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England, England
 
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England, England [Gebundene Ausgabe]

Julian Barnes
2.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1 (August 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462028308
  • ISBN-13: 978-3462028300
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,2 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 412.081 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Neue Heimat Themenpark

Julian Barnes' Satire «England, England»

Von Jörg Häntzschel

Die Disneyworld-Assoziation ist längst ein kulturkritischer Allgemeinplatz geworden, wenn immer es um die Fixierung und Konservierung von Vergangenheit in einer fiktiven Idealform geht, um Puppenstubendörfer oder überrenovierte Altstadtgassen. Damit sind ästhetische Fragen angesprochen, aber auch solche nach dem historischen und kulturellen Selbstverständnis einer Gesellschaft. Nirgends liegt dieser Vergleich so nahe wie in Grossbritannien, das sich – Tony Blairs Fortschrittspädagogik zum Trotz – so obsessiv auf seine Vergangenheit bezieht, dass die Gegenwart oft nur auf einem Nebenschauplatz stattzufinden scheint, als unpopuläres, glanzloses Beiprogramm zu einer immer wieder wie neu aufgeführten Geschichte. Julian Barnes spekuliert in seinem neuen Roman «England, England», was geschähe, nähme man den Vergleich einfach wörtlich. Käme nicht, lässt er den Medienzar Sir Jack Pitman sein Beraterteam fragen, ein komprimiertes, von allen Spuren der Gegenwart bereinigtes England dem Ideal von Einheimischen wie Touristen weit näher als das Original? Ein best-of-England, bevölkert von den beliebtesten Stars der englischen Geschichte, zudem «bequemer, sauberer, freundlicher und effektiver»? Die Berater sind begeistert, der Pitmansche Haus-Baudrillard gibt seinen Segen – er weiss: wir ziehen das Replikat dem Original vor –, und dem Projekt «England, England» steht nichts mehr im Wege.

«The past is a distant, receding coastline», sinniert Geoffrey Braithwaite, der Protagonist in Barnes' Erfolgsroman «Flauberts Papagei», beim Überqueren des Ärmelkanals. Im neuen Roman, der kurz nach dem Tod von Queen Elizabeth II spielt, haben Metaphern sich erübrigt. Die Küste der Vergangenheit ist nur noch die kurze Schiffspassage zur Isle of Wight entfernt, und sie wird dort für immer bleiben, das heisst, solange der Umsatz stimmt: Pitman, der die Insel umstandslos gekauft hat, lässt «England» dort anhand von Marktforschungserkenntnissen neu konfigurieren. Nur die grössten Klischees, nur «5-Sterne-Sehenswürdigkeiten» finden hier Platz: Big Ben und Parlament, Stonehenge und die weissen Klippen von Dover. Dazwischen verkehren Doppeldeckerbusse und schwarze Taxis. Harrod's verkauft Orangenmarmelade im Tower. Beefeater, Robin Hood, Dr. Johnson und die echte königliche Familie – ein grosszügiger Spesenrahmen konnte sie zum Umzug bewegen – sorgen mit ihren Auftritten für unvergessliche Erlebnisse der «Premium-Besucher». Keine Frage, dass der Erfolg dieses nicht nur touristischen, sondern auch sozialen und politischen Experiments – «England England» benimmt sich als unabhängiger Staat – alle Erwartungen übertrifft. «Old England» indes, dem der elegische dritte Teil des Romans gilt, vergisst, der glanzvollen Momente seiner Vergangenheit beraubt, paradoxerweise die Gegenwart und fällt in eine hybride Altertümlichkeit zurück, die Elemente aller historischen Zeiten vom Mittelalter bis zu den Neunzigern enthält. Sie ist echt insofern, als sie nicht bewusst konstruiert ist wie ihr Pendant «England, England», doch keinen Deut authentischer.

Erst mit diesem dritten Teil und der Beschreibung des auf das Niveau eines Entwicklungslands gesunkenen, aber eben nicht entfremdeten «Old England» gewinnt Barnes' Satire Tiefe und Originalität. Die im Hauptteil breit ausgewalzte Themenpark-Idee hingegen will nicht recht zünden. Wie so oft ist die Realsatire schon weiter: London Bridge überspannt heute nicht nur die Themse, sondern auch den Lake Havasu in Arizona. In Las Vegas steht bereits ein falscher Eiffelturm. Und Rupert Murdoch, offenkundiges Vorbild für Sir Jack Pitman, wollte den Fussballverein Manchester United letztes Jahr tatsächlich kaufen – bei Barnes noch eine groteske Zukunftsvision. Unter seinem Niveau bleibt Barnes auch mit seinen Rückgriffen auf das stereotype Personal von Fernseh-Comedy: den schwulen Schwätzer, den Geschäftsmann mit perversem Doppelleben oder die schamlosen royals.

