Schaut man auf die aktuelle Europäische Bildungslandkarte so kann man sich nur verwundert die Augen reiben. Deutschland ist das einzige Land in Europa mit einem Schulanwesenheitszwang (die Pisa-Ideologen werden besonders nach Finnland schauen).
In diesem Rahmen passt die Streitschrift von Ivan Illich die immerhin bereits 1971 veröffentlicht wurde. Was mir besonders gefallen hat ist, dass Illich sehr präzise zentrale Begriffe wie Schule, Lernen und Bildung dekonstruiert. Begriffe die ein Dispositiv (mehr zum Dispositivbegriff bei Michel Foucault) aufspannen aus dem es scheinbar kein entrinnen gibt. Illich zeigt in seiner Streitschrift die relationale Gleichzeitigkeit von Bildung, Herrschaft und Kontrolle, die sich in der zunehmenden Verschulung der Gesellschaft zeigt. Schule war und ist demnach nie ein Ort der Emanzipation gewesen sondern vielmehr ein Ort der Reproduktion des herrschenden gesellschaftlichen Mainstreams.
In der derzeitigen Diskussionen um Schule ist Illichs Streitschrift daher erfrischend andersdenkend. Wenn man seinen Ausführungen folgt, wird einem klar, das in unserer vorgeblich freien Gesellschaft bei weitem nicht alles laut gedacht werden darf, ohne Gefahr zu laufen ausgeschlossen zu werden.