François Joyaux ist für Frankreich, was Graham Stuart Thomas für England war und Brent Dickerson für die USA ist - DIE grosse Autorität, wenn es um historische (oder Alte) Rosen geht. Auf rund 300 Seiten stellt Joyaux so ziemlich alle Rosen detailliert und häufig mit Bild vor, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden und noch in irgend einer Rosensammlung vertreten oder im Handel erhältlich sind. Immer wieder lässt Joyaux auch die Ergebnisse seiner eigenen Forschungen und der neuesten DNS-Analysen einfliessen. Zur Zeit gibt es kein vergleichbares Werk - Peter Beales' "Classic Roses" und die Bücher von G. St. Thomas enthalten auch neuere Rosenzüchtungen, die Werke von Dickerson sind eher für den Rosenhistoriker (und nicht für den Praktiker) gedacht. Wer sich speziell für historische Kletterrosen und Rambler interessiert, wird allerdings auf das Standardwerk von Quest-Ritson, "Climbing Roses of the World", weiterhin nicht verzichten.
Joyaux hält mit seiner eigenen Meinung über den Wert bestimmter Sorten nicht zurück (durchaus hilfreich für den Laien) und gibt auch Pflegetipps. Leider ist Joyaux als Fotograf nicht so begnadet wie als Rosenhistoriker. Viele seiner Fotografien wurden offenbar in voller Mittagssonne aufgenommen, sind überbelichtet oder wirken sonstwie ausgebleicht, einige wenige sind schlicht unscharf. Wer wissen will, wie man Alte Rosen fotografiert, führe sich einmal die Meisterwerke von Paul Starosta - in "Rosen" von Eleonore Cruse im Taschen Verlag - zu Gemüte. Sei's drum, viele Bilder sind durchaus brauchbar, und das Buch ist für die wachsende Zahl der Liebhaber Alter Rosen unverzichtbar. Der Text verdient 5 Sterne, die Bilder 2 bis 3 Sterne, macht 4 Sterne.