Alconleigh, ein Landsitz im Herzen Englands, ist der Mittelpunkt der aristokratischen Welt dieses Romans. Dort wachsen die fünf Töchter des schrulligen Lord Radlett auf, sehnen den Tag ihres Debüts in der Londoner Gesellschaft herbei und amüsieren sich über die skurrilen Figuren, die auf den Bällen und Jagdgesellschaften der ausgehenden Kolonialzeit zusammenkommen. Linda, die älteste, verzehrt sich nach der großen Liebe. Zum Entsetzen ihrer Eltern brennt sie mit einem jungen Kommunisten nach Frankreich durch. Doch dann begegnet sie dem liebenswürdigen Diplomaten Fabrice... Mit diesem Gesellschaftsroman hat Nancy Mitford der englischen Oberklasse, ihrer eigenen, ein Denkmal gesetzt. Aber ein sehr sonderbares, sehr englisches Denkmal. Es steht auf dem Kopf und hat lauter Löcher, Gucklöcher, durch die man einen Blick in das Innerste der nicht immer bloß feinen englischen Art werfen kann. Um es zu errichten, brauchte Nancy Mitford aber nicht Klassenverrat zu begehen, und sie kommt sogar ohne Klassenschelte aus - denn sie hat Witz, ein abgefeimtes Gespür für die Komik von Situationen und Charakteren, eine enorme Fähigkeit zur intelligenten Karikatur und einen unnachahmlich einfühlsamen Sarkasmus. Es gibt Bücher, um derentwillen man Termine absagt; man verachtet alle anderen Arten der Zerstreuung, und man liest häppchenweise, nur ja nicht zuviel auf einmal. Oder man genießt die Lektüre in einem einzigen Zug; dann wird halt mal nicht geschlafen. So ein Buch ist "Englische Liebschaften".