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Entwürfe zu einem dritten Tagebuch
 
 
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Entwürfe zu einem dritten Tagebuch [Gebundene Ausgabe]

Max Frisch , Peter von Matt
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (5. April 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518421301
  • ISBN-13: 978-3518421307
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 52.595 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Max Frisch
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das letzte Buch von Max Frisch blieb ungeschrieben. Aber der Entwurf dazu, der Entwurf zu einer letzten Wahrheit im Leben und Schreiben dieses großen Autors, der liegt mit diesem Buch jetzt vor.«

(Volker Weidermann Frankfurter Allg. Sonntagszeitung )

»Ein einzigartiges Dokument, ohne Illusionen, voller Zweifel, aber immer noch mit lustvoll scharfem Blick auf die Welt.«

(Die Zeit )

»… eine grausig-schöne, in ihrer Finsternis erhabene und kassiberhaft-indiskrete Lektüre…«

(Fritz J. Raddatz Die Literarische Welt )

»Wieder ist der charakteristische Tagebuch-Ton von Frisch zu finden, der nichts mit einer privaten Niederschrift und nichts mit persönlich-intimen Aufzeichnungen zu tun hat – es sind sorgsam konzipierte literarische Texte, die sehr knapp, oft geradezu aphoristisch politisches und ästhetisches Räsonnement mit subjektiven Erlebnissen und Wahrnehmungen verbinden. Diese dritte, sehr bewusst gewählte, Tagebuch-Phase registriert die Probleme des Alterns, des Lebensrückblicks.«

(Helmut Böttiger Deutschlandradio Kultur )

»Dieses dritte Tagebuch enthält Notizen von einer Brillanz, wie man sie schon aus den ersten beiden Tagebüchern kennt. … ein bewegendes Alterswerk, das, zu Lebzeiten veröffentlicht, ein würdiger, krönender Abschluss des Werks von Max Frisch gewesen wäre. Zum Glück lässt es sich jetzt lesen.«

(Volker Hage Der Spiegel )

»... es stellt sich immer wieder, und sei es für wenige Sätze, der charackteristische Max-Frisch-Sound ein: sorgsam verdichtete, knappe, andeutende und aussparende, stets wieder aufs Neue infrage gestellte Selbstbefragungen.«

(Mark-Christian von Busse Hessische / Niedersächsische Allgemeine )

Kurzbeschreibung

Im August 2009 meldeten die Feuilletons eine Sensation: In einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil des Max-Frisch-Archivs in Zürich war das Typoskript eines bisher unbekannten Werks des Schweizer Autors gefunden worden: 184 Seiten, von Frisch auf Tonband diktiert, von seiner Sekretärin in die Maschine getippt. Der Autor selbst hatte auf der Titelseite notiert: »Tagebuch 3. Ab Frühjahr 1982«. Max Frisch lebte zu dieser Zeit in New York, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Alice Locke-Carey, bekannt als »Lynn« aus der Erzählung Montauk. Ihr ist das Tagebuch 3 gewidmet, und vermutlich fällt das abrupte Ende der Aufzeichnungen Mitte der achtziger Jahre mit der Trennung von der Amerikanerin zusammen. Die USA und die Schweiz, die Reagan-Administration und das belastete Verhältnis zu der um vieles jüngeren Frau, der Kalte Krieg und der Krebstod eines engen Freundes: Wie die beiden legendären, 1950 und 1972 erschienenen Tagebücher verzeichnet auch das Tagebuch 3 Augenblicksnotizen neben längeren reflexiven Passagen – und hebt das scheinbar flüchtig hingeworfene Notat in den Rang des Literarischen: »Es gibt in Amerika alles – nur eins nicht: ein Verhältnis zum Tragischen.«

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Jeder, der die beiden anderen Tagebücher gelesen und wieder gelesen hat, wird ohne zu Zögern zum dritten Tagebuch greifen und die Entwürfe mit Andacht verkosten. Der Titel: "Entwürfe" im Plural bringt in ein Wort, was mich an diesem Tagebuch fasziniert und was Frisch auch literarisch immer wieder adressiert hat: Die sprachlichen, tumben Annäherungen an das, was wir "Geheimnis der Wirklichkeit" nennen bleiben Entwürfe - Sätze, die sich immer wieder aufheben, die das Bezeichnete immer wieder aufheben. Das Buch lässt den Leser am präzise schauenden und fragenden Zerbröseln von Selbst- und Weltgewißheit teilhaben, ohne peinlich privat zu werden. Ist in "Stiller" oder "Gantenbein" das Oszillieren der Identität noch eine aktiv gewählte kommt hier nun der passive (erlittene) Teil der fragmentierten Identität hinzu und das ohne die schwächliche Senilität von "ein Mensch erscheint im Holozän". Auch wenn das schon tausend kluge Leute gesagt haben: Frisch ist und bleibt der Autor der Identität und damit des modernen Menschen.

