Musikalisch waren die Jahre 1990/91 für mich herrliche Zeiten. Ein prächtiges Death Metal-Album jagte das nächste, und ich duldete kaum noch etwas anderes in meinem Kassettenrekorder bzw. auf dem Plattenteller. Was andere Bands später verzapften, mochte teilweise noch etwas schneller oder heftiger ausgefallen sein, aber mir kamen die meisten dieser Scheiben im Vergleich zu den Meisterwerken der ersten großen Death Metal-Welle doch recht fad vor. Der Hauptgrund dafür ist diese Platte.
Der erste Eindruck nach dem spannungsgeladenen, langgezogenen Eingangston war natürlich neben dem schneidenden Gitarrenriff die erbarmungslose Schlagzeugarbeit. Kam mir sogar straffer und konsequenter vor als bei Cannibal Corpse. Wenn es um Geknüppel geht, ist "Enjoy The Violence" für mich immer noch DER Maßstab. Und die Riffs waren wirklich mächtig! Vom vorletzten Song (der ist zu sehr aufs Prügeln fixiert, dafür schön finster) mal abgesehen hatten die vier Franzosen sich auch beim Songwriting nicht lumpen lassen.
Die Texte sind, passend zum Sound, ziemlich brutal. Im Titelsong wirkt es schon direkt originell und grotesk (wen außer mir erinnert dieses Schema "leg jeden um, der dir nicht passt" an Filme wie "Serial Mom"?), und beim wertungsträchtigen Songtitel "Atrocious Crimes" dürften wohl die wenigsten denken, dass es jetzt um irgendetwas Erstrebenswertes gehen soll.
Wie es sich im Death Metal gehört, ist der Grundton meistens mächtig düster. Alles wirkt wie aus einem Guss (nur eben der vorletzte Song passt da nicht hundertprozentig rein), ohne dass Langeweile aufkommen könnte. Von allen thrashlastigen Death Metal-Platten ist diese nach wie vor mein Favorit!