Das Leben der Kinderbuch-Autorin Enid Blyton verfilmt... mit teils unerwarteten Enthüllungen über die Schriftstellerin, die auch in Deutschland eine Art Kultstatus innehatte.
Der Film zeigt, wie fanatisch, ja fast besessen Enid Blyton von der Schreiberei war, allein die Tatsache, dass sie damals die eigene Zielsetzung von ca. 7000 geschriebenen Wörtern pro Tag hatte (und das auf einer mechanischen Schreibmaschine!), spricht Bände.
Über ihren enormen Ehrgeiz vergaß sie ihre Ehe zu pflegen und ihren Kindern eine Mutter zu sein. Dies nahm zum Teil unvorstellbare Formen an, die nicht nur in einer schmutzigen Scheidung mündeten, sondern generell zeigen, dass Enid Blyton sicherlich an einer massiven Persönlichkeitsstörung litt.
Helena Bonham-Carter hat hier sogar größtenteils Kostüme aus ihren privaten Beständen an und gewann auch den Emmy für ihre Darstellung. Für einen BAFTA war sie nominiert.
Die Ehemänner werden wirklich ausgezeichnet von Matthew Macfadyen (Hugh Pollock) und Denis Lawson (Kenneth Waters) dargestellt, vor allem bekommt man regelrecht Mitleid mit Pollock, den seine Frau augenscheinlich in den Suff getrieben und ihm seine beiden Töchter jahre- wenn nicht gar jahrzehntelang vorenthalten hat.
Großartig die kurze Sequenz, in der man Macfadyen alias Hugh Pollock den während des 2. WK populären Song "Run Rabbit, run" singen hört, bei der Stimme des Mannes einfach umwerfend!
Regisseur James Hawes gelingt die Zeichung der Ära, der Umstände (2. WK) und der Figuren soweit gut, jedoch hetzt man durch die knapp 90 Minuten durch, die Zeit ist für so ein biografisches Werk, ein komplexes Leben wie dieses, einfach viel zu wenig. Wenn man es auf zwei Teile a 90 Minuten oder zumindest aber auf zwei Stunden Film gebracht hätte, wäre der Sache wesentlich mehr gedient. So jedoch bleibt ein ungutes, unvollständiges Gefühl beim Zuschauer.
Natürlich erklärt man viele Dinge mit Freud'schen Hintergründen, mit psychologischer Betrachtungsweise. Was daran wahrheitsgemäß und was fiktiv ist, bleibt allerdings weitgehend ungeklärt.
Der Film ist keine ganz leichte Kost, aber dennoch ansprechend gemacht und anzusehen. Englischkenntnisse vorausgesetzt, natürlich.