Also: Wer Lust am Fragen und Liebe zur Welt hat, kaufe sich dieses Buch zusammen mit etwas gutem Wein und einiger freier Zeit. Es ist ein kleines Buch, unaufdringlich, liebevoll, präzise. Entwürfe.
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ein fragmentarisches Tagebuch aus den Jahren 1982/83 wird uns nun also vorgelegt, nachdem es auf etwas dubiosen Weg, zu den Lesern gelangt ist und wohl schon im Vorfeld für heisse Köpfe gesorgt hat. Walter Obschlager, der ursprüngliche Archivar der Max-Frisch-Stiftung (immerhin von 1981-2008) hat dieses Typoskript verschwiegen, und die persönliche Sekretärin von Frisch, Rosmarie Primault, hatte eine "kleine Abteilung" bei sich, die sie erst nach und nach anscheinend der Stiftung abtrat, und zu guter Letzt, musste also der Stiftungsrat der Max-Frisch-Stiftung über die Veröffentlichung abstimmen, nachdem es anscheinend Gegner (u.a. Adolf Muschg) der Veröffentlichung gab.

Liegt es doch in der heutigen Zeit, vergessene, verschollene, ins Nichts verschwundene Texte, die plötzlich nach vielen Jahren wieder auftauchen, zu Sensationen zu stilisieren, was zum einen einem gewissen unstillbaren Hunger oder besser Gier anspricht und nicht zuletzt des Geschäftemachens ein zuträglicher Diener zu sein scheint. Sind wir Menschen wirklich so sensations-lüstern? Bleibt die Frage offen, ob damit den Autoren wirklich in deren Sinn gehandelt wird, oder ihre Würde nach deren Ableben, dabei noch respektiert wird, vor allem, wenn es sich dabei um persönliche Tagebücher handelt.

Wie auch immer, wir Leser projezieren ohnehin ungeahnte Schätze in Manuskripte die oft erst nach 20 Jahren (hier 28!) veröffentlicht werden, was sich allzu oft nicht bewahrheitet. Übrigens sollen nächstes Jahr, also 2011 noch versiegelte Texte von Max Frisch zugänglich gemacht werden, wo unter anderem ein Briefwechsel zu Ingeborg Bachmann darunter sein soll...

Doch nun zum Buch. Frisch ist immer hin 72 Jahre alt, wenn man seine Prosa liest. Er ist ein Frager, ein Zweifler, bezeiten könnte er einen Wutanfall bekommen, er bewegt sich zwischen Politik, der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Tod, erzählt Episoden aus seinem Leben, macht sich Gedanken über das Altern, seinen sterbenden Freund Peter Noll, seine Gedanken kreisen um die nukleare Aufrüstung, er bewegt sich zwischen Zürich, New York und Berzona (Tessin) und auch noch anderen Orten, seine Gedanken kreisen um Israel, und seinem Traum vom eigenen Haus. Über seine Arbeit sagt er, es sei nur ein sinnloses Tauschen von Wörtern. Und da ist noch die Beziehung zu seiner jüngeren Frau Alice, die er analysiert, für sie scheint dieses Tagebuch gewidmet zu sein, denn nach Ende der Beziehung, hören auch die Tagebucheinträge auf. Alice bleibt jedoch im Hintergrund, man spürt sie kaum.

(Im April 1974 hatte Frisch auf einer Lesetour in den USA eine Affäre mit der 32 Jahre jüngeren Amerikanerin Alice Locke-Carey, und lebte mit ihr später von 1980 bis 1984 in New York, in dieser Zeit sind diese Aufzeichnungen entstanden.)

