Solange ich mich erinnern kann, habe ich die Schatten gesehen. Dunkle, tanzende Silhouetten, die immer um mich waren. Jetzt, an meiner neuen Schule, sind sie noch stärker geworden. Manchmal glaube ich, nur ein Schutzengel kann mich noch retten. Aber ich habe niemals an Engel geglaubt. Bis ich IHN traf''
Lucinda (Luce) Price ist 17 Jahre alt, als der Junge, in den sie verknallt ist, bei ihrem ersten Kuss in Flammen aufgeht.
Si kann sich gerade noch vor den Flammen in Sicherheit bringen, ist aber zu geschockt, um auch Trevor zu retten. Weder kann Luce sich, noch irgendjemand anderem erklären, wie oder was genau da passiert ist, sie weiß nur, dass Trevor tot ist und sie selbst unter Mordverdacht steht. Aber das ist nur der erste Apltraum in einer Kette von Alpträumen, in die sie unaufhaltsam schlittert, als ein Gericht sie dazuverurteilt auf ein Internat für schwererziehbare Jugendliche zu gehen, die "Sword & Cross Schule".
Bei ihrer Ankunft an der Schule muss Luce nicht nur ihr Handy aufgeben, und damit die Verbindung zur Außenwelt, sondern auch ihre Privatsphäre. Die "Sword & Cross" gleicht mit seinen alten, heruntergekommenen Gebäuden, den Überwachungskameras an jeder Ecke und den strengen Vorschriften viel mehr einem Gefängnis oder einem Hochsicherheitstrakt, als einem Internat. Zudem sind die Schüler und Lehrer alles andere als umgänglich und Luce wüsste nicht, wie sie die erste Woche überlebt hätte, wenn da nicht Arriane und Penn aufgetaucht wären. Zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, für Luce als Freundinnen jedoch unbezahlbar werden und ihr helfen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden.
Überraschenderweise scheint es da aber noch jemanden zu geben, der sich für sie interessiert, und dieser jemand ist Cam. Der freche, beliebte Cam, der schon bald beginnt Luce nach allen Regeln der Kunst zu umwerben. Luce ist durchaus angetan von ihm und freut sich über seine Aufmerksamkeiten, mit denen er sie ein ums andere Mal aus der Fassung bringt, doch ein anderer Junge ist es, der ihre Gedanken gefangen hält: Daniel Grigori.
Luce ist fasziniert von Daniel und sie wird das Gefühl nicht los ihn schon von früher zu kennen, so vertraut erscheint er ihr. Als sie ihn aber darauf anspricht, streitet Daniel es ab und geht Luce auch sonst aus dem Weg. Ganz offensichtlich mag er sie nicht- aber warum ist er dann immer zur Stelle, wenn die Schatten, die Luce seit ihrer Kindheit verfolgen, sie wieder umgeben? Die Schatten, die seit ihrer Ankunft an der "Sword & Cross" immer dunkler und bedrohlicher werden- bis sie erstmals sogar in ihr Leben eingreifen und dadurch eine Kette von Ereignissen in Gang setzten, die so schrecklich sind, wie Luce es sich niemals hatte vorstellen können.
Sie gerät in einen Kampf zwischen Gut und Böse und weiß plötzlich nicht mehr, wem sie vertrauen kann, und wem nicht und sie erfährt, dass derjenige, den man am meisten liebt, manchmal gefährlicher sein kann, als dein schlimmster Feind.
Ich muss zugeben, dass ich lange darüber nachgedacht habe, ob ich das Buch "Engelsnacht" haben will oder nicht. Das Cover fand ich sofort wunderschön, ein echter Hingucker: dunkel, mystisch, ja gar bedrohlich und ein bisschen gruselig. Ebenso sprach mich auch die Idee hinter der Geschichte an und ich dachte mir begeistert, dass das endlich mal etwas anderes und ganzes Neues war.
Genau dieser Gedanke machte mich jedoch vorsichtig, denn oft, wenn ich zu hohe Erwartungen in ein Buch steckte, wurde ich hinterher bitterlich enttäuscht.
Glücklicherweise nicht so bei diesem Buch!
Ich weiß nicht wie oder wann es passiert ist, aber es gab einen Punkt an dem ich einfach nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Ich fühlte zusammen mit Luce die Enge der Internatsschule, verstand ihre Angst vor den Schatten, die wie aus dem Nichts überall auftauchen konnten, und auch ihre Selbstzweifel und Angst vor sich selbst, weil sie nicht wusste, was damals mit Trevor passiert war. Ich litt mit ihr, als ich von ihrer Kindheit erfuhr, die von Psychiatern und Medikamenten auf Grund ihrer "Erscheinungen" geprägt war und fragte mich ein ums andere Mal, was es mit diesen Schatten auf sich hatte.
Als dann Daniel auf der Bildfläche erschien, befürchtete ich, dass das Buch jetzt diese typische Wendung nehmen würde, in der die Protagonistin nur noch von dem attraktiven Jungen schwärmt, in den sie sich natürlich auf den ersten Blick verliebt hat. Ich fühlte mich auch kurz bestätigt, als Luce fast all ihre anderen Ängste wegen Daniel zu vergessen schien und sie nur noch Augen für ihn hatte, doch Gott sei Dank kamen da ein paar überraschende Ereignisse, die das Ruder noch einmal herumrissen und die Spannung ankurbelten. So bin ich gewillt diese übertriebene Schwärmerei, ja gar Sucht nach Daniel zu verzeihen, weil man ja zum Schluss erfährt, was wirklich hinter ihrer Liebe zu ihm steckt.
Es ließ sich wohl nicht ganz vermeiden, dem ein oder anderen Klischee auszuweichen und man merkt ganz eindeutig, dass dieses Buch der Auftakt einer ganzen Reihe ist, weil die Personen darin doch noch ein wenig unausgereift wirken und viele Fragen offen bleiben, aber wenn man sich einfach ein paar schöne Lesestunden mit einer leichten und spannenden Lektüre wünscht, dann ist "Engelsnacht" von Lauren Kate genau das richtige!
Weil ich die Geschichtsidee einfach toll finde und ich glaube, dass sich die Autorin im zweiten Band noch einmal steigern kann, vergebe ich trotz einiger Kritikpunkte: