Das Enneagramm ist kein neunzackiger Stern, wie es sein Name vermuten läßt. Es besteht aus zwei Teilen: Das Dreieck (Punkte 3, 6 und 9) stellt Gott (Bewußtsein) dar. Der unregelmäßige sechszackige Stern (Punkte 1, 2, 4, 5, 7 und 8) zeigt sinnbildlich gesehen einen Teufelskopf (Schatten) mit zwei Hörnern (Punkte 1 und 8) und zwei Ohren (Punkte 2 und 7). So entpuppt sich das Enneagramm als Sinnbild der Ganzheit, als Mandala, bestehend aus Sym-bol (Gott) und Dia-bol (Teufel), aus Einheit und Zweiheit, aus Licht und Schatten.
Das Enneagramm wurde zum ersten Mal im Jahre 1916 in St. Petersburg (Rußland) von Georg Iwanowitsch Gurdjieff öffentlich vorgestellt. Gurdjieff soll es in einem verborgenen Kloster in Tibet kennengelernt haben und machte das Symbol zum Markenzeichen seiner Lehre und seines "Institutes für die harmonische Entwicklung des Menschen". Er betrachtete das Enneagramm hauptsächlich prozeßorientiert, das heißt als ein kosmologisches und vor allem dynamisches Symbol, mit dem man zeitliche Abläufe aller Art studieren kann.
Etwa 40 Jahre nach Gurdjieff führt der Südamerikaner Oscar Ichazo das Enneagramm in Chile und später auch in den USA erneut ein, wobei er seine Quellen hierfür niemals preisgab. Ichazo findet schnell Nachfolger in Sachen Enneagramm, so zum Beispiel den humanistischen Psychologen Claudio Naranjo (Esalen-Institut in Kalifornien) und den Jesuitenpater Robert Ochs (Loyola-Universität in Chicago). Sie alle, und auch derer zahlreiche Nachfolger, behandeln das Enneagramm als Modell für eine psychologische Typenlehre von neun verschiedenen und gleichberechtigten psychologischen Typen. Dies bedeutet natürlich auch eine Verwässerung von Gurdjieffs umfassenderer Sicht.
"Das Enneagramm" von Klausbernd Vollmar behandelt das Enneagramm ausführlich und ausschließlich aus der Sicht Gurdjieffs.
"Das Arbeitsbuch zum Enneagramm" von Klausbernd Vollmar behandelt sowohl Gurdjieffs kosmische, dynamische und prozeßorientierte Auffassung vom Enneagramm als auch die psychologische und typologische Zugangsweise von Ichazo und seinen Nachfolgern. Im Gegensatz zu den vielen Enneagramm-Büchern, welche das Thema nur aus der typologischen Sicht betrachten, ist Vollmars Buch also umfassend. Darüber hinaus ist es informativ, gründlich und auch vielseitig: Neben den befriedigenden theoretischen Darstellungen kommt auch die Praxis mit zahlreichen praktischen Übungen zum Enneagramm nicht zu kurz.