Aufbruch ins Unbekannte (Pilotfilm) Enterprise, die fünfte Realfilm-Serie aus dem Universum von Star Trek, ist zweifellos das mutigste Projekt seit The Next Generation. Hier reisen wir zurück in die Zukunft -- 100 Jahre vor Captain Kirk -- zur allerersten Reise eines Raumschiffs, das den Namen Enterprise trägt. Die Idee -- nachdem sie endlich bekannt gemacht wurde -- sorgte für erhebliche Aufregung unter Fans und Kritikern zugleich. Würden die Kostüme und die Sets wie im Original aus den Sechzigern in den Primärfarben daherkommen? Würde das Raumschiff total vorsintflutlich und irgendwie selbst gebastelt aussehen? Würden die Klingonen aussehen wie Fu Manchu mit Schuhkrem-Maske?
Nein, nein und nochmals nein war die offizielle Antwort; und gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass Scott Bakula den Platz in Captain Archers quietschendem neuen Stuhl einnehmen würde. Begleitet wird er auf seinem neuen Schiff von seinem niedlichen Hund Porthos; einer feindseligen Vulkanierin (Jolene Blalock), die die obligatorische Rolle der Pinup-Puppe übernimmt; sowie einem außerirdischen Doktor mit mysteriöser Herkunft. Nach vielen fieberhaften Spekulationen von Trekkies vor der Produktion kam der ultimative Test der Show mit dem Debüt der über 10 Millionen Dollar teuren Pilot-Episode "Broken Bow" im September 2001 in den USA und im Januar 2002 in Großbritannien.
Die Einschaltquoten erklärten den Film zum Riesenerfolg. Eine Handlung, bei der es unter anderem um das Babysitten eines Klingonen geht, versprach viele interessante Entwicklungen für künftige Folgen. Noch weitaus beeindruckender waren jedoch die kleinen Details. James Cromwell wiederholt seine Rolle als Dr. Zephram Cochran aus First Contact; es gibt Mobiltelefone mit aufklappbarem Deckel, und im Hintergrund lauert ein geheimnisvoller Bösewicht aus der Zukunft. Es ist auch der erste Star Trek für das Fernsehen im Breitbandformat, was die Retro-Setgestaltung sehr gefällig fürs Auge macht. Vor allem aber ist die offenkundige Kameradschaft unter den Mitgliedern der großen Crew hervorzuheben, ohne die weder Archer noch wir je erfahren hätten, wie "Halt's Maul!" auf Klingonisch heißt. --Paul Tonks
Enterprise 1.2 - Freund oder Feind/Geistergeschichten
Die fünfte Serie, die im Universum von Star Trek spielt, führt den Zuschauer in die Zeit vor Captain Kirk und Mr. Spock. Rund 100 Jahre, bevor Kirks NCC 1701 in die unendlichen Weiten aufbricht, macht sich Captain Jonathan Archer mit seiner Enterprise NX-01 daran, den Weg für einen interstellaren Völkerbund erst zu ebnen. Mit einer Crew, die sich ohne eine Förderation im Rücken dem Unbekannten stellen muss, fliegt diese Enterprise durch eine Zeit, in der das Beamen nicht immer so richtig funktionieren mag und der Weltraum noch ziemlich groß ist.
"Freund oder Feind":
Die Enterprise trifft auf ein treibendes Schiff, auf dem alle Besatzungsmitglieder ermordet wurden. Entgegen anders lautender Ratschläge entschließt sich Captain Archer dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Während die Besatzung der Enterprise das fremde Schiff und die Leichen untersucht, kommt es, wie es kommen muss: Der Täter kehrt zum Tatort zurück -- und die Enterprise ist dem Neuankömmling hoffnungslos unterlegen. Direkt mit der ersten regulären Episode machen die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga deutlich, dass sie mit ihrer Schöpfung neue Wege im eigentlich altbekannten Star-Trek-Universum beschreiten wollen. Man stelle es sich vor: In den ersten Minuten trifft die Enterprise auf das treibende Schiff, und es nimmt ein gutes Drittel der Episode in Anspruch, ehe die Crew sich in Raumanzüge gehüllt, ein Shuttle bestiegen und einen Eingang gefunden hat, um überhaupt erst dann die toten Außerirdischen zu finden! Nix mit Transporter und "Geordi, mach mal Licht und Heizung an." "Jawohl, Captain. Erledigt!". Daumen hoch für diese neue Dynamik -- die Serie scheint eine gute zu werden!
