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Produktinformation
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Wie schon in seinem ersten Erzählungsband Die Inschrift sind Emigranten und deren Schicksal sein bevorzugtes Thema. Damals musste er sich allerdings noch beschränken, doch nun ließ man ihm Platz und den nützt er aus, nicht um zu dehnen oder strecken, sondern um seinen Einfällen und verblüffenden Wendungen Raum zu geben.
In Engelszungen sind Svetljo und Iskren seine zentralen Figuren. Beide stammen aus Bulgarien, leben in Wien und sind finanziell ziemlich am Ende. Ihre letzte Chance ist ein Serbe namens Miro. Das Problem ist nur, er ist tot und begraben unter einer großen Engelsstatue am Zentralfriedhof. Doch selbst als Toter versteht er es zu helfen, so erzählt man es sich zumindest in Emigrantenkreisen, wo Miro den Status eines Engels der Flüchtlinge einnimmt. Man muss ihm nur seine Geschichte schildern, dann gibt es vielleicht eine Lösung. Da Svetljo und Iskren sowieso keine andere Chance haben, steigen sie darauf ein, und so nimmt am Wiener Zentralfriedhof die Geschichte ihren Lauf. Daraus entwickelt sich ein weit gespanntes und verzweigtes Familienpanorama, in das Dinev auch gleich die Geschichte Bulgariens der letzten Jahrzehnte verwebt.
Er ist ein genauer Beobachter, der keine larmoyante oder anklagende Aufarbeitung tragischer Schicksale betreibt, sondern mit seinen Figuren sehr menschlich umgeht und dabei auch nicht seinen Witz versteckt. Er erzählt mit Wucht, Intensität und einem Bilderreichtum, die einfach verblüffen, besonders wenn man weiß, dass Dinev, der 1990 nach Österreich geflüchtet ist, auf Deutsch schreibt. --Tobias Hierl
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Die beiden Lebensgeschichten unaufdringlich und witzig ineinander fließen zu lassen, ist die große Kunst Dimitré Dinevs. Er meistert es auch, über nahezu 600 Seiten die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl man aus dem Stoff mit all seinen Verästelungen und amüsanten Geschichtchen gut 5 Romane schreiben könnte. (Die Stammbäume der Familien in den Einbandinnenseiten bewahren vor größerer Verwirrung und lästigem Vor- und Zurückblättern.)
Doch gegen Ende werden die erzählten Zeitabschnitte zu lang; teils auch zu rasch und mit - im Vergleich zum Beginn - weit weniger Details erzählt. Hier finden sich auch inhaltliche Fehler: Der Roman endet am 1.1.2001 mit dem Beginn des neuen Jahrtausends und bezieht dennoch schon die Ereignisse des 11. September 2001 ein; hier und in einigen anderen Chronologien irrt der Autor. Überhaupt scheinen die letzten Kapitel mit weniger Sorgfalt geschrieben und lektoriert zu sein.
Das störte mich aber kaum, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich die beiden Helden, den Pechvogel Svjetlo und den durchtriebenen Iskren, schon schätzen gelernt und kann mit ihren Augen neue Perspektiven auf Österreich und seinen Umgang mit Fremden werfen. Denn das Buch ist nicht nur ein ansprechender Roman, sondern auch eine profunde Kritik an den materiellen Gewinnern der Wende im Osten wie im Westen.
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