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Enzyklopädie des Nationalsozialismus
 
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Enzyklopädie des Nationalsozialismus [Taschenbuch]

Wolfgang Benz , Hermann Graml , Hermann Weiß
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Dtv (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423330074
  • ISBN-13: 978-3423330077
  • Größe und/oder Gewicht: 22,7 x 15,2 x 5,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 379.445 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Digitale Bibliothek legt mit dieser CD-Lizenzausgabe der im Druck bei Klett-Cotta und bei dtv erschienenen Enzyklopädie des Nationalsozialismus einen weiteren Band ihrer Reihe mit historischen (Nachschlage-)Werken vor. Begonnen wurde sie mit der Propyläen Weltgeschichte. Außerdem sind bislang zwei überaus lohnenswerte Sondereditionen mit historischem Aktenmaterial erschienen, die eindrucksvoll belegen, welche Möglichkeiten digitale Quellensammlungen den entsprechenden Printausgaben voraushaben: Deutsche Einheit: Dokumente zur Deutschlandpolitik sowie Der Nürnberger Prozeß: Das Protokoll des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof 14. November 1945 - 1. Oktober 1946.

Der Text der digitalen Enzyklopädie des Nationalsozialismus basiert auf der dritten Druckauflage des dreibändigen Standardwerks und ist -- wie alle Bände der Digitalen Bibliothek -- auch mit einer Seitenkonkordanz versehen. Die Qualität des Lexikons selbst steht längst außer Frage. Zweifellos eine Enzyklopädie, die es seinem Titel nach ja auch sein will, ist es zugleich ein profundes Handbuch, in dem der Nationalsozialismus, seine Ideologie und seine Institutionen in zum Teil brillanten Essays aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.

Die digitale Ausgabe ist eine überaus begrüßenswerte Ergänzung, macht aber -- anders vielleicht als bei reinen Quellensammlungen wie den oben erwähnten -- das gedruckte Werk nicht überflüssig. Gleichwohl wird man sich, einmal an die digitale Funktionalität gewöhnt, auch bei der Lektüre der Druckausgabe hier und da einen Hyperlink wünschen. Auch die Markierungs- und Notizfunktionen sind hervorragende Instrumente für die Arbeit mit dem Werk. Hemmungen, einzelne Textpassagen zu markieren und mit Anmerkungen zu versehen, wie sie mancher beim Umgang mit Büchern hat, erübrigen sich hier. Und solche Anmerkungen sind außerdem systematisch zu verwalten und auszuwerten. Insgesamt ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann in der Digitalen Bibliothek die ersten Originalausgaben erscheinen, die man dann aber hoffentlich auch noch in einer gedruckten (Lizenz-)Ausgabe erhalten kann. --Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Wörterbücher des Schreckens

Zwei Nachschlagewerke zum Nationalsozialismus

Die Geschichtsbücher über die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland und grossen Teilen Europas füllen inzwischen ganze Bibliotheken. Es ist also ein ebenso mutiges wie verdienstvolles Unterfangen, diese kurze, aber ungemein folgenreiche Epoche in einen Lexikonband zu bannen, um Informationen über wichtige Daten, Begriffe und Personen leichter zugänglich zu machen. Die im Umfeld des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung und des Münchner Instituts für Zeitgeschichte entstandene «Enzyklopädie des Nationalsozialismus» versucht dies durch einen doppelten Zugriff. Im ersten Teil werden wichtige Themen wie Propaganda, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder Emigration in zehn- bis fünfzehnseitigen Handbuchartikeln erörtert, an die sich ein Lexikonteil anschliesst. Von «Ausserordentliche Befriedungsaktion» bis «Zyklon B» reicht dieses Alphabet des Grauens. Hilfreich ist auch das Personenregister mit kurzen biographischen Hinweisen.

