42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Feuerwerk phantastischer Sprach- und Erzählideen, 7. April 2007
Waren schon die über 700 Seiten der "13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" ein einziges Aufgehen in einem überwältigenden Einfallsreichtum, fand das seine Fortsetzung in dieser Geschichte auf der Basis von Hänsel und Gretel. Wer hier allerdings eine aufgewärmte Neufassung des Grimm'schen Märchens erwartet, kennt Walter Moers und seine pfiffigen Ideen nicht! Wie die beiden Protagonisten überhaupt dazu kommen, daß sie sich im Wald verirren, und was ihnen da so alles an völlig schrägen Typen und Wesen - tierisch oder pflanzlich - begegnet, sucht seinesgleichen. (Ich kann mich noch immer zerkugeln über eine Pflanze, die "Gemeiner Weglagerich" heißt.) Darüber hinaus ist nicht nur das Ende überraschend, sondern eigentlich jeder Winkelzug, den die Geschichte nimmt.
Besonders erheiternd sind die Zwischentexte des Hildegunst von Mythenmetz, die große Kenntnis der allgemeinen menschlichen Wesensart erkennen lassen und dem Künstler im besonderen und dem Menschen im allgmeinen einen Spiegel vorhalten.
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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unter Bäumen will ich träumen, 29. August 2007
Ich halte dieses Buch eindeutig für unterschätzt. Sicher, "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" und "Rumo" sind fast dreimal so dick wie dieses mit 250 Seiten für Moerssche Verhältnisse eher "dünne" Büchlein. Aber einem rundum gelungenen Buch letztendlich auf Grund seiner Kürze Bewertungspunkte abzuziehen, das will mir nicht ganz einleuchten.
Und gelungen ist dieses zamonische Märchen wirklich! Leider werden wohl viele Leser, die mit Moers nicht vertraut sind, schon vom Wort "Märchen" abgeschreckt werden, doch in Zamonien versteht man darunter etwas anderes, als wir es tun: "Schreckliche Spannung, Grausame Bosheit, Goldener Humor, Feinste zamonische Hochliteratur", wie der Autor Hildegunst von Mythenmetz sein Werk bewirbt.
Wer hier mit einer müden, mit dem ein oder anderen Fantasywesen angereicherten Nacherzählung von "Hänsel und Gretel" rechnet, könnte falscher nicht liegen. Moers - pardon: Mythenmetz greift zwar viele Elemente des ürsprünglichen grimmschen Märchens auf (Himbeerspur statt Brotkrumen, zwei verirrte Fhernhachenzwergenkinder im großen bösen Wald, die Konfrontation mit einer Hexe, ...) peppt diese Geschichte jedoch mit zahllosen weiteren fantastischen Elementen auf und sorgt fast permanent für unvorhersehbare Wendungen. So geraten die beiden Zwillinge in einen Drogenpilzrausch und ganze Teile der Handlung entpuppen sich als Halluzinationen. Der Leser wird geschickt an der Nase herum geführt und kann sich auch bei der folgenden Handlung nie ganz sicher sein, ob es sich um Wahnvorstellungen oder reales Geschehen handelt. Auch die Hexe, deren Erscheinen der Leser von Anfang an entgegenfiebert, kommt dann in einer Form, die wiedermal völlig überrascht.
Was das wirklich Geniale an diesem zamonischen Märchen ausmacht, ist jedoch eine weitere Erzählebene, die zur Geschichte von Ensel und Krete hinzukommt, diese ständig unterbricht und die Geschichte quasi "anhält": die mythenmetzschen Abschweifungen. An den unmöglichsten und oft auch spannendsten Stellen pausiert der Autor die Geschichte und platzt plötzlich mit Beschreibungen seines Schreibtisches heraus oder übt heftige Kritik am zamonischen Bildungssystem sowie Literaturkritikern. An anderer Stelle weist er wehement auf seine eigene schriftstellerische Raffinesse hin und drangsaliert den Leser, indem er über mehrere Seiten nur das Wort "Brummli" schreibt und dies als willkürliche künstlerische Freiheit deklariert. Die mythenmetzschen Abschweifungen stellen die Geduld des Lesers gewollt auf die Probe, dies jedoch in einer solch humoristischen Art und Weise, dass nie Frust aufkommt sondern das Grinsen im Gesicht des Lesers mit jedem Mal breiter wird. Der Leser wird hier selbst mit eingebunden, direkt angesprochen und vom Autor mit seiner Erwartungshaltung konfrontiert.
