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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Overkill, 17. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Enter The Void (Limited Edition) (inkl. DVD) [Blu-ray] (Blu-ray)
"Enter the void", Gaspar Noés dritter Film, ist eine dreistündige cinematografische Grenzerfahrung. Ich kann sagen, dass ich es nicht bereue, den Film gesehen zu haben. Wer sich für ungewöhnliche Wege und künstlerisch eigenständige Formsprachen interessiert, wer auf der Suche nach Nie-Zuvor-Gesehenem ist, wer sich von ungewöhnlichen Kamerafahrten gern überraschen lässt und eine Ader für das Experimentelle besitzt - der ist quasi dazu verpflichtet, sich "Enter the void" anzusehen. Aber ist es auch ein guter Film? Ich bin da unschlüssig. Die Helden der Geschichte sind Oscar und Linda, zwei twentysomethings, die es als Waisen nach Tokio verschlagen hat. Nach dem Unfalltot der Eltern haben sie sich ewige Geschwister-Treue geschworen. Oscar ist drogenabhängig und dealt in der Tokioter Klubszene. Linda ist Striptänzerin. Bei einem Drogendeal wird Oscar hochgenommen. Auf der Flucht vor der Polizei wird er erschossen. Ab diesem Zeitpunkt folgen wir seinem Geist, der Linda weiterhin begleitet - und der auf der Suche nach einem Tor für seine Wiedergeburt ist. Auf visueller und akkustischer Ebene ist "Enter the void" phantastisch, bewusstseinserweiternd, bisweilen magisch. Sie werden Dinge sehen, die Sie noch nie gesehen haben. Bis zu seinem Tod folgen wir Oscar per Handkamera auf derart intensive Weise, dass wir uns tatsächlich mit ihm in den Straßenschluchten des nächtlichen Molochs Tokio wähnen. Und wenn er zum Geist geworden ist, geht es gemeinsam mit ihm buchstäblich durch die Wand. Grandios! Leider hapert es bei der Geschichte. Vielleicht liegt es ja auch an mir. Aber ich habe bisher noch keine überzeugende Auseinandersetzung eines westlichen Regisseurs mit Buddhismus und Reinkarnation gesehen. Es wirkt jedesmal so, als ob ein minderjähriger Konfirmand sich Sonntags auf die Kanzel stellt, um zu predigen. Ich kaufe es einfach nicht. Das ging mir bei "The fountain" so. Und das wiederholt sich nun bei "Enter the void". Es ist unterkomplex. Es wirkt angelesen. Auf dem Weg zu seinem gewaltsamen Tod erzählt Oscars Freund Alex ihm vom Tibetischen Totenbuch. Hören Sie sich diese Sentenz an - dann haben Sie den Plot. So wie es hier erzählt wird, werden wir es mit Oscars Geist nacherleben. Ungelogen - ich habe eine Stunde vor dem Ende des Films gewusst, wie die Auflösung sein wird. Was hier wohl als unvorherzusehender Endtwist gedacht war, kommt ungefähr so überraschend, wie ein sich langsam nähernder Kohlezug. Lesen Sie sich den Wikipedia-Eintrag zum Tibetischen Totenbuch durch - voila, ce sa. Wer einen wirklich vielschichtigen Film über die fernöstliche Geisterwelt sehen möchte, dem empfehle ich "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben". Hinzu kommt erstens, dass der Film bei aller optischen Raffinesse, all der genialen Kameraarbeit und all den überzeugenden Darstellern einfach zu lang ist. Mindestens eine halbe Stunde könnte hier weggekürzt werden. Es täte der Sache gut. Zweitens begann mich nach einiger Zeit Gaspar Noés Hang zum Draufhalten zu nerven. Der Regisseur ist leider kein Freund vornehmer Zurückhaltung. Aufprallunfälle, ein frisch abgetriebener Fötus in einer Blechschale? Krass, da halten wir voll drauf! Leute haben Sex? Yeah, das schauen wir uns mal näher an! Paz de la Huerta ist eine schöne Frau und gute Schauspielerin. Nach drei Stunden kennen wir ihre Linda in- wie auswendig sehr gut. Ihren Geburtskanal eingeschlossen. Zum Ende des Films kippt dieser Hang zur Hardcore-Ästhetik ins unfreiwillig Komische. Eins noch: ich bezweifle ernstlich, dass dieser Film auf einem kleinen Bildschirm auch nur annähernd die visuelle Wirkung entfalten kann, die es rechtfertigt, sich diese krude Geschichte anzuschauen. Wer zuhause keinen Beamer, keine gute Soundanlage und keine große, weiße Wand in einem gut abzudunkelnden Raum besitzt, der wird mit "Enter the void" keine Freude haben. Dieser Film braucht Fläche, um wirken zu können.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einzigartiger Trip und Film des Jahres 2010..., 2. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Enter The Void (Limited Edition) (inkl. DVD) [Blu-ray] (Blu-ray)
