IT-Projekte befassen sich heute sehr oft damit, einen Geschäftsprozess neu zu implementieren. Dabei werden im Regelfall zehn oder mehr Anwendungen berührt. Die meisten großen Unternehmen arbeiten heute jedoch mit Softwareentwicklungsmethoden, die davon ausgehen, dass lediglich ein Anwendungssystemen neu erstellt werden muss. Diese Frameworks nennen sich sehr häufig Software Development Lifecycle oder ähnlich. Sie schaffen einen Ordnungsrahmen für Analyse, Design, Implementierung, Test, Inbetriebnahme. Es wird jedoch nur selten detailliert, welche Arten von Modellen benötigt werden, um zum Beispiel ein Projekt zu realisieren, das von der Neugestaltung von Geschäftsprozessen ausgeht.
Hier liegt der Verdienst dieses Buches. Es wird einen Ordnungsrahmen aufgezeigt, mit dem man Projekte, die den Gegenstand haben, Geschäftsprozesse neu zu implementieren, gut ordnen kann. Oberste Begriffe sind dabei die Modellierung des Geschäftsprozesses von der Analyse bis zur Implementierung und ebenso das selbe für die IT auf der Basis von SOA. Jedes der beiden Teilgebiete wird nochmal in fünf Teile aufgeteilt. Im Fall von Geschäftsprozessen sind dies Prozessmodellierung, Prozessorganisation und Rollen, User-Task-Management, Geschäftsregeln und quantitative Prozessanalyse. Für jedes solche Gebiet wird dann über den Lebenszyklus eines Projektes diskutiert, mit welchen Methoden und Modellen man im Projekt arbeiten kann.
Es dürfte klar sein, dass auf diese Weise ein sehr sehr umfangreiches Werk entstehen würde, wenn man die komplette Entwicklungsmethode auch nur einer großen Firma beschreiben würde. Das Buch muss natürlich so geschrieben sein, dass es auf die Spezifika einer einzelnen Firma wenig Rücksicht nimmt. Vielmehr würde es einem Methodendesigner die Checkliste an die Hand geben, anhand deren er das Entwicklungsframework für seine Firma beschreiben kann.
Das Buch hat also eine ziemlich hohe Flughöhe - die muss es auch haben, wenn es noch allgemein gültig sein soll.
Nutzern pro Zielgruppe:
Anfänger: werden mit dem Buch wenig anfangen können. Um das Buch zu lesen, sollte man einen soliden Hintergrund in der Entwicklung großer Unternehmensanwendungen haben. Man benötigt einen erheblichen Hintergrund in Methoden der Softwareentwicklung und im Buch folgen zu können.
Projektleiter von Prozess-Entwicklungsprojekten: werden das Buch als Checkliste schätzen. Einige innovative Aspekte werden hier sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch ist der Ordnungsrahmen für prozesszentrierte Entwicklungsprojekte wirklich innovativ und neuer und ist in dieser Form noch in keinem anderen Buch zu finden gewesen.
Business-Manager: wenn das Buch eher nicht lesen wollen, auch wenn hier viele gute Ideen enthalten sind, wie man zum Beispiel Kanban und andere Konzepte des Lean Managements implementieren könnte, ist die Beschreibungstiefe für Manager auf der Seite des Business wahrscheinlich zu detailliert.
Ein weiterer innovativer Aspekt des Buches war noch, dass konsequent immer wieder Lean Management Konzepte und Kanban als Möglichkeiten erwähnt werden, Prozesse grundlegend innovativ zu gestalten. Insgesamt ist anzumerken, dass das Buch keinen "me too" Buch ist, sondern aus Sicht des Rezensenten wirklich neue Entwicklungen und Dinge beschreibt, die man heute so in der Praxis nicht flächendeckend implementiert findet.
Verbesserungspotenziale gibt es natürlich auch: die Dichte der Abkürzungen im Text teilweise sehr hoch. Im Sinne der Lesbarkeit könnte man einige Dinge etwas weniger kompakt, aber dafür ausführlicher ausformuliert schreiben. Auch setzt das Buch sehr viel an Vorwissen voraus. Wenn man allerdings alles mit Definitionen und ausführlich einführen würde würde das Buch wahrscheinlich gut und gerne auf den doppelten Umfang kommen. Der ist heute schon mit mehr als 400 Seiten nicht gerade klein, allerdings dem Umfang der Aufgaben angemessen.