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Wer Biografisches erwartet, Anekdoten aus den Kindertagen etwa, wird enttäuscht werden. Es ist nichts Glückliches, was Gerhard Schröder über die Zeit im "Behelfsheim" in Bexten zu sagen hat, wo er mit seiner Mutter, seinen Geschwistern und seinem Stiefvater lebte. Die Distanz, die sich hier aufbaute, wurde mit der Zeit nicht kleiner -- so wählten eine Schwester und die Mutter später sogar die Grünen! Eine Tatsache, die Schröder offensichtlich sehr getroffen hat.
Im Folgenden geht es nur noch um Politik, beziehungsweise um Schröder in der Politik. Denkt man an die Ausfälle des Noch-Kanzlers in der "Elefantenrunde" nach den vorgezogenen Wahlen 2005, geht es in Entscheidungen vergleichsweise harmlos zu.
Positiv äußert sich Schröder zu einigen politischen Weggefährten oder Wegbereitern. Willy Brandt wird hervorgehoben, aber auch Hans-Jochen Vogel. Zeitweilig in einem schwierigen Verhältnis zu ihm stehend -- etwa als Schröder Lafontaine zum Parteivorsitzenden machen will --, äußert sich Schröder doch sehr respektvoll über Vogel. Das gilt in besonderem Maße auch für Erhard Eppler: Überaus integer und visionär sei dieser Vordenker der SPD. An Wladimir Putin beeindrucken Schröder am meisten seine Bescheidenheit und seine Fitness. Gut sei das für einen Politiker, der eines der schwersten Ämter habe, die auf der Welt zu vergeben seien.
Und die Gegner? Ja, es gibt Spitzen gegen die Presse, mit der sich Schröder ja eigentlich nicht so schlecht verstand während seiner Amtszeiten. Ja, Schröder schreibt auch gegen die Gewerkschaften. So habe der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel indirekt zum Sturz von Schröder aufgerufen. Ja, der Rekurs auf die Fehler der Vorgängerregierung fehlt nicht -- aber auch nicht die Selbstkritik! So schreibt Schröder, dass der demografische Wandel nicht ausreichend berücksichtigt worden sei, man den Slogan von Sozialminister Norbert Blüm "Die Rente ist sicher" noch übertrumpfen wollte. Und so geht es -- ein Wunder? -- in Entscheidungen auch um Fehlentscheidungen.
Viel Platz nehmen die Darstellungen zum Kosovokrieg und der deutschen Beteiligung sowie zum Irakkrieg und der deutschen Nichtbeteiligung ein. Auch die Premieren eines deutschen Kanzlers bei den Feierlichkeiten zu den 60. Jahrestagen der Alliiertenlandung in der Normandie und zum 8./9. Mai in Moskau finden gebührende Erwähnung.
Entscheidungen ist sicher kein sensationelles Buch. Es wird vermutlich auch nicht die Anwälte beschäftigen. Vielmehr ist es eine bewusst, vielleicht auch bemüht moderate Darstellung eines politischen Lebens. Das ist aber angesichts vergleichbarer (Selbst-)Deutungen einiger Kollegen sicher nicht das Schlechteste, sondern wirkt im Gegenteil fast wohltuend. Und so sind diese Memoiren zumindest in Bezug auf den tatsächlichen oder vermeintlichen Selbstdarsteller Schröder dann doch eine kleine Sensation. --Mathias Voigt, Literaturtest
Frei heraus ohne staatsmännische Diplomatie: In seiner politischen Autobiografie - Schwerpunkt: die Regierungsjahre - offenbart Gerhard Schröder seine Sicht, seine Wahrheit, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
»Ich habe alles selber gemacht, mir hat keiner was geschenkt«, sagt Gerhard Schröder. Er hat seine Chancen genutzt: Aus bescheidenen Verhältnissen arbeitete er sich über Lehre und zweiten Bildungsweg bis ins höchste Regierungsamt vor. Als Kanzler riskierte er die Vertrauensfrage, um deutsche Soldaten zu einer Friedensmission ins Ausland zu schicken - und erntete damit höchste Anerkennung für sein Land. Überzeugt trotzte er später George W. Bush in der Irak-Frage. Um Deutschland fit zu machen für die globalisierte Welt, vollzog er die Abkehr von der bequemen Ideologie, der Staat sei für alles und jeden verantwortlich. »Entscheidungen« ist ein kämpferisches Resümee, das mit Kritik - auch Selbstkritik - nicht sparsam umgeht, und zugleich ist es das politische Vermächtnis eines entschlossenen Kämpfers für soziale Gerechtigkeit und ein geeintes, selbstbewusstes, friedliches Europa.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Da haette mehr kommen muessen!,
Rezension bezieht sich auf: Entscheidungen. 2 CDs: Mein Leben in der Politik (Audio CD)