Die FAZ veröffentlichte einen bemerkenswerten Artikel (3.4.2010) über jene Begegnung mit "Alice", wo Frisch ein Wochenende in der Erzählung Montauk (suhrkamp taschenbuch) verarbeitet, die in besagter Erzählung als "Lynn" geschildert wird. Volker Weidermann besucht die Amerikanerin, um an jenen Ort "Montauk" sich zu erinnern. Eine sehr sinnliche, melancholische und berührende Begegnung, wo ein distanzierter Blick, auf jene Liebeserfahrung geworfen wird, die an jenem Wochenende 1974 in dem amerikanischen Ort Montauk das 170km östlich von New York von Long Island liegt. Max Frisch und die amerikanische Verlagsmitarbeiterin "Alice" hatten dort ein Liebes-Wochenende miteinander verbracht.

Der Tod seines Freundes Peter Noll geht ihm unter die Haut, wir bekommen die Betroffenheit eines Max Frisch zu spüren. Seinen Tod scheint er schon vorab zu erahnen. "Ich rede schon wie von einem Verstorbenen"..."Ich weiss nicht, warum ich in dieser Wirtschaftstube plötzlich das Gefühl habe, dass es seine letzte Fahrt über Land gewesen ist." Die beiden Männer begegnen sich noch einmal und drücken einander ihre Freundschaft aus. Nachdem sie sich verabschiedet haben, schreibt Frisch: "Als ich die Wohnung verlasse, ist er nicht allein. Er stirbt Stunden nach Mitternacht, und dort wo die Nachricht mich einholt, ist es noch nicht Mitternacht." Selbst später fragt er sich, ob er Noll wirklich gekannt hat.

Der Tod des Freundes führt in die eigene Betrachtung:"Kein Antlitz in einem Sarg, hat mir je gezeigt, dass der eben Verstorbene uns vermisst.Das Gegenteil davon ist überdeutlich. Der Verstorbene überlässt mich der Erinnerung an meine Erlebnisse mit ihm..der Verstorbene hat inzwischen eine Erfahrung gemacht ohne uns, die Erfahrung, die mir erst noch bevorsteht und die sich nicht vermitteln lässt."

Frisch bewegt sich zwischen dem Dauerhaften und dem Flüchtigen. Bei den Einträgen, kennen wir weder die Daten, noch den jeweiligen Ort, wo die Texte zur Zeit der Erfassung entstanden sind, was ein wenig irritierend wirken kann, überhaupt wird nicht immer alles erklärt, Vieles bleibt offen, angedeutet, als Leser wird man gefordert. Das Altern steht bisweilen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Er schreibt: "Ich reise nicht mehr..nur noch zu Begräbnissen...ich gebe keine Interviews mehr..Immer grösser wird mein Freundeskreis unter den Toten."

Ein zur Reife gekommener alter Mann, der realisiert, dass er alt geworden ist. "Ich bin alt, ich bin alt." Seine innere Auseinandersetzung bemüht sich um Menschlichkeit, Ehrlichkeit, und dem was uns gegen Ende des Lebens noch zu beschäftigen scheint. Er engagiert sich innerlich politisch und nimmt Stellung, und gleichzeitig nehmen wir Leser Anteil an dem Leben eines alten Schriftstellers, mit einem wachen Geist, und voller Präsenz. Ein wahres Sammelsurium, aus Fragmenten wird uns da vorgelegt, ich persönlich mochte vor allem, das persönlich erzählte, persönlich Erlebte, wenn er z.B. etwas von seinen Gästen erzählt, die ihn in seinem Haus besucht haben oder von Selbsterfahrungsgruppen erzählt, die wohl seine Partnerin Alice im damaligen Amerika besucht zu haben scheint.

Ein Buch, das ganz viele Ebenen anzusprechen scheint, die Zugewandheit zu politischen Themen wie etwa damals der Regierung unter Ronald Reagan, haben mich eher weniger interessiert und gefesselt. Und trotzdem ist das neue Buch von Frisch, mit ein paar Leckerbissen garniert, die man geniessen kann. Natürlich kann so eine Nachlese, kaum die hohen Erwartungen der Leser erfüllen, dessen Zusammenstellung ein Fragment bleiben wird. Der Bogen reicht von Ertragreichem, Erkenntnisreichem, bis hin zu Belanglosen und unbedeutsamen Schreibfragmenten. Kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss, ein Muss eher für Frisch-Liebhaber, die wohl nur teilweise auf ihre Kosten kommen werden.

