Sandra Browns Thriller "Envy - Neid" teilt sich in zwei Geschichten auf. In der einen lesen wir die Titelgeschichte kennen, in der anderen die eigentliche Handlung. In "Neid" geht es um die Freundschaft zwischen zwei jungen Männern, die ein grausames Ende nehmen wird. Im Prolog begleiten wir sie zu einem Bootsausflug, von dem nur einer der beiden zurückkehrt, blutig und außer sich: Sein Freund und die weibliche Begleitung seien über Bord gegangen und er hätte sie nicht finden können. Sein Freund sei ausgetickt und hätte ihn angegriffen - aus Neid. Wie es zu dieser Situation kommen konnte, erzählt die Vorgeschichte.
In der eigentlichen Geschichte lernen wir Maris Matherly-Reed kennen, eine erfolgreiche Verlegerin, die im Traditionsverlag ihres Vaters arbeitet. Verheiratet ist sie mit dem ebenfalls erfolgreichen Verleger Noah Reed, der einst ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben hat. Schon damals, als Maris das Buch gelesen hat, hat sie sich in die Figuren und in den Autor verliebt. Und als ihr nun der Prolog zu "Neid" auf den Tisch flattert, geht es ihr ähnlich. Das Manuskript wurde anonym eingesendet, doch sie setzt alles daran, den Autoren aufzuspüren und ihn unter Vertrag zu nehmen. Bald darauf reist sie auf die kleine Insel St. Anne, wo sie den mysteriösen und eigensinnigen Autoren kennenlernt. Doch der hat plötzlich gar kein Interesse mehr an einer Veröffentlichung und daran, das Buch fertig zu stellen.
Währenddessen genießt Noah die freie Zeit mit seiner Geliebten und spinnt seine Intrigenfäden, denn er hat längst eine Übernahme für den Traditionsverlag seines Schwiegervaters geplant und auch eine böse Idee ersonnen, wie er Schwiegervater und Frau dabei umgehen kann. Allerdings hat er nicht die Rechnung mit seinem Schwiegervater gemacht und damit, dass Maris sich derweil in einen neuen Autoren verliebt...
Das vorliegende Buch beginnt mit dem Prolog von "Neid", den Maris Matherly-Reed per Zufall auf ihrem Lesestapel findet. Und wie auch schon Maris, so fasziniert er auch den Leser von Anfang an. Der Prolog endet mit einem Cliffhanger, der zum Weiterlesen zwingt. Und so ist es verständlich, dass Maris unbedingt wissen muss, wie die Geschichte weitergeht. Der Spannungsbogen setzt hier von Beginn an und wird immer wieder dadurch gesteigert, dass wir häppchenweise die Vorgeschichte zu dem Bootsunglück erfahren. Doch immer präsentiert uns Sandra Brown nur winzige Hinweise, kurze Geschichten, sodass man richtig süchtig danach wird und weiterlesen MUSS.
Auch die Rahmenhandlung gefällt gut, auch wenn die Charakterzeichnung etwas farblos wirkt. Maris ist die erfolgreiche und scheinbar glücklich verheiratete Frau, die ein untrügliches Gespür für talentierte Autoren hat, sich allerdings gerne mal in einen besonders talentierten verliebt. Noah dagegen ist von Anfang an der durch und durch Böse, früh erfahren wir von seinen gemeinen Plänen und ahnen auch, dass er keine Skurpel hat, lästige Personen aus dem Weg zu räumen. Die beiden sind mir zu schwarz-weiß gezeichnet, doch auch der mysteriöse Autor, der alles andere als schwarz-weiß dargestellt wird, wird schwer greifbar. Zu häufig verändern sich seine Gefühle, zu häufig kann man seine Handlungen nicht nachvollziehen. Am Ende wird das Meiste verständlich, doch bis dahin standen mir viele Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.
Die Auflösung am Ende gefällt gut, Sandra Brown fügt ihrem spannenden Thriller ein schlüssiges Ende hinzu, das den Leser zufrieden zurücklässt. Der Spannungsbogen ist allererste Sahne, einen kleinen Abzug gibt es tatsächlich nur für die farblose Figurenzeichnung, ansonsten aber lesenswerte Unterhaltung!