"Geistergeschichten":
Die Enterprise fliegt einen erdähnlichen Planeten an, der scheinbar kein humanoides Leben aufweist. Als einige Besatzungsmitglieder durch einen Sturm gezwungen werden, sich in Höhlen zurückzuziehen, tauchen jedoch immer mehr Hinweise auf getarnte Humanoide auf. Die Situation droht zu eskalieren, als eine Verbindung zwischen den Unbekannten und der einzigen Vulkanierin an Bord offenbar wird. Die schwächere der beiden Episoden auf dieser Kassette ist keine schlechte. Wie in neuen Serien üblich, steht in den ersten Folgen zwangsläufig eine genauere Charaktersierung einzelner Crewmitglieder im Vordergrund, in diesem Fall Chefingenieur Charlie Tucker und der vulkanischen Wissenschaftsoffizierin T'Pol. Deren Verhältnis zueinander erinnert bereits in Grundzügen an die Wortgefechte zwischen Mr. Spock und Dr. McCoy aus der originalen Star-Trek-Serie und erlebt in dieser spannenden Episode eine dramatische Vertiefung. --Mike Hillenbrand
Enterprise 1.3 - In guter Hoffnung/Terra Nova
"In guter Hoffnung":
Die Crew der Enterprise entdeckt ein beschädigtes Schiff und bietet ihre Hilfe an. Chefingenieur Charles Tucker geht an Bord, wo er sich mit einem weiblichen Besatzungsmitglied anfreundet, die ihm die Technik und die Rituale ihres Volkes zeigt, während er den beschädigten Antrieb repariert. Zurück an Bord der Enterprise wachsen Tucker plötzlich Nippel und Schiffsarzt Dr. Phlox diagnostiziert etwas ziemlich einmaliges: Der Chefingenieur ist schwanger -- und das Schiff der Fremden schon lange fort. Mit "In guter Hoffnung" versucht sich die fünfte Serie von Star Trek in Sachen Humor und liefert eine in dieser Hinsicht bemerkenswert gelungene Episode ab. Neben einer originellen Grundidee tun die Dialoge ihr Übriges, um den Zuschauer auf amüsante Art und Weise zu unterhalten. Heimlicher Höhepunkt dürfte die Szene auf der Krankenstation sein, nachdem Dr. Phlox die Schwangerschaft diagnostiziert hat und Wissenschaftsoffizier T'Pol auf trockenste vulkanische Weise dem immer sehr charmanten Tucker mißbilligend an den Kopf wirft: "Drei Tage. Sie waren nur drei Tage dort und konnten sich nicht zurückhalten!"
"Terra Nova":
Schon vor dem Start der Enterprise NX-01 war die Menschheit im All: Neben einigen Frachtern und anderen Schiffen existierte auch ein Kolonisierungsprojekt auf einem weit entfernten Planeten, genannt Terra Nova, zu dem jedoch schon bald der Kontakt abbrach. Nun macht sich viele Jahre später die schnelle Enterprise auf den Weg, das Rätsel von "Terra Nova" zu lösen und stößt auf Außerirdische, die unter der Oberfläche des Planeten wohnen und in den Neuankömmlingen nur eines sehen: Feinde! "Terra Nova" beschert dem Zuschauer die erste Episode der Serie Enterprise, die so sehr Star Trek ist, dass sie gewissermaßen austauschbar wäre: Ob The Next Generation, Deep Space Nine oder Raumschiff Voyager -- das Rätsel um "Terra Nova" hätte überall gleich gut funktioniert, was vielleicht auch der Regiearbeit LeVar Burtons -- dem Geordi LaForge aus The Next Generation -- zu verdanken ist. Wichtig für die Serie Enterprise ist noch zu vermerken, dass einige Charakterdetails über den Navigator des Schiffes, Lt. Travis Mayweather die durchaus spannende Story abrunden. --Mike Hillenbrand