Peter Brown, renommierter Historiker und Experte für Spätantike und Frühmittelalter, hat hier ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben, dessen deutsche Übersetzung jedem ans Herz zu legen ist, der sich für die Anfänge und Ursprünge der nachantiken europäischen Zivilisation interessiert. Brown hat sein Buch in drei große Abschnitte unterteilt: Zunächst befaßt er sich mit den drei Jahrhunderten bis zum Ende des weströmischen Kaisertums, dann mit den Jahren 500-750, in denen in manchen Gebieten und Bereichen (etwa in Ostrom) die Spätantike noch andauert, während in anderen schon das Mittelalter beginnt, und schließlich mit dem frühmittelalterlichen Europa bis zum Ende des 1. Jahrtausends. Diese Abschnitte sind noch in weitere Kapitel unterteilt, die sich vor allem mit wichtigen Persönlichkeiten (Papst Gregor, Karl der Große) oder einzelnen Gebieten und Regionen beschäftigen. Dabei geht es Brown weniger um die politische Geschichte (am Ende des Buches findet sich neben weiterführender Literatur zu den einzelnen Kapiteln auch eine Zeitleiste) als vielmehr um die kulturellen und religiösen Prozesse, die zwischen 200 und 1000 mit der Wandlung des weitgehend heidnischen römischen Imperiums in eine Vielzahl mittelalterlicher christlicher Staaten auf seinem Boden und jenseits seiner Grenzen einhergehen bzw. sie bestimmen. Der Islam, dessen rasante Expansion seit etwa 630 auch im östlichen Mittelmeerraum die Antike beendet, interessiert Brown dabei eher am Rande. Er analysiert insbesondere die Veränderungen in der Mentalität der Menschen in Europa in einem stets klaren und gut lesbaren Stil.
Bedauerlich ist eigentlich nur, daß zumindest in der Paperback-Ausgabe auf Fuß- oder Endnoten verzichtet wurde. Brown führt immer wieder aufschlußreiche Quellenzitate an, doch leider ist meist nicht mehr erkennbar, woher diese eigentlich stammen. In der englischen Originalausgabe dagegen war noch ein Anmerkungsteil vorhanden, der hier wohl aus Platzgründen entfallen ist.