Die Musik Englands ist bei uns terra incognita. Auch die Flut exzellenter Aufnahmen änderte bislang wenig daran. Dazu zählt die Naxos-Reihe "English String Miniatures", die es mittlerweile auf sechs CDs bringt - jede davon eine Fundgrube für alle Streicher-Fans, alle Melancholiker und alle, deren Herz für die briti-sche Insel schlägt.
"Große Namen" wie Elgar oder Vaughan Williams dominieren keineswegs. Man schließt hier Bekanntschaft mit Adam Carse, Francis Chagrin, Peter Hope und vielen anderen. Keiner von ihnen will Musikgeschichte schreiben - ihre Stücke sind charmante Gelegenheitsarbeiten, die ganz auf den Reiz des kleinen Streichorchesters setzen. Und zwar "very british"!
Exemplarisch kann dafür "A Moorside Suite" (1928) von Gustav Holst stehen. Sie zeigt alle Gewürze des englischen Pastoralstils: Robuste Rhythmen, impressionistische Färbung und jene wunderbaren Melodien, die den alten Folksongs und Dances abgelauscht sind. Kein Wunder, dass zwei Fassungen des Stücks in der Serie auftauchen (Vol. 4 und 6). Bei al-lem Nationalstolz gibt es auch Vielfalt: Francis Chagrin huldigt in seiner "Renaissance Suite"alter Musik, Britten orchestriert Purcell und Paul Lewis beschwört in der "Suite Navarraise" (Vol.5) höfisch-ritterliche Klänge. Musiker wie Malcolm Lipkin, die moderat Anschluss zur Moderne su-chen, sind die Ausnahme.
Als Einstieg nehme man die CDs 4 und 5. Die Interpreten spielen mit viel Noblesse und legen den nötigen Streicherschmelz auf. Herz, was willst du mehr?