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Engelszungen: Roman
 
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Engelszungen: Roman [Taschenbuch]

Dimitré Dinev
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 608 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (10. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442733162
  • ISBN-13: 978-3442733163
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 53.964 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Dimitré Dinev
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wer einen Roman schreibt, muss etwas zu erzählen haben und dafür braucht man Platz. Deshalb können eigentlich Romane nicht dünn sein, meint der junge bulgarisch-österreichische Autor Dimitré Dinev. Was wie eine kokette Erklärung klingt, hat bei ihm seine Berechtigung und muss sie auch haben, denn sein Debütroman Engelszungen hat den stolzen Umfang von 600 Seiten.

Wie schon in seinem ersten Erzählungsband Die Inschrift sind Emigranten und deren Schicksal sein bevorzugtes Thema. Damals musste er sich allerdings noch beschränken, doch nun ließ man ihm Platz und den nützt er aus, nicht um zu dehnen oder strecken, sondern um seinen Einfällen und verblüffenden Wendungen Raum zu geben.

In Engelszungen sind Svetljo und Iskren seine zentralen Figuren. Beide stammen aus Bulgarien, leben in Wien und sind finanziell ziemlich am Ende. Ihre letzte Chance ist ein Serbe namens Miro. Das Problem ist nur, er ist tot und begraben unter einer großen Engelsstatue am Zentralfriedhof. Doch selbst als Toter versteht er es zu helfen, so erzählt man es sich zumindest in Emigrantenkreisen, wo Miro den Status eines Engels der Flüchtlinge einnimmt. Man muss ihm nur seine Geschichte schildern, dann gibt es vielleicht eine Lösung. Da Svetljo und Iskren sowieso keine andere Chance haben, steigen sie darauf ein, und so nimmt am Wiener Zentralfriedhof die Geschichte ihren Lauf. Daraus entwickelt sich ein weit gespanntes und verzweigtes Familienpanorama, in das Dinev auch gleich die Geschichte Bulgariens der letzten Jahrzehnte verwebt.

Er ist ein genauer Beobachter, der keine larmoyante oder anklagende Aufarbeitung tragischer Schicksale betreibt, sondern mit seinen Figuren sehr menschlich umgeht und dabei auch nicht seinen Witz versteckt. Er erzählt mit Wucht, Intensität und einem Bilderreichtum, die einfach verblüffen, besonders wenn man weiß, dass Dinev, der 1990 nach Österreich geflüchtet ist, auf Deutsch schreibt. --Tobias Hierl

Pressestimmen

„Phantastisch, empfindungsreich und originell.“ (Literarische Welt )

„Ein Buch auch und gerade für jene, denen Bulgarien bisher völlig egal war – mithin für ein richtig großes Publikum.“ (Der Spiegel )

"Engelszungen ist ein bestrickender Coming-of-Age-Roman mit einem guten Schuss slawischem Humor, der 2005 mit dem Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis ausgezeichnet wurde." (Brigitte woman )

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von WoMo
Format:Taschenbuch
"Engelszungen" ist die Biographie zweier junger Männer, geboren um 1967 wie der Autor, die es - wiederum wie den Autor - aus dem bulgarischen Plovdiv nach Wien verschlagen hat. Obwohl sie nahezu gleich alt sind, sich ihre Väter mehrmals in die Haare gerieten, sie auch die Erinnerung an das Mädchen Radost, den serbischen Gangsterboss Miro und an einige andere Personen teilen, glauben sie bis zuletzt, sich nicht zu kennen.

Die beiden Lebensgeschichten unaufdringlich und witzig ineinander fließen zu lassen, ist die große Kunst Dimitré Dinevs. Er meistert es auch, über nahezu 600 Seiten die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl man aus dem Stoff mit all seinen Verästelungen und amüsanten Geschichtchen gut 5 Romane schreiben könnte. (Die Stammbäume der Familien in den Einbandinnenseiten bewahren vor größerer Verwirrung und lästigem Vor- und Zurückblättern.)

Doch gegen Ende werden die erzählten Zeitabschnitte zu lang; teils auch zu rasch und mit - im Vergleich zum Beginn - weit weniger Details erzählt. Hier finden sich auch inhaltliche Fehler: Der Roman endet am 1.1.2001 mit dem Beginn des neuen Jahrtausends und bezieht dennoch schon die Ereignisse des 11. September 2001 ein; hier und in einigen anderen Chronologien irrt der Autor. Überhaupt scheinen die letzten Kapitel mit weniger Sorgfalt geschrieben und lektoriert zu sein.

