Ausschließlich dem englischen Madrigal, dem Spätling in der Madrigalkunst widmen sich die King's Singers mit diesem Tonträger. Wiewohl zeitgleich entstanden mit den Werken Shakespeares, Marlowes und anderer Dichter des Elizabethanischen Zeitalters, tauchen in der vertonten Form Übersetzungen italienischer Dichtungen viel eher auf als genuin englische Texte - das Vorbild des italienischen Madrigals entfaltete seine rechte Wirkung im aufstrebenden England fast 100 Jahre nach den ersten italienischen Schöpfungen.
Doch bürgerte es sich dort so erfolgreich ein, daß eins der bekanntesten Werke, „Now ist he month of maying" heute als englisches Original zählt, wiewohl es dem heutzutage vergessenen „So ben mi ch'a bon tempo" des Orazio Vecchi nachempfunden ist.
Wiewohl nicht ganz so exaltiert und tonmalerisch wie die welschen Urschöpfungen sind doch die hier versammelten Madrigale für unsere Ohren etwas gewöhnungsbedürftig, zudem finden sich hier meiner Meinung nach etwas zu viele der wehmütig-ersterbenden Melodien wie „O wretched man", „Weep, o mine eyes", „Construe my meening" , statt wie auf der Schwestern-CD „Madrigal Mystery Tour" durch heitere, beschwingte Melodien abgelöst zu werden. Freilich tummeln sich auch hier einige der leichteren Ayres, „Since Robin Hood", das forschere Tobackslied „Come, sirrah Jack, ho!" oder der Ohrwurm „Sing we and chant it", dem deutschen Pendant „Tantzen und Springen" sehr ähnlich; insgesamt herrscht jedoch der elegische Ton vor. Auch das vollständige Fehlen jeglicher, auch der zurückhaltendsten instrumentalen Unterstützung zur Akzentuierung macht das Hinhören auf Dauer ein wenig anstrengend.
In Ausgestaltung und stimmlicher Sauberkeit hingegen bleiben die King's Singers auch mit diesem Tonträger auf ihrem gewohnten virtuosen Niveau.
Überaus kenntnis- und detailreich, für den interessierten Laien aber nicht einfach zu verstehen schildert der Begleittext im Booklet die Unterschiede zwischen den Tonschöpfungen der berühmtesten englischen Madrigalisten: Thomas Morley und Thomas Weelkes, John Wilbye und George Kirbye, erfreulicherweise sind die Liedtexte ebenfalls mit abgedruckt.