Detlef Gürtlers Büchlein ist genau das, was es aufgrund seines Umfangs nur sein kann und laut Untertitel sein will: ein - allerdings sehr - knapp gehaltener Impulsgeber zu einem wichtigen Thema: der Stellung und der eigenen Positionierung Deutschlands in Europa. So weit, so gut. Eine Vielzahl von Themenfeldern wird angerissen, ohne aber in die Tiefe zu gehen. Eine Streitschrift indes ist das Buch nicht: dafür fehlen die widerstreitenden Positionen. Die angedeuteten Erklärungsversuche, warum Deutschland ist, wie es ist, sind hierfür zu schwach ausgeprägt; es fehlt auch der Bezug zu substanziellen kollektiven Erfahrungen wie dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg.
Es wird im ganzen Text nicht erkennbar, ob und in welchem Umfang es sich bei den einzelnen Textpassagen um Überspitzungen oder Ironie handelt. Die Hoffnung des Lesers, es möge sich weitgehend um letztere handeln, endet spätestens dort, wo der Autor auf die jüngere deutsche Geschichte - die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - verweist und den Miteuropäern empfiehlt, diese als moralische Keule einzusetzen. Damit ist nicht zu spaßen, und damit darf nicht gespaßt werden.
Leider erfüllt der Text den an sich selbst gestellten Anspruch nicht, und das in mehrerlei Hinsicht. Neben schrägen Bildern, die sich unpassender Stellen der Historie bedienen, und sachlichen Ungenauigkeiten - der Autor hätte z. B. leicht verifizieren können, welche Stücke zum Ring des Nibelungen gehören, anstatt sich seiner Erinnerung zu bedienen - bleiben die angeschnittenen Themenkategorien unvollständig und werden der Größe der Aufgabenstellung nicht gerecht. Die am Ende skizzierten Handlungsoptionen für die Miteuropäer lassen den Leser einigermaßen ratlos zurück.
Fazit: nicht schlecht, aber auch nicht bedeutend.