Das Buch besteht aus 21 Aufsätzen, die ihrerseits auf einer Vielzahl publizierter und auch unpublizierter Arbeiten von Carl Rogers aus den Jahren 1951 bis 1961 beruhen. Diese 21 Aufsätze sind dann zu sieben größeren Kapitel gruppiert worden, wodurch sich eine gewisse Schwerpunktsetzung ergibt. Es enthält sicherlich eine "Theorie der Persönlichkeit", aber das ist gewissermaßen ein nachträglicher Effekt. Zu einer Theorie ist es geworden durch die nachträgliche Überarbeitung und Gruppierung, nicht durch Plan und Konzept, ein theoretisches Werk über Persönlichkeit zu schreiben. Es ist mir wichtig, dies festzuhalten, weil sich an der Struktur des Buches zugleich die charakteristische Arbeits- und Denkweise von Rogers zeigt. Er selbst beschreibt sie als ein primär an der Erfahrung orientiertes Lernen, in das er nachträglich Ordnung und Sinn bringt.
Typisch für Rogers ist auch, sehr persönliche Erfahrungen zum Thema zu machen. Die folgenden 10 Lebenserfahrungen Rogers enthalten zugleich in nuce das therapeutische Programm der Gesprächstherapie:
(1) Es hilft mir nicht, so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin.
(2) Ich erreiche mehr, wenn ich ganz ich selbst sein kann.
(3) Wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, ändere ich mich.
(4) Es ist höchst lohnend für mich, einen anderen Menschen akzeptieren zu können.
(5) Es ist wertvoll für mich, wenn ich mir erlauben kann, einen anderen zu verstehen.
(6) Es bereichert mich, Kanäle zu öffnen, durch die andere ihre Gefühle mitteilen können.
(7) Je offener ich bin, desto weniger muss ich die Dinge in Ordnung bringen".
(8) Ich kann meinen Erfahrungen trauen.
(9) Das Urteil anderer ist für mich keine Leitlinie
(10)Das Leben ist ein fließender, sich wandelnder Prozess
In diesem Buch wird sehr gut verständlich, wieso für Rogers "Entwicklung der Persönlichkeit" und "therapeutische Beziehung" im Grunde dasselbe sind. Die Entwicklung der Persönlichkeit ist das Ergebnis einer "hilfreichen Beziehung" und die therapeutische Beziehung ist nur der Spezialfall einer solchen hilfreichen Beziehung. Rogers geht es nicht darum, den Klienten mit Ratschlägen zu füttern, sondern seine Fähigkeit zur Selbstaktualisierung zu wecken bzw. zu fördern. Genau das ist mit klientenzentriert oder personzentriert gemeint. Die Person selbst besitzt bereits alles, was für ihre Entwicklung notwendig ist. Vom Therapeuten wird dabei scheinbar wenig und doch sehr viel verlangt: nämlich Kongruenz, Empathie und Akzeptanz. Nachlesen kann man auch, dass und wie sich ein solches Konzept mit modernen wissenschaftlichen Verfahren der Test-Psychologie verträgt.