Als «toughe Frau» könnte man auch die Protagonistin Martha Cochrane, Pitmans «bestallte Zynikerin», in diese Liste aufnehmen. Um so spannender ist daher, wie Barnes anhand dreier Abschnitte ihres Lebens, die er mehr oder weniger glücklich mit dem Themenpark-Komplex parallelführt, die dort so plakativ durchgespielten Themen Erinnerung und Identität in weitaus subtilerer Form behandelt. Leitmotivisch, oft versteckt in winzige Details, verfolgen Martha diese Fragen – als ontologische Konstanten, nicht gemäss dem gängigen Muster in Form dramatischer Krisen, denen dann die glückliche Selbstfindung oder eine finale Katastrophe folgt. Wir lernen Martha als eigenwilliges Kind kennen, als eiskalte Usurpatorin von Pitmans Macht (sie trägt sogar Züge von Margaret Thatcher) und schliesslich – in der «Verbannung» im schlammigen Old England  – als melancholische alte Jungfer, die den Kranken Nesselsuppe bringt. So unglaubwürdig diese drei widersprüchlichen Inkarnationen sie auch machen, als intellektuelles Spiel mit der Frage nach der Identität bietet dieser Aspekt des Romans weit mehr als die lustlose Gesellschaftssatire. Obwohl diese vier Fünftel des Umfangs einnimmt, wirkt sie wie ein Fremdkörper zwischen den intimen und subtil humorvollen Anfang- und Schlussteilen. Und sie beansprucht soviel Aufmerksamkeit, dass Barnes' eigentliches – wenn auch wenig aussichtsreiches – Anliegen über weite Strecken in Vergessenheit gerät: der Versuch, die Konstruktion einer nationalen Identität der einer individuellen gegenüberzustellen und schlüssige Parallelen zwischen beiden zu finden. So fährt sich Barnes denn schliesslich in einem Dickicht aus Ernst und Ironie, postmodernen Identitätskonzepten, ihrer Ablehnung und Rehabilitierung fest, bevor klar würde, wohin er damit eigentlich wollte. Darüber hinaus durchsäuert ein nie ausgesprochenes moralisches Argument – Martha Cochrane scheint in ihrem dritten Leben für Kühnheit und Exzesse in den ersten beiden zu büssen – den Roman. Man wird den Eindruck nicht los, Barnes halte ein ähnlich trübseliges Schicksal auch für den Rest der Menschheit für angemessen.

Kurzbeschreibung

Sir Jack Pitman hat einen tollen Einfall: England in Miniaturausgabe! Zu diesem Zweck kauft er die Isle of Wight. Er will dort das alte England in Form eines Vergnügungsparks nachbilden: Ein kleiner Buckingham Palace, Stonehenge um die Ecke und Robin Hood in Aktion... Doch die Dinge entwickeln sich anders als vorgesehen, und der falsche Robin Hood droht ein echter zu werden.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Warum nicht England als Touristen-Park-Klon?, 8. August 2009
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: England, England (Gebundene Ausgabe)
Das kleine England läuft privatwirtschaftlich-"effektiv", hat alles, was England in Geschichte, Klischee und Gegenwart ausmacht. So lässt England, England das Original verblassen. Mit dieser sehr guten Handlungsidee hat Barnes eigentlich die fünf Sterne in Greifweite. Was ist Original, was ist Fälschung? Interessiert das überhaupt den Mann auf der Straße? Was macht das altehrwürdige England aus? Wie läuft das ab im Business?

Nun hält er den Spannungsbogen dann nicht bis zum Ende durch und muss dem Oberkapitalisten noch eine abstruse Geschichte andichten, um irgendwie noch eine Wendung zu erreichen.

Bei der Übersetzung sehe ich jetzt nicht so sehr Fremdwörter als das Problem als die mutmaßlich zu geringe Zeit und Bezahlung für eine sprachliche Durchgestaltung. Es wirkt (ich kenne das Original nicht) wie der "erste Durchgang", doch ist wahrscheinlich wie gesagt der Verlag schuld.

Weil die guten Ideen gerade am Anfang doch überwiegen, kann ich eine Empfehlung geben, jedoch "nur" mit drei Sternen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das kopierte England als Utopie, 24. April 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: England, England (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mich sehr fasziniert, weil es leicht zu lesen ist und doch einen tiefsinnigen Hintergrund hat. Die literarische Suche nach einer idealen Welt, die Utopie, ist uralt und hat auch heute noch einen ganz speziellen Reiz. Barnes läßt seinen größenwahnsinnigen Sir Jack Pitman, der sich schon mal mit Ludwig II. von Bayern vergleicht, ein perfektes England auf der Isle of Wight errichten. Dieser Freizeitpark enthält ein auf seine (scheinbar) wichtigsten Bestandteile reduziertes Minikönigreich, das es Touristen ermöglichen soll, ohne lästigen Geldumtausch und Herumreisen ganz England zu sehen. Der Name dieses Inselreiches auf der kleinen Insel - England, England - verweist in seiner Steigerungsform auf den Maximalanspruch dieser utopischen Schöpfung. Doch wie in allen wahrgewordenen Utopien geht vieles schief. Die Schauspieler, die historische Persönlichkeiten verkörpern sollen, identifizieren sich entweder bis zu Verschmelzung mit diesen Figuren oder fangen an, die ihnen auferlegten Regeln zu verletzen. Robin Hood und seine Mannen laufen genauso wie die historischen Schmugglerbanden Amok. Gerade die Frage nach Original und Replik ist eine der zentralen Fragen des Buches, auf die schließlich die Heldin, Martha Cochrane, ihre Antwort findet: Es sind die Menschen, nicht die Gebäude oder "The Times", die das echte England ausmachen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend !, 16. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: England, England (Gebundene Ausgabe)
Das Touristen-England auf der Isle-of-Wright, eine lustige Vorstellung, die neugierig macht. Da erwartet man eine witzige, politisch völlig unkorrekte Satire auf so ziemlich jeden Spleen der Lizbeth-Getreuen.

Aber nix da ! Einige pointierte Dialoge und einige kuriose, sympathische Einfälle retten keine Geschichte, wenn ich nur sehr langatmig, zäh und klischeehaft erzählen kann und mich stetig wiederhole.

Ein großes Vergnügen erwartet und bitter enttäuscht worden.
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