Wer, wie ich gespannt gewartet hat und schon vorbestellt hatte, der wird sehr schnell von dem Hoerbuch enttaeuscht sein. Allerdings kommt das auch sehr auf die Erwartungshaltung an. Moechte ich wissen, dass Schroeders Tochter mit dem franzoesischen Praesidenten telefoniert, so empfehle ich zum Kauf. Will ich aber die spannenden Sachen lesen bzw. hoeren, so ist da nicht viel. Kein einziges Wort ueber Lafontaine, keine Machtkaempfe um die '98er Kanzlerkandidatur, kein Rudolf Scharping. Viel ist aus der Kindheit zuhoeren. Aber die Beschreibung seines direkten Aufstieges in der Partei fehlt. Es wird beschrieben: "1962 trat ich in die SPD ein und bis 1980 war ich dann Juso-Vorsitzender". Das "warum, wieso, weshalb" und wie alles kam, wie er sich hochgekaempft hat fehlt alles. Ich ueberlege, ob ich mir das Buch noch bestellen soll, um mein Wissbegieren zustillen.Was ich sehr komische finde, ist, dass es bei Amazon.de auch nur die gekuerzte Fassung von 127min gibt. Man findet nach ein bisschen googlen CDs mit 150min. Ob da in 23min allerdings alles spannende abgehandelt wird, bleibt fragwuerdig. Naja, ein 544 Seiten Buch kann eine 2std CD wohl eh nicht ersetzen. + Punkt: G. Schroeder ließt es selbst vor!!!! Fazit: Wer einen groben Ueberblick ueber die letzten 7 Jahren haben will, soll sich das ruhig bestellen. Wer aber einen Blick hinter die Kulissen will, der kommt mit dem Hoerbuch nicht auf seine Kosten :-( . Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verständnis ...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Entscheidungen: Mein Leben in der Politik (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir das Buch kurz nach Veröffentlichung gekauft. Nun stand es doch einige Zeit im Regal - die Politikverdrossenheit hatte auch mich erreicht. Aber vor ein paar Tagen habe ich das Buch dann doch in die Hand genommen und wurde sehr positiv überrascht!Wer eine Biografie über Schröders Vergangenheit, Geschichten aus der Kindheit, sein Weg in die Politik erwartet, der wird enttäuscht. Diese Themen werden relativ kurz angeschnitten. Aber der Titel des Buches deutet schon darauf hin, dass es Schröder um die Zeit seiner Kanzlerschaft geht: "Entscheidungen". Viele Politiker erhalten die Anerkennung für Leistungen erst viele Jahre später. Ich denke, dass auch Gerhard Schröder und die rot-grüne Regierung letztlich nicht mehr die Früchte ihrer Politik ernten konnten. Keiner wird bestreiten, dass in Deutschland nach 16 Jahren Kohl-Herrschaft, nach der Wiedervereinigung und der dadurch entstandenen Öffnung nach Osten, ein Politikwandel notwendig war. Die Renten waren eben nicht mehr sicher, es gab keine blühenden Landschaften und Deutschland hatte durch die Wiedervereinigung seinen Sonderstatus verloren. Es mag bitter sein, dass ausgerechnet eine rot-grüne Regierung so viele einschneidende Reformen auf den Weg bringen mußte, dass sie ein Mandat für einen Einsatz im Kosovo, in Afganisthan zu verantworten hatte. Wer sich das Buch durchliest, der wird viele dieser Entscheidungen besser nachvollziehen können. Schröder gibt am Ende dieses Buches zu, dass er es versäumte, seine Partei rechtzeitig auf den von ihm verordneten Wechsel in der Sozialpolitik mitzunehmen, sie von dessen Notwendigkeit zu überzeugen. Sozialdemokraten haben andere Traditionen und Denkstrukturen. Viele Genossen empfanden diese Reform als "Putsch von oben". Die Folge ist immer noch die anhaltene Krise der SPD. Aber ohne die AGENDA 2010 würden wir heute wohl nicht so einigermaßen gut da stehen, ohne dass ich damit ausdrücken will, dass die Agenda 2010 nur positiv zu bewerten ist. Auch die Irak-Frage ist ein großes Thema in diesem Buch und auch sehr spannend geschildert. Das wir nicht an einen IRAK-Krieg teilgenommen haben, ist sicherlich ein großer Verdienst von Schröder und lag auch an den guten Beziehungen zu Frankreich und letztlich auch zu Russland Was mir an Schröders Buch sehr gut gefällt, ist sein Bekenntnis zu Europa, seine freundschaftliche, aber durchaus auch kritische Haltung zur USA und zu Rußland. Unser Rußlandbild ist, geprägt von den Jahren des Kalten Krieges, eher negativ. In der Beziehung hat Schröder sehr viel Aufbauarbeit geleistet. Bill Clinton hat dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt und 1998 angeregt, "die besonderen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland als Fundament für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zu nutzen und auszubauen." Mutig von Schröder auch seine Ansichten über die Verquickung von Religion und Politik, gerade auch in den USA. So beschreibt er, dass US-Präsident