Auch das Ende des zamonischen Märchens führt den Leser an der Nase herum. Ich habe das Buch nachdem sich "der Raum mit Magensäften füllte" erst einmal - enttäuscht - aus der Hand gelegt. Dies entpuppt sich jedoch nur als ein weiterer Trick und prompt bekommt der unbefriedigte Leser einfach ein alternatives Happy-End vorgesetzt, womit Mythenmetz das für gewöhnlich tragisch endende zamonische Märchen ganz nebenbei mal wieder revolutioniert.
Abschließend folgt noch eine halbe Biographie von Mythenmetz aus der Feder von Walter Moers, die in köstlicher Weise verschiedene Literaten auf's Korn nimmt und die Literaturparodie, die "Ensel und Krete" letztlich darstellt, perfekt abrundet. Besonders hier erwarten den Leser einige Lacher, die es in sich haben, wenn Mythenmetz beispielsweise ein Exemplar eines seiner Romane mit Pfeilen beschießt und es als überarbeitete Neuausgabe anpreist oder die mythenmetzsche Mythembearbeitung erfindet, bei der zufällige Buchstaben und Silben aus seinen Gedichten entfernt werden.
Vielleicht können sich auch Kinder an der ein oder anderen Stelle und besonders auch an den gewohnt lustigen und zahlreichen Zeichnungen erfreuen, "Ensel und Krete" richtet sich jedoch nicht zuletzt wegen einiger sehr gruseliger und brutaler Szenen an ein erwachsenes Publikum.
Die Lektüre des Vorgängers "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" ist zum Verständnis nicht zwingend notwendig, ist jedoch zu empfehlen, da sonst einige Gags nicht zünden können und dem Leser vielleicht auch ein wenig der Hintergrund des Ganzen fehlen könnte.
Zum Schluss noch ein paar Worte zu Verarbeitung und Design: Wer es sich leisten kann, sollte auf jeden Fall, wie bei den übrigen Zamonien-Büchern auch, zur Hardcover-Ausgabe greifen. Diese kommt in einem superschicken Design daher. Auf der Innenseite des Schutzumschlages findet sich eine liebevoll gezeichnete Karte von Bauming, natürlich mit Legende und zamonischer Pflanzen-, Insekten- und Pilzübersicht. Der Einband wartet mit einem schlichten jedoch schönen Holzdesign auf und ergänzt sich wunderbar mit den vielen Illustrationen im Buch. Hier bildet wirklich alles; von der Schrift, über die Zeichungen bis hin zum Einband eine Einheit, die ihr Geld wirklich wert ist.
Fazit: Urkomische Literaturparodie für alle, die sich nicht von einer auf den ersten Blick kindlichen Verpackung abschrecken lassen und mal was ganz Außergewöhnliches erleben wollen.
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tristram Shandy in Zamonien - oder - Meisterhafte Abschweifungen (Hörbuch-Rezension), 19. Februar 2007
Wer immer glaubte, zu Märchen sei schon alles gesagt, der irrt. Walter Moers präsentiert hier seine Fassung des Grimm'schen Grundthemas, wie man es noch nicht erlebt hat.
Die beiden kleine Fhernhachenkinder Ensel und Gretel wollen nicht mehr in dem von den Buntbären durchorganisierten Ferienparadies im Großen Wald den Regeln gehorchen und verlassen die angelegten Wanderwege, um sich schon kurz darauf hoffnungslos zu verlaufen. Die kommenden drei Tage halten für sie ein Panoptikum sonderbarer Lebensformen vom Sternenstauner über den wilden Laubwolf bis zum Stollentroll bereit, die sie von einem wilden Abenteuer ins nächste schicken, bis sie am Ende von einem schizophrenen Buntbären mit der Axt ...... aber das soll nicht verraten werden.
Gespickt und unterbrochen wird diese Erzählung immer wieder durch Abschweifungen des Erzählers Hildegund von Mythenmetz, in denen vom Jugendwahnsinn über sanften Tourismus bis hin zum Literaturbetrieb alles Erdenkliche thematisiert wird.
Dirk Bach zieht als Vorleser alle Register seines stimmlichen Könnens und verleiht so der phantastischen Welt Zamoniens Leben und Athmosphäre. Eine tolle Wahl für dieses Hörbuch
Unterhaltsamer Ausflug in eine märchenhafte Welt - in erster Linie für junggebliebene Große.
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