Das störte mich aber kaum, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich die beiden Helden, den Pechvogel Svjetlo und den durchtriebenen Iskren, schon schätzen gelernt und kann mit ihren Augen neue Perspektiven auf Österreich und seinen Umgang mit Fremden werfen. Denn das Buch ist nicht nur ein ansprechender Roman, sondern auch eine profunde Kritik an den materiellen Gewinnern der Wende im Osten wie im Westen.

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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mein neues Lieblingsbuch 27. April 2006
Format:Taschenbuch
Kennen Sie das? Sie sollten längst schlafen, aber Sie können das Buch nicht aus der Hand legen. Sie sollten längst in der Firma sein, aber ein paar Seiten noch, nur ein paar Seiten. Sie sitzen im Kaffeehaus und warten und lesen, und hoffen, dass das Gegenüber sich verspätet, damit sie noch ein paar Seiten lesen können?
So ging es mir bei diesem Buch. Tragikomisch. Liebevoll erzählt.Immer mit einem Augenzwinkern und Witz. Und mit einer unendlichen Liebe zum Leben.
Sätze, die man sich einprägen möchte, so schön sind sie geschrieben. Wunderbare Wortspiele, Weisheiten, so banal und wahr wie das Leben, aber so formuliert, dass man meint, man höre sie zum ersten Mal.
Ich habe die beiden Versager, die noch nicht mal richtige Versager sind, ins Herz geschlossen. Ihre Familien auch. Hab mitgelitten, mich mitgefreut und viel gelacht. Über den Popen Serafim, über die Großmutter auf dem Friedhof, über die Längen und Breiten im Atlas, ... ach, es ist so viel, dass ich es gar nicht aufzählen kann.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga Kurz TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
...oder ein Hoch auf das pralle Leben!

Beinahe hätten sich Iskren und Svetljo auf dem prominenten Wiener Friedhof vor dem Grab des begabten und bekehrten Verbrechers Miro zum ersten Mal getroffen. Beinahe. Sie waren schon einmal zur gleichen Zeit auf einem Friedhof, in einem anderen Land, in einer bleiernen Zeit, in ihrer gemeinsamen Heimatstadt. Aber das wissen sie nicht. Der eine begleitete seine jetzt nur noch in seinem Herzen lebende Großmutter, die oft mit ihren Toten sprach, der andere, ein Lausbub, versteckte sich hinter einem Grabstein. Aus diesem Versteck heraus erschreckte er die alte Frau so sehr, dass sie den Friedhof fast nie mehr verlassen hätte. Svetljo gab Fersengeld und Iskren holte ihn nicht ein...

Damals waren sie noch Kinder und es wäre gut möglich gewesen, dass sich ihre Wege kreuzten. Taten sie aber nicht. Dabei liebten sie beide Lena und später Radost, die sie nie vergessen sollten. Aber diese Lieben sind schon lange ausgeträumt, andere folgten und vergingen. Die beiden bulgarischen Männer sind, der eine ohne Papiere und der andere mit gefälschten, illegal in Wien und die Walzerstadt zeigt ihnen ausdauernd ihre kalte Schulter. Aber das ist beinahe schon das Ende einer Erzählung, von der man sich wünscht, sie würde dauern, obwohl sie bereits stattliche 600 Seiten umfasst. Das Leben von Iskren und Svetljo und ihren Familien wird so farbig, warmherzig, aberwitzig und zum Lachen traurig erzählt, dass man nicht genug davon bekommen kann. Dimitré Dinevs Geschichte zweier Familien im kommunistischen Bulgarien, deren Leben von ihm so sacht miteinander verflochten werden, dass sie es gar nicht bemerken, ist von großer Intensität. Die Lebensläufe der Männer sind durch ein Feuerwerk der Fabulierkunst zwar zugespitzt und ausgeschmückt, dennoch erscheinen sie ganz und gar wahr. Der Leser taucht in eine fremde Welt ein und hat nur eins im Sinn: weiterlesen, weiterlesen und erfahren, wie das Leben mit Iskren, Svetljo und ihren Angehörigen bis zu jenem Tag umging, an dem sie sich auf dem Wiener Zentralfriedhof zum ersten Mal bewusst gegenüber stehen und nicht ahnen, wie viel sie gemeinsam in ihren Erinnerungen und in ihren Herzen tragen. Wir Leser jedoch wissen es, wir haben sie und ihre Familien und ihre Verflechtungen gründlich kennengelernt. Dieses überlegene Wissen macht einen beträchtlichen Teil der Anziehungskraft des Buches aus.

