Um das Positive an dem Buch vorwegzunehmen: es bietet eine vollständige Aufzählung aller englischen Königinnen, angefangen bei der Mutter Heinrichs VIII. (obwohl seine beiden Großmütter um einiges skandalträchtiger und brennend interessant gewesen wären.) Womit ich aber leider schon zum "Aber" kommen muß, auch wenn ich das sehr ungern tue.
Aber - 1. schon im ersten Kapitel mißfällt mir die Behauptung, Richard III. sei der gewesen, der sich der Neffen im Tower entledigt habe. Auch ich habe keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht, ein derart schwieriges historisches Minenfeld zu betreten und das Gerücht als Gewißheit auszugeben, halte ich für zumindest methodisch bedenklich.
Aber - 2. an manchen Stellen macht sich eine Flüchtigkeit breit, die auf Dauer verunsichert. Die Tochter von Charles I. und Henrietta Maria heirate "den Herzog von Anjou, einen Bruder des Königs von Frankreich". Mag schon sein, daß Philippe de France damals noch diesen Titel führte, aber der nur mit der deutschen Terminologie vertraute Leser kann damit nichts anfangen. Sie heiratete den einzigen Bruder von Ludwig XIV., den wir in Deutschland AUSSCHLIESSLICH unter dem Namen Philippe d´Orleans kennen (und wir kennen ihn auch nur deswegen, weil er danach Liselotte von der Pfalz geheiratet hat, die Enkelin der mit dem Winterkönig verheirateten und von Frau Panzer auch erwähnten Elisabeth Stuart...)
Ich kenne mich nun zwar bei Stuart-Königen aus und kann die mir dort gelieferten Informationen in den Zusammenhang einordnen, in den sie gehören, ich kenne mich aber nicht bei hannoveranischen Königinnen mit ihren verwirrend ähnlichen Vornamen aus. Ich kann also davon ausgehen, daß z.B. die Informationen in diesem Kapitel zum großen Teil an mir vorbeilaufen. Ich fürchte, das wird dem einen oder anderen Leser auch nicht anders gehen.
Sinnvoll wäre hierzu auf jeden Fall eine Ahnentafel gewesen. Schon die Verwandtschaft Elisabeth I. - Jane Grey - Maria Stuart ist so kompliziert, daß eine graphische Darstellung wünschenswert wäre. Das gleiche gilt zum Verständnis der Frage, wieso um alles in der Welt Victoria Königin von England werden konnte.
Aber 3. - die dargestellten Königinnen werden leider zum Großteil nur sehr pauschal beschrieben: übliches Schicksal: werden geboren, werden verheiratet, werden vom Ehemann betrogen, bekommen Kinder oder auch nicht. Aber besonders lebendig sind die Darstellungen nicht. Zur Gesamtwürdigung verweist Frau Panzer überwiegend auf Agnes Strickland. Was die eigenen Gedanken - Gefühle - Wünsche der Dargestellten angeht, so ist das stellenweise etwas dünn.
Aber 4. - die Ausführungen zur Änderung der englischen Verfassung vom Absolutismus zur parlamentischen Monarchie sind nur sehr schwer nachvollziehbar.
Aber 5. - wenn ich die Sprache mit der von Sylvia Jurewitz-Freischmidt vergleiche, stelle ich doch fest, daß man das Thema auch erheblich spritziger behandeln kann. Stellenweise war der Stil etwas zäh.
Die vier Punkte gibt es trotzdem, schon, weil es das einzige zugängliche Werk zu diesem Thema ist.