Bush oft durchblicken ließ, wie "gottesfürchtig" er ist und sich im Einklang mit dieser für ihn höchsten Instanz verstand. "Wer politische Entscheidungen aber so legitimiert, kann nicht zulassen, dass diese durch Kritik oder Gedankenaustausch mit anderen verändert oder auch nur relativiert wird. Ließe er das nämlich zu, verstieße er gegen einen Auftrag Gottes, den er im Gebet erhalten hat." Und weiter "Wir kritisieren zu Recht, dass in den meisten islamischen Staaten die Bedeutung der Religion für die Gesellschaft und der weltliche Charakter der Rechtsordnung nicht deutlich voneinander zu unterscheiden sind. Doch nehmen wir nicht so bereitwillig zur Kenntnis, dass es in den USA bei den christlichen Fundamentalisten und ihrer Bibelauslegung ähnliche Tendenzen gibt ... " Für mich interssant war auch die Schilderung der Trennung von Lafontaine. Schröder spricht in diesem Buch mit Hochachtung und Respekt von Lafontaine und sah auch seine Rolle innerhalb der Partei ziemlich klar: "Lafontaine war der unangefochtene Star der Partei. Ich dagegen galt als zu pragmatischer und machtbewußter Mensch, der die Seele der Partei nicht wirklich wärmen konnte. Diese Rolle war Lafontaine zugefallen und er hatte sie brillant ausgefüllt." Und weiter "... Bis heute halte ich an meiner Einschätzung fest, nie wieder einen so begabten politischen Menschen kennengelernt zu haben". Die Gründe für den Bruch wird Lafontaine anders bewerten, als Schröder. Aber interessant fand ich Schröders Einschätzung, dass Lafontaine alle seine guten Eigenschaften vor allem dann zur Verfügung standen, wenn er sich in der Opposition befand. Wenn man Lafontaine bei den "Linken" erlebt, kann man Schröders Gedanken durchaus nachvollziehen. Viele Politiker sind ja brillant in der Opposition, während Regierungsverantwortung sie dann regelrecht lähmt! Ich denke, Schröder wollte mit diesem Buch vor allem seine 7 Jahre Kanzlerschaft dem Leser näher zu bringen. Er hat verständlich geschrieben, seine Sicht der Dinge dargestellt und natürlich versucht, seine Entscheidungen zu begründen und auch zu verteidigen. Man muss kein Fan von Schröder sein, um diese Leistung auch anzuerkennen. Man wird ihn auch nicht nach diesem Buch unbedingt lieben, aber vielleicht doch noch mehr Respekt entgegenbringen. Er ist mit vollem Herzen Sozialdemokrat, aber eben kein emotionaler, sondern ein "kopfdenkender Genosse". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Der Pfau betritt den leeren Saal,
Von Paul Hemaro (Frankfurt a.M.) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Entscheidungen: Mein Leben in der Politik (Gebundene Ausgabe)
Da ist Gerhard Schröder gut zwei Wochen wieder in der Öffentlichkeit zu sehen, und schon haben viele schon wieder genug von ihm und seiner selbstgefälligen Art. Die "Elefantenrunde" ist vielen, und auch mir, immer noch sehr präsent. Peinlicher ging es wirklich nicht. Ich hatte Schröder bis zu diesem Zeitpunkt durchaus geschätzt und ihm, wie auch 2002, meine Stimme gegeben. An diesem Abend ist dieser positive Eindruck des Kanzlers gänzlich verflogen. Und nun erfreut uns Herr Schröder nur ein Jahr nach seinem Ausscheiden mit seiner Biographie. Ich habe mir diese sogleich gekauft und mit Spannung gelesen. Viele seiner Ansichten teile ich immer noch, jedoch sehe ich vieles nicht mehr als positive Charakterzüge Schröders, sondern als opportunistisches Kalkül! Mit seinen Reformen wollte er offensichtlich in die Geschichte eingehen, mit dem "Nein" zum Irakkrieg (eine völlig richtige Entscheidung!) wahrscheinlich auch. Schröder kommt seit diesem "suboptimalen" Abend einfach nur noch lächerlich rüber. Sein Buch ist bestimmt durch "ICH, ICH und, lassen Sie mich kurz überliegen, ach ja, ICH". Lesen brauchen Sie es gewiss nicht. Sie nehmen seine Ausführungen und Herrn Schröder selbst , so glaube ich,ohnehin nicht mehr ernst. Bestätigt fühlte ich mich auch bei seinem Auftritt in der Talkshow "Beckmann". Anstatt zu sagen, dass er sich an diesem besagten Abend aus ihm inzwischen auch unerklärlichen Gründen so daneben benommen hat, es ihm auf einer Weise Leid tue, rechtfertigt er sich und läßt auch in diesem, wie in so vielen Fällen, keinerlei Kritik zu. Herr Schröder, als Wirtschaftsanwalt sind sie wahrlich besser aufgehoben. Als Anwalt der Menschen haben Sie ihren bis zum Wahlabend positiven Eindruck leider nachhaltig "versaut".
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