Am Ende dieser Familiensaga angekommen, hat man das Gefühl ein Stück jüngerer osteuropäischer Geschichte miterlebt zu haben und mehr über die Befindlichkeiten der Menschen gelernt zu haben, die so lange weit entfernt hinter dem Eisernen Vorhang lebten. Das ist gut so, denn Bulgarien ist seit dem vergangenen Jahr Mitglied der EU. Der wie seine Protagonisten aus dem südbulgarischen Plovdiv stammende Dinev, der 1990 nach Österreich floh, musste sich ein Jahrzehnt mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten, bevor er durch das Schreiben (in deutscher Sprache!) in einer bürgerlichen Existenz Fuß fasste. Zuvor war er ein Schatten ohne Papiere. "Engelszungen" ist sein verblüffend gelungenes Romandebüt. Großherzig nimmt er uns an die Hand und zeigt uns seine Heimat im Würgegriff des Kommunismus, ohne ins Lamentieren zu verfallen. Er beschreibt mit großer Liebe die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen und ihrem unverwüstlichen Hang zum Aberglauben, ein Thema, das sich durch das ganze Buch zieht. Neben Iskren und Svetljo sind es die Väter der beiden, auf die unser Augenmerk besonders gelenkt wird. Beide sind Kommunisten durch und durch, wenn auch auf unterschiedlichen Hierarchiestufen. Der eine ist Funktionär und gehört zur Elite des Landes, der andere erledigt als Milizionär das Dreckgeschäft. Glücklich werden sie nicht; ihre Söhne, ihre Frauen, ja ihr Leben entgleiten ihnen unaufhaltsam. Der Funktionär stirbt zur rechten Zeit, der Milizionär aber wird zu einem durch Aberglauben bestimmten Leben verdammt. Erwähnt werden muss auch die herrliche Sdravka mit ihrem goldenen Herzen, Iskrens Großmutter. Als der Junge geboren wird, steht sie schon seit Jahren mit einem Fuß im vertrauten Grab, das andere aber dient dem Enkel als verlässliche Stütze. Als sie gehen muss, lässt sie so viel Wärme zurück, dass Iskrens Seele nicht erfrieren kann.

"Engelszungen" ist ein fantastischer Roman, ich habe ihn lieb gewonnen. Dass am Ende die Zeiten ein wenig durcheinander geraten, schadet ihm nicht. Dinev ist ein Glücksfall für Leser, die sich in Geschichten verlieren wollen. Er hat im Gegensatz zu vielen künstlich gehypten Autoren mit manchmal traurig hohen Auflagen ein großes Publikum verdient. Zum Schluss soll er selbst zu Wort kommen:

"Es war gar nicht so leicht, im realen und auch im reifen Sozialismus an ein Pornoheft zu kommen. Es war sogar eine der schwierigsten Sachen überhaupt. Und je realer der Sozialismus wurde, desto irrealer die Möglichkeit, an so ein Heft zu gelangen.(...) Gott und Pornographie waren gleich schlecht für die Arbeiterklasse. Sie schwächten sie, sie brachten sie ins Wanken, der eine von hoch oben, die andere von allen üblichen Seiten. (...) Und zum ersten Mal seit Erschaffung der Welt wurde Gott und die Pornographie auf die gleiche Weise behandelt. Im Unterschied zu Gott mischte sich aber die Pornographie doch öfters unters Volk, und so ein Heft hielt nun Svetljo in seinen Händen."

Dimitré Dinev hat das Buch seinen beiden Großmüttern gewidmet: "Für meine Großmutter Kaliopa, die bis zum Ende mit einem Kreuz unterschrieb und für meine Großmutter Dena, die immer noch auf ihre gestohlenen Schafe wartet"

Darin ist bereits die Melodie des Romans enthalten.

Helga Kurz
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