Die Wörter der Macht

Bei fast 150 Autoren ist der Gesamteindruck dieser Enzyklopädie zwangsläufig uneinheitlich und die Qualität der Beiträge sehr unterschiedlich. Ian Kershaws Ausführungen über «Führer und Hitlerkult» beispielsweise beschreiben eindringlich die Besonderheit von Hitlers charismatischer Herrschaft, die einerseits der Dreh- und Angelpunkt des NS-Regimes war, andererseits die Formen bürokratisch regulierter Machtausübung unterminierte, ohne die ein moderner Staat nicht auf Dauer funktionieren kann. Unpräzise und zu sehr auf die Person Hitlers eingeengt ist dagegen der Beitrag von Wolfgang Wippermann zum Thema «Ideologie». Gelungen ist Gerd Ueberschärs Überblick über die keineswegs «sauber» gebliebene Wehrmacht, während Thomas Bertrams Ausführungen zum Zweiten Weltkrieg schwerfällig erscheinen und über einige Schlagworte nicht hinauskommen. In Bernd-Jürgen Wendts Artikel «Aussenpolitik» schliesslich wird der Aussenminister von Ribbentrop als «Parvenu» bezeichnet, der es kaum wert sei, «dass man sich intensiver mit ihm beschäftigt». Aus solchen Urteilen spricht eine ähnliche naserümpfende Überheblichkeit, wie sie die konservativen Eliten vor sechzig und siebzig Jahren gegenüber dem Nationalsozialismus an den Tag legten.

Die Heterogenität der Beiträge ist auch im Lexikonteil beträchtlich. Im Artikel «Frankreich» beispielsweise wird im Zusammenhang mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages am 22. Juni 1940 auf «Compiègne» verwiesen. Unter diesem Stichwort wird dann zwar das dortige Durchgangslager für Juden aus dem besetzten Frankreich beschrieben, nicht aber die Rolle des Ortes als Schauplatz deutsch-französischer «Erbfeindschaft», denn in Compiègne war ja bereits der Waffenstillstandsvertrag vom 11. November 1918 unterzeichnet worden. Indem Hitler diesen Ort zur Feier seines Triumphes wählte, inszenierte er sich bewusst als Überwinder des Traumas der deutschen Niederlage von 1918 und als «Werkzeug der Vorsehung». Auf solche Aspekte politischer Symbolik jenseits der blossen Fakten hinzuweisen, gehört zu den Aufgaben einer Enzyklopädie. Auch gelegentliche Flüchtigkeitsfehler, so beim Stichwort «Aktion Reinhardt», deren Vorgeschichte verwirrenderweise auf den Spätsommer 1944 (statt 1941) datiert wird, zeigen, dass das gesamte Werk unter Zeitdruck entstanden ist. Trotz diesen Einschränkungen bietet die «Enzyklopädie des Nationalsozialismus» eine für Fachleute und interessierte Laien gleichermassen wichtige Orientierungshilfe.

Die Macht der Wörter

Einige dieser Schwächen gleicht Cornelia Schmitz-Berning aus, denn sie behandelt weniger die historischen Daten und Ereignisse als den offiziellen und volkstümlichen Sprachgebrauch in der NS-Zeit. Eine über vierzigjährige Beschäftigung mit der Sprache des Nationalsozialismus hat ihren Niederschlag in einem ungemein quellenreichen Handbuch gefunden. Für jedes Stichwort wird die Begriffsgeschichte, der Sprachgebrauch in der «Kampfzeit» bis 1933 und während der NS-Herrschaft bis 1945 anhand zahlreicher Belegzitate dargestellt. Das Vokabular des Nationalsozialismus offenbart oft schon auf den ersten Blick den buchstäblich inhumanen Charakter des Regimes und seiner Ideologie, bisweilen sogar mit unfreiwilliger Komik. Über das Wort «Abstammungsnachweis» erfährt man, dass in Meyers Konversationslexikon von 1924 lediglich der Verweis «siehe Tierzucht» stand. In der nächsten Auflage von 1936 hatte dieser Begriff seinen Weg vom Kuhstall in das Zentrum der rassistisch organisierten Gesellschaft gefunden: der «Abstammungsnachweis» entschied nun über die Lebensperspektiven, später über die Überlebenschancen jedes Menschen im deutschen Machtbereich.

