitler diesen Ort zur Feier seines Triumphes wählte, inszenierte er sich bewusst als Überwinder des Traumas der deutschen Niederlage von 1918 und als «Werkzeug der Vorsehung». Auf solche Aspekte politischer Symbolik jenseits der blossen Fakten hinzuweisen, gehört zu den Aufgaben einer Enzyklopädie. Auch gelegentliche Flüchtigkeitsfehler, so beim Stichwort «Aktion Reinhardt», deren Vorgeschichte verwirrenderweise auf den Spätsommer 1944 (statt 1941) datiert wird, zeigen, dass das gesamte Werk unter Zeitdruck entstanden ist. Trotz diesen Einschränkungen bietet die «Enzyklopädie des Nationalsozialismus» eine für Fachleute und interessierte Laien gleichermassen wichtige Orientierungshilfe.
Die Macht der Wörter
Einige dieser Schwächen gleicht Cornelia Schmitz-Berning aus, denn sie behandelt weniger die historischen Daten und Ereignisse als den offiziellen und volkstümlichen Sprachgebrauch in der NS-Zeit. Eine über vierzigjährige Beschäftigung mit der Sprache des Nationalsozialismus hat ihren Niederschlag in einem ungemein quellenreichen Handbuch gefunden. Für jedes Stichwort wird die Begriffsgeschichte, der Sprachgebrauch in der «Kampfzeit» bis 1933 und während der NS-Herrschaft bis 1945 anhand zahlreicher Belegzitate dargestellt. Das Vokabular des Nationalsozialismus offenbart oft schon auf den ersten Blick den buchstäblich inhumanen Charakter des Regimes und seiner Ideologie, bisweilen sogar mit unfreiwilliger Komik. Über das Wort «Abstammungsnachweis» erfährt man, dass in Meyers Konversationslexikon von 1924 lediglich der Verweis «siehe Tierzucht» stand. In der nächsten Auflage von 1936 hatte dieser Begriff seinen Weg vom Kuhstall in das Zentrum der rassistisch organisierten Gesellschaft gefunden: der «Abstammungsnachweis» entschied nun über die Lebensperspektiven, später über die Überlebenschancen jedes Menschen im deutschen Machtbereich.
Den Charakter des Rassismus als eines säkularen Religionsersatzes verdeutlicht als weiteres Beispiel auch das Wort «Erbsünde», das völlig aus seinem christlichen Kontext herausgelöst wurde. Nicht mehr Adams und Evas Sündenfall im Paradies, die Abkehr von Gottes Geboten, sondern die vermeintlichen «Sünden wider das Blut», die Verstösse gegen das Gebot der «Reinhaltung der arischen Rasse» waren nunmehr gemeint. Auch das bis heute häufig leichtfertig verwendete Wort vom «Dritten Reich» hat eine solche Entwicklung von der christlichen zur innerweltlichen Heilsgeschichte durchgemacht. Die Untaten des NS-Regimes wurden sprachlich lange vorbereitet, und auch die Funktion der Sprache selbst wandelte sich fundamental. Die Praxis einer fanatischen Ideologisierung aller Lebensbereiche ersetzte das Ideal eines diskursiven Raisonnements. Insofern ermöglicht das Studium des Vokabulars des Nationalsozialismus tiefe Einblicke in die Sprach-, Kultur- und Mentalitätengeschichte unseres Jahrhunderts und sensibilisiert für und gegen menschenverachtenden Sprachgebrauch.
Christoph Jahr -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||