Der Leser hat es also Peter von Matt (Präsident der Max-Frisch-Stiftung) zu verdanken, dass dieses Typoskript, den Weg zu den Lesern geschafft hat, er hat es freundlicherweise editiert, mit Anmerkungen versehen, das Nachwort verfasst und war übrigens auch für die Neuherausgabe des früh verworfenen Romans "Antwort aus der Stille: Eine Erzählung aus den Bergen" (2009) verantwortlich.

Zum Schluss, eine Stelle aus dem Buch, die wie eine Meditation wirkt:
"Mittag am Bach, das Wasser ist kieselklar, aber kalt, die Felsen sind warm, von der Sonne und die Luft riecht nach Wald, nach Pilzen, man hört nichts als das Wasser und es gibt nichts zu denken."

Fazit: Wer nicht mit allzu grossen Erwartungen, an das neue Tagebuch, welches wohl kaum mit seinen bisherigen im Vergleich steht, unvoreingenommen herangeht, kann durchaus ein paar Kostbarkeiten orten..
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
In einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil des Max-Frisch-Instituts in Zürich wurde im August 2009 die nicht paginierte Durchschrift des Typoskripts eines bis dahin nicht bekannten Werks des Schweizer Autors gefunden, welches seine Sekretärin Rosemarie Primault an das Institut gegeben hat, nachdem Frisch selbst das Original Typoskript vernichtet hatte. Dieser Umstand führte im Stiftungsrat zu einer Kontroverse um Berechtigung und Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung des Werks, denn Frisch hatte zu Lebzeiten wissentlich und willentlich die alleinige Verantwortung über den Nachlass und die Publikationen dem von ihm eingesetzten Team des Stiftungsrates übergeben.

Befürchtungen, hier könnte ein Frisch "2. Wahl" das Licht der Welt erblicken sind unberechtigt. Solche Bücher gibt es ja, ich denke da an sein Frühwerk "Antwort aus der Stille", auch sein Spätwerk "Blaubart" (1982) gehört dazu, so schreibt Frisch dann auch in seinen Aufzeichnungen "Das vorletzte hätte verdient, das letzte zu sein". Damit meint er die 1979 erschienene großartige Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän".

Dem Literaturwissenschaftler, Autor und Herausgeber Peter von Matt haben wir es zu verdanken, dass wir trotz des Widerstands von Adolf Muschg jetzt die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch von Max Frisch lesen können. Die Notate stammen aus der Zeit von Februar 1982 bis April 1983.

Dem Tagebuch wurden Anmerkungen beigefügt, die Fragen und Unklarheiten klären helfen, denn die Ereignisse des Tagebuches liegen über 28 Jahre zurück, die Gedankengänge könnten möglicherweise zu "Irritationen im historischen Bewusstsein führen".

Auf der Titelseite hat Frisch notiert, Tagebuch 3. Ab Februar 1982 Widmung: Für Alice. Doch in Wirklichkeit hatte das Tagebuch zwei Auslöser. Das eine war Frischs Betroffenheit über die unheilbare Krankheit seines besten Freundes, des Jura Professors Peter Noll. So machen dessen Krankheit und Tod einen wichtigen Strang der Aufzeichnungen aus."Einer der wenigen, dessen Denken dem Tod nicht ausweicht". Da der Tod in diesem Buch von so großer Bedeutung ist, erhält auch für Frisch, den eigentlich das Leben mehr beschäftige, die Tatsache dem Sterben schreibend zu begegnen hier eine neue bisher nicht gekannte Dimension. Dieses dritte Tagebuch ist aus diesem Anlass thematisch auf die Themen Krankheit, Alter und Tod ausgerichtet.

Zweiter Anlass war das erneute Zusammentreffen mit der 32 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Alice Locke-Carey in New York. Sie kannte man als "Lynn" aus der Erzählung "Montauk". Die eine Spur endet als der Freund stirbt. Endgültig abgebrochen wurde das Tagebuch als im Frühjahr 1983 die Beziehung zu "Lynn" endet, da heißt es "Alice geht nach NY./Ende".