Den Charakter des Rassismus als eines säkularen Religionsersatzes verdeutlicht als weiteres Beispiel auch das Wort «Erbsünde», das völlig aus seinem christlichen Kontext herausgelöst wurde. Nicht mehr Adams und Evas Sündenfall im Paradies, die Abkehr von Gottes Geboten, sondern die vermeintlichen «Sünden wider das Blut», die Verstösse gegen das Gebot der «Reinhaltung der arischen Rasse» waren nunmehr gemeint. Auch das bis heute häufig leichtfertig verwendete Wort vom «Dritten Reich» hat eine solche Entwicklung von der christlichen zur innerweltlichen Heilsgeschichte durchgemacht. Die Untaten des NS-Regimes wurden sprachlich lange vorbereitet, und auch die Funktion der Sprache selbst wandelte sich fundamental. Die Praxis einer fanatischen Ideologisierung aller Lebensbereiche ersetzte das Ideal eines diskursiven Raisonnements. Insofern ermöglicht das Studium des Vokabulars des Nationalsozialismus tiefe Einblicke in die Sprach-, Kultur- und Mentalitätengeschichte unseres Jahrhunderts und sensibilisiert für – und gegen – menschenverachtenden Sprachgebrauch.

Christoph Jahr -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Immer in Reichweite 28. Juli 2006
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Die Herausgeber der "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" bürgen für Qualität: Die Veröffentlichungen von Wolfgang Benz (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin), Hermann Graml und Hermann Weiß (beide Institut für Zeitgeschichte, München) sind seit langem Erste Adressen in Sachen Erforschung des Nationalsozialismus.

Im Vorwort wird die Intention dieses tatsächlich enzyklopädischen Werkes deutlich: Es geht um die auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung beruhende Sammlung "alle[r] notwendigen Informationen über Organisationen, zu Ereignissen und Begriffen, über Fakten und Daten der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer Verwirklichung im NS-Staat". Ein hochgestecktes Ziel, zu dessen Erreichen insgesamt 132 Autoren beigetragen haben, darunter z.B. Herrmann Glaser, Ian Kershaw, Ágnes Ságvári und Bernd-Jürgen Wendt.

Die "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" ist übersichtlich in drei Teile gegliedert:

Teil 1 widmet sich unter der Überschrift "Handbuch" den verschiedenen Aspekten des NS-Staates: In informativen, meist gut lesbaren 10- bis 20-seitigen Darstellungen geht es u.a. um die Bedeutung von Ideologie, Propaganda, Justiz, Wehrmacht, Kunst, Wissenschaft, Kirchen, Jugend, Widerstand usw. unter dem NS-Regime. Am Ende jeder Darstellung findet sich eine unkommentierte Auswahlbibliographie zum jeweiligen Thema. Je nach persönlichem Interesse erwartet den Leser hier mancher Aha-Effekt. In der Regel werden nämlich Zusammenhänge und Entwicklungen so nachvollziehbar erläutert, dass man nicht "vom Fach" sein muss, um aus der Lektüre Gewinn zu ziehen.

Abgeschlossen wird dieser Teil durch einen ausführlichen Beitrag über die verschiedenen Quellen und über die Quellenlage im allgemeinen zum Nationalsozialismus.

Der zweite Teil enthält in Gestalt eines Lexikons ausführliche, bei Bedarf sogar mehrseitige Artikel zu Stichwörtern aller Art (Personen ausgenommen); dieser Teil ist eine wahre Fundgrube. Wenn ich z.B. ein Sachbuch, eine Biographie oder einen Erinnerungsband lese, der sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt, habe ich die "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" stets in Griffweite. Die Stichwörter sind nämlich viel ausführlicher als in Konversationslexika möglich und dabei immer noch übersichtlich (und außerdem kann man nicht wegen jeder Unklarheit zur nächsten Uni-Bibliothek gehen und festmeterweise die einschlägige Fachliteratur konsultieren). Nützlich sind auch Stichworte, die man nicht zwingend mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringt -- dazu gehören auch Länder-Einträge wie z.B. "Griechenland" oder "Frankreich" -- hier findet man viel Wissenswertes über die damit verbundenen Aspekte der NS-Ideologie und-Politik vor und während des 2. Weltkrieges.

