Dieser Klassiker aus dem Jahre 1886 beschreibt einen Meilenstein in der Geschichte der Schachwettkämpfe, denn Wilhelm Steinitz wurde nach seinem Sieg über Johannes Hermann Zukertort als erster offizieller Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels ausgerufen.
Das Duell der beiden damals anerkannt stärksten Spieler der Welt wurde an drei verschiedenen Orten in der amerikanischen Wahlheimat des in Prag geborenen Steinitz ausgetragen.
Johannes Minckwitz, der Herausgeber der deutschen Schachzeitung von 1879 bis 1886, arbeitete bereits während des Wettkampfs intensiv an seinem Buch und konnte den Schachfreunden nicht einmal einen Monat nach Beendigung der letzten Partie bereits sein Werk zur Begutachtung vorlegen.
Neben der Beschreibung des wechselvollen Verlaufes dieses auf 10 Gewinnpartien angesetzten Duells um die Schachkrone der Welt enthält sein Buch kurze biografische Skizzen der beiden Protagonisten, sowie einen Abschnitt über die Entstehung des Wettkampfes und dessen Vertragsmodalitäten.
Den Schwerpunkt dieses schmalen Bändchens stellen natürlich die zwanzig Partien dar, welche in drei, vertraglich festgelegten Etappen in New York, St. Louis und New Orleans ausgefochten wurden.
Nachdem Hermann Zukertort nach einer Auftaktniederlage vier Partien in Folge für sich entschieden hatte, konnte er New York mit einer scheinbar beruhigenden 4:1 Führung verlassen. Der Ortswechsel und die mehrtägige Unterbrechung tat aber dem Polen nicht gut und in den vier Begegnungen welche in St. Louis absolviert wurden, gelang ihm gerade mal ein Unentschieden.
Mit ausgeglichenem Punktekonto wurde nach New Orleans übergesiedelt, um nach einer weiteren Wettkampfpause von gut zwei Wochen den Rest des Duells zu absolvieren. In der zweiten Hälfte dieses Kampfes der Titanen war Wilhelm Steinitz nicht zu stoppen und es gelangen ihm bei nur einer Niederlage und vier Remis sechs Siege, die am Ende den 10 zu 5 Wettkampfsieg und damit den Titel eines ersten offiziellen Schachweltmeisters bedeuteten.
Minckwitz hatte nicht nur sein Wettkampfbuch mit großem Einsatz zur schnellen Veröffentlichung geführt, sondern auch ein wirklich gutes Werk geschaffen. Die Ausführlichkeit der Partienkommentare und die Beschreibung vieler kleiner Begebenheiten - auch abseits des Brettes - machen seine Publikation zeitlos interessant und lesenswert.
Darum sei an dieser Stelle noch mal dem Herausgeber Jens Erik Rudolph gedankt, der durch sein Engagement immer wieder erreicht, dass so wichtige Schachbücher wie das eben kurz vorgestellte, nicht in Vergessenheit geraten.
Die traditionell hervorragende optische Aufmachung der "Schachklassiker" mit vielen Diagrammen und der erhaltenen Authentizität - außer offensichtlichen Druckfehlern wird in der Regel gegenüber dem Orginaltext nichts verändert - machen die Beschäftigung mit Schachgeschichte zusätzlich zu einem wahren Vergnügen.
Fazit: Jeder der sich näher mit den im wahrsten Sinne des Wortes "Klassikern des Schachspiels" beschäftigen will, ist bei der ständig fortgeführten Reihe von Jens Erik Rudolph bestens aufgehoben!