-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
| ||||||||||||||||||||
Produktinformation
|
Gegenüber dem Original ist die -- gelegentlich etwas ungelenke -- deutsche Übersetzung leicht gekürzt, aber immer noch faktensatt und reich an Anekdoten. "Man hatte viel Spaß dabei, es sich schlecht gehen zu lassen", schreibt Jon Savage, Punk-Zeitzeuge und Star-Journalist, in seinem Vorwort. Manchmal schwingt eine leise Trauer mit, dass eine Bewegung, die so viel Wert darauf legte, in einer hyper-intensiven Gegenwart zu leben, nun Geschichte ist. Savage, weniger Theoretiker als Protokollant der Ereignisse, hat sich die Geschichten, die ihm die Protagonisten der vielleicht letzten politischen Jugendbewegung überhaupt auf Band gesprochen haben, genau angehört und aus einer Vielzahl von Interviews einen Reality-Roman geformt, der den Punk-Mythos auf den Boden der Tatsachen holt. Das macht England's Dreaming zu einer wertvollen Ergänzung zu Theorie-Fibeln wie Lipstick Traces von Greil Marcus.
Savage spannt einen weiten Bogen von den Punk-Anfängen in den USA bis zu New Wave, im Mittelpunkt stehen aber die Sex Pistols. Deren Aufstieg und Ende sind für ihn die Eckpfeiler einer ästhetischen und sozialen Revolution. Ob Punk sich von Beginn an seiner politischen Kraft bewusst war oder ob es vielmehr darum ging, mit möglichst viel Tumult möglichst viel Spaß zu haben, weiß natürlich auch er nicht zu sagen. Dafür erfährt man, dass Johnny Rotten mit 19 fast Vater geworden wäre und wie oft Malcolm McLaren und Vivienne Westwood sich getrennt und wieder ineinander verliebt haben. Auch das ist Punk. --Oliver Fuchs -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
«England's Dreaming» Jon Savages Punk-Geschichte
So müsste der Punk eigentlich dargestellt werden wollen, wenn er sich denn mal klar und deutlich und einstimmig artikuliert hätte: so wie in Jon Savages grosser, nein fulminanter, nachgerade onomatopoetischer Kulturgeschichte «England's Dreaming. Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock», die Conny Lösch nun endlich und angemessen dreckig ins Deutsche übertragen hat. Savages Buch ist selber Punk. Während Greil Marcus in «Lipstick Traces», der einzigen Darstellung zum Thema von vergleichbarer Relevanz, das Phänomen transzendiert, es einbettet in den Kontext politisch ambitionierter Avantgardekunst des 20. Jahrhunderts und es letztlich damit auch ästhetisiert, bleibt Savage auf Tuchfühlung und liefert stattdessen das, was Soziologen wohl eine «dichte Beschreibung» nennen würden.
Er kompiliert Zeugenaussagen, lässt die Menschen reden, die dabei gewesen sind wie er selbst, montiert ohne Rücksicht auf Übersichtlichkeit immer wieder neue O-Töne und Gesprächsfetzen, Zitate aus der zeitgenössischen Journaille sowie Sekundärliteratur. Und wenn er mit Worten nicht mehr weiterkommt, hat er allemal passendes Bildmaterial, Fotos, Flyer, Plattencover usw. zur Hand, die das Milieu, die Atmosphäre, den Geist der Zeit visualisieren. Eine polyphone, stilistisch alles andere als brillante, dem Gegenstand gemäss eher heterogene, unelegante Montage-Chronik ist das, eine im Stoff wühlende Oral History, so unordentlich und anarchisch wie das Szene-Leben selbst und genauso spannend.
Savage bemüht sich um Objektivität, wenn es nötig ist, wenn er mal den Kopf herausstreckt aus dem Quellenmaterial, um die wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und ästhetischen Korrespondenzen zu analysieren. Denn ohne die schwere Rezession in Grossbritannien (und in der ganzen Welt), die rasche Verdopplung der Arbeitslosenzahlen (von November 1974 bis Dezember 1976), von der vor allem die Altersgruppe der 1524-Jährigen betroffen war, ohne die Law-and-Order-Stimmung in grossen Teilen der Bevölkerung, die sukzessive Zurücknahme der Sechziger-Jahre-Liberalität ohne solche Rahmenbedingungen mithin, wer weiss?, vermutlich auch kein Punk!
Aber dann kommt Savage doch wieder ein zünftig-stimmungsvolles Zitat unter und noch eins und noch eins. Er lässt sich hin- und mitreissen, wie er auch damals als 22-jähriger Fan und Fanzine-Schreiber mitgerissen war. Seine immer mal wieder eingestreuten Tagebuchnotate aus jenen Tagen dokumentieren das, und näher als in diesen Passagen kommt man den wilden 76/77er Jahren wohl nicht mehr: «Am Ende des (Clash-) Konzerts, das eher einem Kampf gleicht, springt der mit Speed vollgepumpte Sänger zusammen mit einem Helfer von der Bühne und wirft sich auf zwei Langhaarige, die für die Zwischenrufe und fliegende Gläser verantwortlich waren . . . Eine schmutzige und ergebnislose Schlägerei beginnt am Boden zwischen den Bierpfützen. Die Leute sehen mit leeren Augen zu: Aus der PA kommt das gemeine, leere ,No Fun' von den Stooges. Alles verschmilzt miteinander.»
Frank Schäfer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
Die holprige Übersetzung der vorliegenden deutschen Ausgabe krankt jedoch sehr an dem Phänomen, das diese echte "Faktenfundgrube" (Klappentext) mehr nach Lehrbuch klingt als es das Thema eigentlich zuläßt - sofern man nicht von vorneherein einen soziologischen Ansatz wählt. Dadurch schwanken die Kapitel zwischen anarchistischem Lehrstück und Seifenoper.
Leider habe ich nicht den Eindruck, das Leser, die nicht ohnehin in dieser Zeit aufgewachsen sind, verstehen, was die genauen Ursachen waren, oder nachvollziehen können, wie die Gesellschaft darauf reagiert hat. Aus heutiger Sicht befremdet die Darstellung der Vorgänge aus dieser Zeit so eher; jedwede Schockwirkung ist lange verpufft, eine vergleichbare Bewegung hat es seither nicht gegeben, stark politisierende Bands (Crass, z.B.) sind nicht sehr viel mehr als eine Randnotiz.
Ferner darf nicht unerwähnt bleiben, das Savage die ganze Geschichte natürlich (nicht im negativen Sinne) stark subjektiv schildert. Auch wenn durch Meinungsäußerungen von Menschen, die nicht aus London stammen, der Versuch unternommen wird, den globalen Aspekt von Punk zu schildern, geschieht dies eben immer aus der Sicht eines Menschen, der in der zweiten Hälfte der 70er genau dort gelebt hat. So darf man sich nicht zu viele objektive Schilderungen erhoffen, was eigentlich ausserhalb dieses Mikrokosmos passierte - letztendlich werden nur die Fakten genannt, die einen direkten Einfluß von oder auf London hatten.
Dies alles stört aber nicht wirklich; übrig bleibt ein faszinierender Einblick in das, was der Untertitel des Buches verspricht: "Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock". Nur eben nicht komplett, und nicht mehr als das.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|