Mit "Ente, Tod und Tulpe" hat Wolf Erlbruch eine Thematik gewählt, die Kindern nicht immer leicht nahe zu bringen ist. Ein erster kleiner Schock oder besser Zurückweichen vor dem dargestellten Tod wird so erst einmal verständlich.
Auch wenn der Tod (eine leicht schmunzelnde Figur mit einem weich gezeichneten Totenkopfschädel)direkt ins Bild gebracht wird, wird er vermutlich nicht direkt Entsetzen, sondern vielmehr Neugierde auslösen.
Was hat es mit dem Tod auf sich? Ist er immer da? Muss man ihn fürchten, lieben oder akzeptieren?
Betroffene vom Tod ist eine Ente, die mit ihm in behutsamen Dialogen ins Gespräch und in Kontakt kommt. Der Tod zeigt ihr, dass er immer in ihrer Nähe ist, für den "Fall". Dieser Fall steht für unterschiedliche Todesursachen und wird in gebührender Weise umschrieben, ohne zu direkt zu wirken oder Angst bei den betrachtenden und lesenden Kindern auszulösen. Die von Wolf Erlbruch verwendeten "Ente-Tod-Dialoge" sind sehr einfühlsam und bringen Kinder mit unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben nach dem Tod in Berührung. So wird auf Engel, Wolken und Hölle bezug genommen und neben den Gefühlen beim Anblick des Todes auch auf die Gedanken eingegangen.
Tod und Ente freunden sich in diesem Buch immer mehr an und schließlich - als die Ente gestorben ist - wird der Tod in persona geradezu traurig.
Der Hintergrund des Bildes wird in einem zarten nachtblau verwandelt, um syo die veränderte Seelenlage zu symbolisieren.
Die Geschichte endet aber nicht mit dem Tod der Ente, sondern wird mit einem Ritual beendet, das ein Konglomerat verschiedener "Bestattungsriten" darstellt.
Der Tod legt die tote Ente behutsam auf einen Fluss, platziert eine dunkle Tulpe auf ihrem Körper und gibt "ihr einen vorsichtigen Schubs. Lange schaute er ihr nach." Konsequenterweise lässt Erlbruch das Ende offen, der Fluss schlängelt sich in die Weite und der Tod bleibt "fasst ein wenig betrübt" zurück.
Dieses Buch ist nicht gerade eine Einstiegslektüre für die Beschäftigung mit der Thematik Tod; aber sie kann nach einigen anderen Büchern hilfreich sein, sich mit Jenseitsvorstellungen und der Trauer der Zurückgelassenen zu befassen. Für Kinder unter 10 Jahren daher nur bedingt geeignet.
Man muss das Buch mehrfach lesen, um es an sich heran zu lassen und wird dann behutsam der "verwelkenden Tulpe nachsehen".
Die einzelnen Bilder sind von einer erfrischenden Konsequenz hinsichtlich des sparsamen Einsatzes von "Requisiten" und in den gedämpften Farben eine Wohltat. Ein wunderbares Erlbruch-Buch, das man - wie das Thema - an sich heran lassen sollte - zur passenden Zeit...