So grantelnd, hochnäsig und unsympathisch dieser Ivan Morrison als Mensch möglicherweise auch sein mag - sobald er sich in den songwriter und performer Van Morrison verwandelt, schafft er es die Menschen mit seiner Musik in ein ganz einzigartiges und selbstdefiniertes Musikuniversum zu ziehen, das genauso stilvoll wie einschmeichelnd ist.
Van Morrison klingt also eh immer wie Van Morrison, wer sich aber ein wenig näher mit seinem Schaffen befasst hat, der wird feststellen, dass es qualititativ doch große Unterschiede zwischen seinen Platten gab, und dass auch er - so wie alle großen songwriter - bessere und schlechtere Phasen hatte.
Als künstlerische Durstrecke könnte man die Jahre nach dem großartigen ,Into The Music' bezeichnen, als er - ein wenig orientierunglos, vieles ausprobierte, meist aber nur halbherzig umsetzte. Spätestens aber Ende der 80er hatte er sich wieder gefangen und legte mit ,Avalon Sunset', ,Enlightenment' und ,Hymns To The Silence' 3 seiner besten Alben - hintereinander - seinem Publikum vor.
Das großartige an diesen Platten ist ja, dass selbst wenn der song auf gar keine so tolle Komposition aufgebaut ist, Morrison das Kunstsück gelingt, diesen so klingen zu lassen, als wäre er gut. Leicht nachzuprüfen ist das auf dem hier enthaltenen ,Youth of 1000 Summers', das heftig dem Gospel fröhnt.
Überhaupt regieren auf diesen 3 Scheiben stilistisch die schwarzamerikanischen Musiken - oder besser - Sie umhüllen Morrison's leichtfüssige Popsongs. Motown Soul, 50er R&B, Gospel, ein wenig Jazz, oft leich funkig anzentuiert, bilden den rhythmischen und arrangementmäßigen Überbau. Exzellente songs gibt es hier aber trotzdem zu Hauf.
Schon der opener ,Real, Real Gone' ist vielleicht eines seiner besten Lieder und auch der Titeltrack klingt so, als ob man ihn eh schon immer gekannt hätte. Das introspektive ,So Quiet In Here' ist bester irish Folk-Pop oder besser ,Irish Soul'. Auch die Ballade ,Avalon Of The Heart' mit seinem schönen, aber unkitschigen Streichern ist eine songwriterische, keltische Soul Großtat.
Der leichte Swing von ,Start All Over Again' lässt sofort die Sonne aufgehen, ,She's My Baby' könnte im Grunde auch ein 60er Jahre Motown Liebeslied sein (er umhüllt es hier leicht folkig) und mit ,Memories' schliesst er das Album dann zwar ein wenig melancholisch aber nicht schwermütig ab.
Man muss das Album als Ganzes hören, erst dann entfaltet es seinen ganzen Flair. Am besten ist es sowieso sich die Eingangs erwähnten 3 Alben hintereinander anzuhören, denn irgendwie bilden Sie eine Einheit. ,Enlightenment' ist aber nicht nur der zentrale part dieser Trilogie, sondern auch jener, der keine Längen aufweist. 5 Sterne - voll verdient und ohne mit der Wimper zu zucken - für ein Album, das auch Van Morrison Skeptiker überzeugen sollte (so man nichts gegen seine immer nölende Stimme hat).