Wieder einmal war mir die Glücksfee hold. Ich hatte mich für das Vorableseexemplar eines Thrillers, der am 12. März 2010 im deutschen Buchhandel erscheint, beworben und wurde aus dem Lostopf gezogen. Zwei Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart hielt ich das Buch endlich in den Händen.
==="Entrissen" von Tania Carver===
Über die Autorin konnte ich bis dato nur in Erfahrung bringen, dass Entrissen ihr Thrillerdebüt ist und sie mit Mann und zwei Kindern in Südengland lebt.
===Grauenvolle Verbrechen===
Sie wohnte in einer Gegend, in der man Gewaltverbrechen maximal aus Kriminalromanen kennt. Und doch liegt ihre beste Freundin jetzt mit aufgeschlitzter Kehle in ihrem Flur, sie selbst gefesselt. tot, aufgeschnitten und dessen beraubt, um das sich in Kürze eigentlich ihr ganzes Leben drehen sollte.
Die Kriminalisten sind ratlos. Wer tut so etwas und vor allem warum? Ist es möglich, dass das Baby, welches seiner Mutter so grausam aus dem Leib geschnitten wurde, noch lebt? Gibt es einen Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von zwei anderen schwangeren Frauen? Und was hat die ebenfalls schwangere Profilerin Marina Esposito, die mit ihrer zukünftigen Mutterschaft noch einige Probleme zu haben scheint, mit der Sache zu tun?
===Gelungenes Thrillerdebüt?===
Nun war ich gespannt wir ein Flitzebogen. Die im Vorfeld veröffentlichte Leseprobe hatte ich jedenfalls regelrecht verschlungen und ich konnte kaum erwarten, zu erfahren wie es weiter geht, mit diesem Alptraum für werdende Mütter. So war es nicht verwunderlich, dass ich noch am Empfangstag begann, das Buch zu lesen.
Mit dem grauenvollen Mord an der schwangeren Claire Fielding und ihrer Freundin Julie wirft die Autorin den Leser erst einmal brutal ins Geschehen hinein. Danach nutzt sie verschiedene Handlungsstränge um den Plot voran zu treiben. Diese sind dann weniger an Orte, als an die Akteure gebunden. Ich lerne die Protagonisten kennen und bekomme pö a pö ein Bild über deren Gedanken, Sorgen und Ängste vermittelt. Trotzdem kann ich mir durch immer wieder geschickt eingeflochtene Beschreibungen der jeweiligen Umgebung diese in der jeweiligen Situation bildhaft vorstellen.
Inspector Phil Brennan leitet die Ermittlungen. Er wird von seinem Team unterstützt, zu dem unter anderem Constable Anni Hepburn und der überaus ehrgeizige Sergeant Clayton Thompson gehören. Ben Fenwick, der rechthaberische Vorgesetzte von Phil, weiß dass dieser Mord von Presse und Volk als aufsehenerregend wahrgenommen wird und möchte der Welt gern schnell einen Verdächtigen präsentieren. So zieht er zwar die Profilerin Marina Esposito auf Geheiß von ganz oben hinzu, gibt aber auf ihre Ausführungen gar nichts und bringt durch seine Anweisung, sich auf einen bestimmten Verdächtigen zu konzentrieren das Team unnötig in Gefahr.
Aber auch der Mörder und seine merkwürdige Frau Hester kommen von Anfang an mit zu Wort. Mit einer fast morbiden Faszination verfolgte ich deren Ausführungen. Hin und wieder stöhnte ich auch mit einem "Um Gottes Willen" auf. Jedenfalls weiß ich als Leser ziemlich sicher, dass der von Fenwick favoritisierte Verdächtige eigentlich nicht der gesuchte Täter sein kann, merke aber auch sehr schnell, dass dieser und seine Freundin trotzdem Dreck am Stecken haben. Auch dass der ehrgeizige Clayton Thomas nicht ganz koscher ist, verrät die Autorin sehr zeitig. Trotzdem lässt sie in den einzelnen kurz gehaltenen Kapiteln jeweils gerade so viel an Informationen durchsickern, dass die Handlung voran schreitet, der Leser dringend wissen möchte, wie es weiter geht und sich daraus diverse Vermutungen kristallisieren.
Obwohl die Autorin die Gewalttaten schonungslos in ihrer ganzen Brutalität schildert, gelingt es ihr, nie in die Fäkalsprache abzugleiten. Der Thriller lässt sich dadurch flüssig lesen. Die wohldurchdachte Ausdrucksweise, teils bildhaft, teils sachlich, verstärkt dabei das beim Leser ankommende Grauen. Die Arbeit der Ermittler wird klar und glaubhaft beschrieben, die Konzentration liegt auf dem Wesentlichen und die unterschwellige Beziehungskiste von Phil und Marina lockert das Ganze ein wenig auf, macht sie menschlich, sympathisch.
Als es dann zum Showdown kam, war ich fast ein bisschen enttäuscht, dass meine Vermutungen fast alle eintrafen. Doch dieses Gefühl dauerte nur kurz an, denn die Autorin setzte einen drauf und wartete noch mit einer Überraschung auf.
Wie ich oben schon mal erwähnte, ahnte ich ja durch die Leseprobe bereits, was mich in dem Buch erwartet. So wusste ich auch, dass es um ein Thema geht, dem sich andere Thriller-Autorinnen, wie z. B. Kate Pepper oder die von mir sehr geschätzte Tess Gerritsen, schon mal angenommen hatten. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nach dem Lesen sagen kann, dass es sich hier nicht um einen billigen Abklatsch handelt, sondern dass die Autorin hier - bis auf kleine Sachen, die mir am Ende noch unklar waren - einen wirklich gelungenen Erstling geschaffen hat. Sollte die Dame je einen weiteren Thriller veröffentlichen, hat sie sich mit "Entrissen" bei mir eine Empfehlung erarbeitet. Das Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. An Thrillerfans kann ich in jedem Fall eine Empfehlung geben. Nur werdende Mamas sollten vielleicht die Finger davon lassen.