Wie in seinem zweiten Tagebuch finden sich auch hier wieder Mosaiksteine, ein sorgfältig komponiertes Werk aus verschiedenen Komplexen die harmonisch zusammen spielen, auch wenn sie am Schluss die eine oder andere Öffnung haben. Es gibt dabei eine Verkürzung und Verdichtung, wie man sie bisher bei Max Frisch nicht vorgefunden hat. Die im klassischen Sinn geschlossenen Texte dieses Tagebuchs, die in ihrer Spiegelung miteinander vernetzt sind, ergeben nach Themen zusammengesetzt weitere Essays über die Liebe, über Kirche-Staat-Gesellschaft, den Atomkrieg, seine Hommage an Amerika trotz aller Kritik, über Israel, die Juden und die Nichtjuden, den Falklandkrieg, das philosophisch Jenseitige, seine Angst vor Religiosität, die kaleidoskopartigen Reflexionen über den Glauben und schließlich das Leben als alternder Mann.

Frisch hat tauschte Wörter gegen Wörter, das befriedigte ihn nicht, denn er war sein Leben lang ein Mann der harten Arbeit". Vielleicht hat er zu viel getüftelt, überarbeitet und gestrichen das zum Schluss nur noch ein "Skelett" übrig blieb. "Ich schüttele Sätze, wie man eine kaputte Uhr schüttelt". Der Prozess der Verdichtung und Reduktion ist den Notaten deutlich anzumerken.

Das Dauerhafte und das Flüchtige, beides Momente die sowohl Angst wie Sehnsucht verkörpern, waren Themenbereiche die zeitlebens für Frisch eine gewaltige Bedeutung hatten. Hier spricht er einmal von "Sinnesoasen" bei seinen Wanderungen durch die Natur und dann erzeugt er andererseits durch die Beobachtungen seiner Mitmenschen eine unglaubliche Entspannungsqualität durch Meditationsvorlagen die so faszinierend und beruhigend sind. Wenn auch alles fragmentarisch bleibt, so öffnet es doch Räume die ihm früher verschlossen waren.

Und dann arbeitet er sich ständig an diesem "geliebten" Amerika ab, seinem Traumland, seinem Sehnsuchtsland, dem Land seiner existenziellen Freiheit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er ärgert sich, kommt als wachsamer Beobachter final dann doch immer wieder zu einer geheimen Bewunderung. Dann gibt es eine Stelle wo er sich vehement gegen den ständig kritisierenden Vorwurf wehrt, wo er einen wunderbaren, unglaublich auch heute aktuellen Satz sagt: "Es gibt verständlichen Hass, aber es gibt keine gerechten Hass"

Dann ist dieses Amerika auch für ihn auf Grund seiner Beziehung zu der so viel jüngeren Geliebten eine Art "Verjüngungskur", auch wenn er sich damit schwer tut. Schließlich nimmt er zwischen neuer Befreiung und Resignation das Alter an.

Für Peter von Matt ist "der Mut kontrastierende Erfahrungen nebeneinander stehen zulassen eine hohe Leistung dieses "Da heißt es zum Beispiel:"Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt"; "Hirnzellen fallen aus"; "Noch bemerke ich Fehlleistungen"; "Das Alter zum Beispiel, nehme ich mir nicht mehr übel"; "Natürlich werden wir einmal senil. Es ist nur die Frage ob ich es bemerke"; "Das fast bedingungslose Wohlgefallen ist ein Zeichen für fortgeschrittene Senilität" oder "Ich bin auf Erfahrungen angewiesen, die mich begrifflich hilflos machen und von daher narrativ."

Andererseits zeigen ihm die Zukunftserwartung und die Freude an neuen Begegnungen, dass "alles in ihm noch lebt". Vielschichtig sind seine Reflexionen als alter Mann und so schonungslos seine Diagnose über Alter und Langeweile ist, so bricht sie im Kontext mit der ungestillten Erkenntnissehnsucht und der Lust an glasscherbenscharfen Analysen.

Es ist überhaupt kein müdes oder nachlässig komponiertes Werk, der Tod wird nicht beschrieben, aber er schimmert ganz fein dosiert in der geschilderten Unsicherheit durch. Die ganz feinen Abschiedsmomente von im Leben lieb gewonnen Dingen sind von Frisch rührend komponierte Stimmungsszenarien.

Zu den politischen Teilen des Tagebuchs kann man aus heutiger Sicht zu anderen Sichtweisen kommen, aber was anrührend ist und bleibt ist die von tiefen Selbstzweifeln geprägte Alters Demut, wo er sich endlich, wie er auch selber zugibt, in einer vorsenilen, alkoholisierten altersbedingten Sinneswahrnehmung gehen lassen kann.

Ich habe sein Tagebuch mit großer Freude und viel Anteilnahme gelesen.
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