Ich sah den Film in einem der wenigen Kinos, wo er kurze Zeit nach dem Fantasy Film fest lief. Bei einem Film von Gaspar Noé ist jedem Zuschauer klar, das es bestimmt nicht einfach wird, sich auf das "Experiment" einzulassen. Dies trifft auch auf "Enter the void" zu, wenn auch auf eine andere Weise als bei den beiden Vorgängern "Menschenfeind" und "Irreversible". Auch in "Enter the void" nutzt Gaspar Noé das Format Film als Spielwiese um eine schockierende Story zu erzählen. Dieses Mal nimmt er uns mit auf die Reise durch die Nacht (hauptsächlich) erst durch die Augen von Oscar, bis dieser bei einem Polizeieinsatz erschossen wird. Fortan folgen wir Oscar's ruheloser "Seele" (?) durch die Straßen und diverse Wohnungen in Tokyo, während die Story sich auf irrlichternde Weise durch Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit schlängelt. Da Kamera, Licht, Dialoge, Musik und überhaupt jegliche Darstellung total abgedreht in Szene gesetzt ist und die Story ihr übriges dazu tut, ist der Film nicht einfach zu konsumieren und auch nicht gleich zu verstehen. Am besten fand ich es mich einfach darauf einzulassen und lieber nachher über das Gesehene nachzudenken. Wirre Kamerafahrten, flackernde (Strobo-)Lichter, brachiale und plötzlich ausbrechende Gewalt, expliziter Sex, Sprünge in der Handlung...das kennen wir von dem Regisseur und hier hat er es auf die Spitze getrieben...wobei der Film nicht ganz so verstörend ist wie die beiden ersten Werke von Gaspar Noé. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen will sollte sich mal den anderthalbminütigen Trailer auf youtube mit der Eröffnungssequenz (Credits) anschauen...dieser verdeutlicht ganz gut auf was man sich in den zweieinhalb Stunden Film einlässt. 156 Minuten können lang sein ;o) Von den wenigen Leuten im Kino verließen gut ein Drittel die Vorstellung vor dem Ende des Films, ich war bis zum Schluß begeistert. Nicht zuletzt aufgrund des grandiosen Soundtracks, der zum Großteil von COIL, aber auch von Throbbing Gristle und Daft Punk's Thomas Bangalter stammt. An dem Film ist möglicherweise nicht alles perfekt, aber Hut ab vor Gaspar Noé, einer der wenigen (erfolgreichen) Regisseure, der sich wirklich was traut und es schafft, filmische Neuerungen in seine Werke zu bringen!
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein einziger Trip!, 2. Oktober 2010
Aller wahnsinniger, schwieriger und herausfordernder Dinge sind drei, müsste es bei Gaspar Noé heißen. Bei "Enter the Void" perfektioniert er seinen Stil des scheinbar ohne bzw. kaum mit Schnitten auskommenden Films, den er mit einer völlig losgelösten Kamera umsetzt und liefert ein ums andere mal schon formal eine richtige Kraftprobe für jeden Zuschauer, der das Wagnis eingeht, sich sein neues Werk anzuschauen. Konsequent aus der subjektiven Sicht erst der Hauptfigur, dann von dessen freischwebender Seele erzählt, geht es um Oscar, der mit seiner Schwester in Tokio als Drogendealer lebt, während sie als Stripperin ihre Brötchen verdient. Ein vermeintlicher Drogendeal entpuppt sich jedoch als Falle, in deren Verlauf Oscar von der Polizei erschossen wird. Fortan irrt seine Seele durch die Stadt, die Zeit und beobachtet dabei seine Bekannten, scheinbar ziellos. Die Geschichte ist bei "Enter the Void" so ziemlich vollkommen unwichtig, was im Vordergrund steht ist die Porträtierung eines Zustandes, der keiner ist. Dabei lotet Noé nicht nur alle Grenzen des filmischen aus, sondern sprengt diese mitunter und mutet dem Zuschauer dabei teils unerträgliche Sequenzen von heftig flackerndem Licht zu, nur um ihn danach wieder der Kamera in die Hände zu geben, die Kunststücke vollführt, wie sie nicht mal ein Düsenjetflieger zu realisieren wüsste. Und dennoch ist es gerade diese unfassbar gnadenlose Stilistik gepaart mit der transzendentalen Thematik, die zunächst wirklich aufregend ist, denn vergleichbares hat man wohl so noch nie gesehen. Und als ob das noch nicht genug wäre, lässt Noé seine Zuschauer auch noch an die Drogenflashs seines Protagonisten teilhaben und stellt diese als eine Häufung schöner, bunter Illusionen dar und macht somit den audiovisuellen Trip perfekt. Ein erhebliches, ja fast schon dem Film das Genick brechende Problem ist jedoch die Länge. Über zweieinhalb Stunden lang wird man von der puren Surrealität und Verstörung, sowohl formal als auch inhaltlich, torpediert, bis diese anfänglich so wirksamen Elemente fast gänzlich an Bedeutung und Sogkraft verlieren. Die ohnehin schon irgendwie wenig aussagenden und noch weniger erzählenden Bilder und Sequenzen werden zu einer Endlosschleife und somit zu einer wahren Geduldsprobe. Münden tut das alles in der Wiedergeburt Oscars, die man "hautnah" miterlebt. Um nicht zu sagen: So tiefe Einblicke gewährte wohl noch kein Kinofilm zuvor und wer es bis dahin noch nicht getan hat, wird spätestens hier vermutlich komplett vor Noé kapitulieren wollen. Wie schon zuvor gilt, dass man einen Gaspar Noé entweder lieben oder hassen muss und dieses mal fällt es gar nicht so leicht, eine Entscheidung zu treffen. Eine absolut grenzwertige Filmerfahrung ist "Enter the Void" allemal geworden, bei dem schon die Opening Credits verstörender und verrückter sind, als so mancher kompletter Film. Wenn jemals die Bezeichnung eines Films als Trip wie die Faust aufs Auge passte, dann hier.
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