Am wichtigsten dürfte aber sein, dass man zu den Stichwörtern ganz einfach gut informiert wird, sodass man z.B. auch nachschlagen kann, wenn einem in einem mehr oder weniger sachlichen Sachbuch eine Argumentation oder Fakten-Behauptung fragwürdig vorkommt. Ein Vademecum gegen Faktenverdrehung!

Der dritte Teil der "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" ist der schwächste; de facto handelt es sich hier um ein kommentiertes Personenregister zu den beiden ersten Teilen. Da Teil 2 keine Personen behandelt, erscheint das kommentierte Register zunächst als Mittel der Wahl, und könnte es sicher auch sein, wenn nicht... Dazu gleich. Schwerwiegender als mitunter etwas magere Informationen und nicht allzu akribisch recherchierte Lebensdaten u.ä. einerseits und die Aufnahme eher zufällig in den vorhergehenden Beiträgen vorkommender Namen wie z.B. Beethoven, Büchner, Goethe (denen man wohl kaum eine Verbindung zur NS-Ideologie vorwerfen kann) ist der methodologische Mangel: Wegen der Form des Namensregisters trägt diese Namensliste per definitionem den Makel der Zufälligkeit. Wer nicht in irgendeinem Beitrag genannt wird, erscheint auch nicht im Namensverzeichnis, obwohl es möglicherweise Wissenswertes über seine Verbindung zu den Nazis, über seine Widerstandstätigkeit, seine Emigration o.a. zu berichten gäbe. Dennoch ist das "Personenregister mit Kurzbiographien" nicht schlecht -- es ist nur ein wenig zu dürftig, vor allem im Vergleich mit den beiden vorangehenden Teilen.

Ein generelles Manko der "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" ist zwangsläufig mit seinen Vorzügen verbunden: Um möglichst viele Aspekte des Nationalsozialismus abzudecken, war es unumgänglich, viele Beiträger heranzuziehen, deren Qualifikation unbedingt erwiesen ist. Da aber ein Lexikon immer nur so gut ist wie seine Beiträger, und da unmöglich 132 Wissenschaftler auf gleich hohem Niveau argumentieren können, finden sich insbesondere im 2. Teil Qualitätsunterschiede. Sachlich falsch ist keiner der Beiträge, wie nicht zuletzt (aber nicht nur) aus der Rezeption dieses Werkes inner- und außerhalb der Zunft hervorgeht (meinen eigenen Eindruck, dem zufolge hier keine Fehlinformation zu finden ist, füge ich aus gutem Grund nur in Klammern hinzu). Allerdings schwankt die Qualität gelegentlich in bezug auf Ausführlichkeit und Gewichtung innerhalb der Artikel. Da andererseits keine echten Ausreißer nach unten zu finden sind, halte ich diesen Einwand zwar für nötig, aber nicht für maßgeblich in bezug auf die Bewertung der "Enzyklopädie".

Hingegen spricht für dieses Buch seine Benutzerfreundlichkeit; auf Querverweis-Orgien beispielsweise stößt man nur selten und dann meist, weil es wirklich nicht anders ging. Insofern dürfte zwar eine mittlerweile erschienene digitale Fassung der "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" nützlich sein, aber es geht auch ohne -- zumal sich die längeren Beiträge im ersten Teil bestimmt besser in Papierform lesen lassen.
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5 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein sehr wertvoller Inhalt 9. September 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Ich glaube, dieses Werk ist nur ein Anfang -zwar ein sehr beachtenswerter- von einer Arbeit die nie ein Schluss finden wird, denn über die NS-Zeit gibt es immer Neues zu erforschen.
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