Da der vorherige Rezensent sich bereits so sehr kritisch aeussert, moechte ich ein wenig mildern: Auch mir scheint das Buch sehr populaerwissenschaftlich und die Ideen oft redundant: manche Kapitel haette man sicherlich besser zusammenfassen koennen, ausserdem hat man - selbst als populaerwissenschaftlicher Leser - irgendwann einmal genug ueber Schroedingers Katze und den Doppelspalt gelesen, der in diesem Buch auch wieder auftaucht.
Genz' Buch versucht eine historische, dann makroskopische (Newton, Einstein), dann thermodynamische, schliesslich quantenmechanische und zuletzt Elementarteilchenmodell-orientierte Hinwendung auf das Problem der Zeit.
Waehrend die Zeit im Makroskopischen newtonschen System ein Parameter ist, eine absolute Groesse, wird sie bei Einstein dynamisiert: Ploetzlich haengt die Zeit vom Raum ab und vom Gravitationsfeld, ploetzlich ist sie kein kleiner Parameter mehr, sondern eine dynamische Feldgroesse.
In der Thermodynamik schliesslich legen wir sie parallel zum Entropiepfeil um in der Quantenmechanik schliesslich zum puren Parameter zurueckzukommen. Was aber hat es dann mit den Asymmetrien in der Elementarteilchenphysik auf sich? Und was kann man in modernsten Theorien ueber die Zeit sagen?
Inwiefern ist Zeit real?
Diese obigen Fragen wirft Genz alle auf und gibt uns auch Einblicke in die moderne Physik - allerdings bleiben dann die Schlussfolgerungen und die harten Fakten ein wenig auf der Strecke.
Was heisst das? Im Bilde gesprochen: Dieses Buch ist mehr ein Fenster als eine Antwort. "Schaut einmal, das alles hat die Physik bisher gedacht!", so scheint es der Autor zu sagen. Dabei fehlte mir aber die leitende Hand, die hindeutet und auch einmal sagt: "Und dies kommt dabei heraus."
Letztlich kann man das Buch als Laie und als Physiker lesen, wird aber in jedem Fall ein wenig gruebelnd nach dem Buch zurueckgelassen; man hat hineingesehen, steht aber ein wenig so schlau da als zuvor.
Was mich letztlich sogar an mancher Stelle ueberdies noch ein wenig veraergert hat, waren manchmal die allzu schnellen Schlussfolgerungen.
Sei es, dass der Autor Naturwissenschaften als einzigen Erkenntniszugang zur Wirklichkeit a priori postuliert, oder aber dass er schnell folgert, dass ja eben nur unser Gehirn den zeitlichen Ablauf konstruiere - manchmal nimmt er sich grosse Fragen der Geisteswissenschaften oder der Psychologie, oder aber auch der Physik her, und beantwortet sie lapidar in einem kleinen Absatz (meines Empfindens ungenuegend). Vielleicht wuerde der Autor, spraeche man ihn darauf an, dazu noch mehr sagen. Fuer ein Buch schien es mir aber zu wenig. Entweder man spricht etwas ganz an - oder gar nicht. Sonst wird es zur Halbwahrheit - im besten Falle.
Insgesamt also ein durchwachsenes Urteil, irgendwie eine Uebersicht, aber kein echtes Ergebnis. Als Uebersicht aber letztlich doch moeglich. Vielleicht wird mancher Leser danach einen genaueren Einstieg in ein Teilgebiet finden.