Sucht man nach einem Buch über Brugmansien, findet man wenig und landet schnell bei Ulrike und Hans-Georg Preißel, einem Buch aus dem Jahr 1997. Und da liegt auch gleich das größte Manko: Es fehlen die vielen neuen Sorten, die in den letzten Jahren so zahlreich auf den Markt gekommen sind. Aber dennoch: für jeden, der sich mit Brugmansien beschäftigt, ein wichtiges und umfassendes Buch. Nicht nur, dass es deutlich über den Unterschied zwischen den beiden Gattungen Brugmansia und Datura aufklärt, es beschreibt auch den kulturgeschichtlichen Hintergrund der beiden aus Amerika stammenden Gattungen (auch wenn einige Datura-Arten aus dem chinesischen, nordafrikanischen und sogar europäischen Raum kommen). Und es beschreibt natürlich ausführlich die Wildarten und natürlichen Hybriden beider Gattungen und berücksichtigt dabei den Kuddelmuddel der Namen, der durch die in der Mitte des 20. Jh. erfolgte Heraustrennung der Brugmansien aus der Gattung Datura entstanden ist. "Natürliche" Hybriden sind bei den Brugmansien ein recht häufig auftretendes Phänomen, ob der Mensch dabei mitgewirkt hat, ist oft unklar; sie sind jedenfalls in unseren Gärten zu finden.
Wer eine oder mehrere Engelstrompeten als Kübelpflanzen im Garten hat, wird dankbar sein für die Pflegehinweise, die Hinweise zu den natürlichen Veränderungen an den Pflanzen, wie auch über Schädlinge und Krankheiten. Das Buch begründet beispielsweise, warum die Annahme, Brugmansien gehörten in die pralle Sonne, falsch ist; der Feuchtigkeitsverlust in der prallen Mittagssonne kann durch die Wurzeln nicht ausgeglichen werden, die Pflanzen wirken schlapp und wachsen schlechter.
Aber auch die Beschreibung der Wuchsentwicklung und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Behandlung der Pflanzen ist wichtig. Und das Buch macht Mut, Engelstrompeten nicht nur im Kübel zu halten, sondern auch auszupflanzen, zu vermehren und mit etwas Ausdauer auch zu züchten. Das dafür notwendige Wissen wird jedenfalls vermittelt.
Die Auflistung des Brugmansien-Sortiments ist hilfreich, aber wie bereits gesagt, zwangsläufig nicht mehr auf dem heutigen Stand. Hilfreich deswegen, weil die grundsätzlichen Bewertungen zu den ihre Abstammung widerspiegelnden Hybrid-Gruppen weiterhin gültig sind.
Auch einige Arten der Gattung Datura lassen sich gut im Garten und im Kübel halten und bieten reizvolle Blüten an. Einige Arten davon sind auch mehrjährig und bieten sich für eine Überwinterung an. Auch hier vermittelt das Buch kurz und knapp, aber ausreichend das notwendige Wissen für die Pflege, Vermehrung und Züchtung.
Insgesamt ein zwar schon älteres Werk, das aber immer noch seinen Wert hat und für den Engelstrompeten-Liebhaber sehr hilfreich ist.