Ich beziehe mich in dieser Rezension ausschließlich auf das Britische Englisch, die virtuellen Gespräche, die es nur im Amerikanischen Englisch gibt, kann ich daher nicht beurteilen.
Meine Eindrücke von dieser Software sind generell sehr durchwachsen. Durch das Fehlen sämtlicher Tastenkürzel ist die Bedienung des Programms etwas umständlich und unglaublich mausklickintensiv. Vor allem wenn man über einen längeren Zeitraum mit dem Programm arbeitet, wird das irgendwann lästig.
Beim Aussprachetraining von Wörtern wird beispielsweise jedes neue Wort über die Schaltfläche 'nächste Aktivität' aufgerufen und automatisch vorgelesen. Praktisch wäre es nun, wenn der Anwender nach einem akustischen Signal sofort selbst sprechen könnte, diese Option gibt es leider nur bei einer einzigen Dialogform. Stattdessen muss der Anwender erst auf den Mikrofonstartknopf drücken, der sich sinnvollerweise genau in der anderen Monitorecke befindet. Ein noch größerer Abstand zwischen den Schaltflächen wäre platztechnisch gar nicht möglich, hier scheint es sich um uralte Fehde zwischen den beiden zu handeln. Der Anwender ist daher bei jedem Wort zu einem permanentem Mauspingpong gezwungen, bei Dutzenden von Worten innerhalb einer Lektion ist das nicht der ergonomischste aller Wege. Dieses Problem ließe sich leicht umgehen, wenn jedes neue Wort beispielsweise über die Returntaste aufgerufen werden könnte, oder wenn beide Schaltflächen übereinander positioniert wären. (Falls mir hier irgendwelche Tastenkürzel entgangen sein sollten, wäre ich um Rückmeldung dankbar!)
Wiederholung ist generell ein zentrales Problem in diesem Programm. Von jeder Lektion gibt es zwei Varianten, bei der ersten Version wird nur zugehört, bei der zweiten Variante kommt auch das Mikrofon zum Einsatz und der Schüler wird zum Sprechen 'gezwungen', was ja durchaus sinnvoll ist.
Leider sind die Fragen zum Teil völlig identisch, sie werden lediglich einmal durch Anklicken und im zweiten Durchlauf durch Sprechen beantwortet. Diese Monotonie wirkt auf Dauer ziemlich demotivierend. Wenn Sie zum dritten Mal dem Foto eines Segels das Wort 'sail' zugeordnet haben, halten sich dramaturgischer Effekt und der Adrenalinausstoß doch in recht überschaubaren Grenzen.
Manchmal taucht das recht umfangreiche Einstiegsvideo zum Thema gleich in mehreren Lektionen auf (Beispiel: Video zum Thema Schifffahrt in Lernstufe 7 und 8.). Spätestens dann beginnt es ernsthaft zu nerven.
Dieses redundante Konzept verhindert ein Nachdenken des Anwenders recht erfolgreich. Häufig hat man die Antworten vom ersten Durchgang noch im Kopf und wiederholt sie einfach ein zweites Mal ohne sich dabei irgendwelche Gedanken zu machen. Eine Modifikation des zweiten Teils der Lektion wäre natürlich deutlich aufwendiger, aber didaktisch auch um Längen sinnvoller.
Sehr sinnvoll geregelt ist die Funktion der rechten Maustaste. Beim Mausklick auf ein Wort kann man sich die Übersetzung anzeigen und sich das Wort vorlesen lassen.
Zu jeder Lektion gibt es verschiedene Übungsformen (Kreuzworträtsel, Lückentexte, Dialoge, Diktat etc.). Wer mit einer Übungsform überhaupt nicht klar kommt, kann per Mausklick die Funktion 'Anderer Aktivitätstyp' wählen, dann erscheint automatisch das erste Beispiel der nächsten Übungsform.
Die Spracherkennungssoftware ist noch nicht ausgereift und zeichnet sich durch eine erfrischende Toleranz aus. Ähnlich klingende, aber völlig falsche Worte werden problemlos akzeptiert und im grünen Bereich angezeigt. Der Schüler erhält dadurch eine sehr irreführende Rückmeldung über die Qualität seiner Aussprache. Sinnvoll ist es daher immer vorsichtshalber die eigene Aussprachevariante per Klick nochmal anzuhören, und mit dem Original zu vergleichen.
Bei einer der Übungen sollen durcheinander gewürfelte Satzbestandteile durch Vorlesen des vermeintlichen Ergebnissatzes automatisch sortiert werden. Hier streikt das Programm regelmäßig und liefert bei korrekt gesprochener Lösung durch den Schüler eine scheinbar willkürliche Neusortierung. Meine Aussprache ist durchaus annehmbar, aber es gibt Sätze bei denen sich das Programm auch nach hartnäckigen Versuchen standhaft weigert, die richtige Variante anzuerkennen.
Dennoch ist die Funktion die korrekte Aussprache eines Wortes oder Satzes durch einen englischen Sprecher zu hören, und sie im Anschluss mit der eigenen, aufgezeichneten Variante zu vergleichen, wichtig und sinnvoll für den Schüler.
Die Ausführungen zu einzelnen Grammatikthemen sind extrem kurz gehalten, hier würden ausführlichere Erläuterungen das Verständnis sicher erleichtern. Für das Einblenden während der Lektion kann die Kurzvariante sicher ausreichen, wer sich aber mit einer grammatikalischen Regel ernsthaft auseinandersetzen will, muss sich anderswo schlau machen.
Unterm Strich bleibt der Eindruck, daß das Lernen mit einer Software nach wie vor qualitativ Lichtjahre vom Unterricht mit einem Lehrer entfernt ist. Das liegt aber wohl in der Natur der Sache und kann nicht speziell dieser Software angelastet werden. Wer mit diesem Programm arbeitet, wird seine Englischkenntnisse sicher verbessern, sollte aber nicht zu viel erwarten. Um es bewusst etwas ketzerisch zu formulieren: Die durchwegs sehr gute Bewertung dieses Programms liegt in meinen Augen nicht zwingend an der Qualität des Produktes, sondern ausschließlich daran, dass Konkurrenzfirmen dieses Problem noch um Längen schlechter gelöst haben :-)
Bei dieser Gelegenheit kann ich die Website von BBC (...) als Quelle für englischsprachige Texte, Nachrichten und Videos wärmstens empfehlen.