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Als Mathematiker ist Tom Jericho prädestiniert für diese Aufgabe. Im Geheimdienstzentrum Bletchley Park arbeitet er mit Hochdruck daran, die deutschen Codes zu brechen. Dieser Teil des Romans basiert auf dem tatsächlichen Geschehen rund um die Enigma-Maschine, deren Entschlüsselung den Alliierten einen (vielleicht sogar den) kriegsentscheidenden Vorteil brachte.
Doch die Geschichte, die Wolf Schneider hier vorträgt -- eine Stimme, die man aus unzähligen Fernsehreportagen und Talkshows kennt --, bleibt nicht allein auf dieser politisch-militärischen Ebene. Denn als ob Jericho mit der Decodierung nicht genug um die Ohren hätte, verschwindet auch noch seine Kollegin und Freundin Claire Romilly. Ihr Schicksal bewegt Jericho genauso wie die Geheimnisse der Enigma.
In Harris' Thriller, einer Kombination aus Tatsachenroman, Liebesgeschichte, Spionagestory und einer Prise Geschichtsbuch, kann man die Anspannung der Codebrecher förmlich spüren. Und Claires Schicksal erinnert immer wieder daran, daß es sich bei diesen Spezialisten eben doch um echte Menschen handelte, die auch in den Wirren des Krieges Gefühle entwickelten. --Joachim Hohwieler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Im Mittelpunkt steht der Kryptoanalytiker Tom Jericho, der dem rätselhaften Verschwinden seiner flatter- und lasterhaften Ex-Geliebten Claire Romilly nachgeht. Tom entdeckt, dass Claire vier unentschlüsselte Funksprüche der Deutschen in ihrem Zimmer versteckt hielt. Was wollte sie damit? Ist sie etwa eine Spionin? Zusammen mit Claires Mitbewohnerin geht er den Dingen auf den Grund, wobei sie stets Gefahr laufen, selbst unter Spionageverdacht zu geraten. Schritt für Schritt finden sie heraus, welche Brisanz in diesen Funksprüchen einer an sich unbedeutenden deutschen Nachrichteneinheit steckt; am Ende ihrer äußerst mühevollen verdeckten Ermittlungen steht die bittere Erkenntnis, dass "die Obrigkeit" alles tut, um im übergeordneten Interesse das Geheimnis der Enigma-Entschlüsselung zu wahren...
Tom verliert dabei natürlich seine eigentliche Aufgabe, das erneute Knacken des Codes der vorsichtig und wachsam gewordenen Deutschen, nicht aus den Augen; zum einem fühlt er sich moralisch dazu verpflichtet, auch dient sie ihm gleichsam als Tarnung, um seine Vorgesetzten nicht allzu misstrauisch werden zu lassen. Also funktioniert er nach außen hin ganz normal (oder auch mit Hilfe von Benzedrin) weiter, hält seine Rolle durch als genialer Kopf, der eben die entscheidenden zwei Prozent mehr drauf hat als die anderen Kryptoanalytiker in Bletchley Park.
Bletchley Park - dieser Moloch, in dem Tausende von Spezialisten und Hilfskräften wie in einem Ameisenhaufen fieberhaft rund um die Uhr arbeiten, gibt den - einzig passenden - Rahmen für diese Geschichte her. Die unsäglichen Arbeitsbedingungen in den schäbigen Baracken, der enorme bürokratische Aufwand und die Geheimschutzauflagen werden ebenso greifbar wie Neid und Missgunst der Intellektuellen untereinander und nationale Eitelkeiten innerhalb der Alliierten. Die Binnenstrukturen von Bletchley Park werden hingegen nur kurz und so weit gestreift, wie es für den Fortgang der Geschichte wichtig ist - ein Roman kann auch gar nicht mehr leisten. Überaus beeindruckend werden daneben auch die Verhältnisse im Kriegsengland des Frühjahrs 1943 geschildert.
Die Meisterschaft und das Können von Harris besteht für mich insbesondere darin, dass er all dies nie abstrakt und vordergründig, sondern immer im richtigen Zusammenhang, dabei aber im besten Sinne fast beiläufig und nebenher erzählt. So reißt er auch die eigentliche Arbeit der Codebreakers zwar jeweils nur relativ kurz und en passant an, dennoch gewinnt der Leser gute Einblicke in die Materie; man kann sich sehr gut vorstellen, welcher unglaubliche Kraftakt hier geleistet wurde. Letztlich gelingt es dem Autor damit, den "Mythos Bletchley Park" dem Leser wirklich eindrucksvoll näher zu bringen. Er tut dies - wie deutlich wurde - auf die einzig mögliche romantaugliche Art und Weise, indem er ein Einzelschicksal näher beleuchtet und damit einen Köder auslegt, dem man einfach erliegen muss. Wer immer noch nicht überzeugt ist - letztlich ist das von Harris gezeichnete Psychogramm eines Kryptoanalytikers viel interessanter als reine Sachinformationen.
Alles in allem eine spannende, kurzweilige Geschichte, die Lust darauf macht, sich eingehender mit dem Themenkomplex Kryptographie, Bletchley Park, Enigma, U-Boot-Krieg etc. zu beschäftigen.
Fazit: Das Buch ist toll geschrieben und liest sich recht flüssig. Das Ende scheint etwas aufgesetzt und zuschnell, aber dafür ist der Rest des Buches top!
Fazit: "Enigma" kann leicht mit Harris' wohl bekanntesten Werk "Vaterland" mithalten, obwohl sich manche Stellen in diesem Buch nicht für technisch unbegabte Gemüter eignen.
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